Videolaryngoskopie ist 20 Jahre nach ihrer Einführung zwar weit verbreitet, aber immer noch kein Standard in der prähospitalen Atemwegssicherung. Eine Metaanalyse vergleicht nun die direkte Laryngoskopie mit der Videolaryngoskopie im Hinblick auf die Erfolgsrate (im Sinne eines First Pass Success – als Intubationserfolg bei ersten Versuch) bei der prähospitalen orotrachealen Intubation.
Kent ME, Sciavolino BM, Blickley ZJ, Pasichow SHVideo Laryngoscopy versus Direct Laryngoscopy for Orotracheal Intubation in the Out-of-Hospital Environment: A Systematic Review and Meta-Analysis
Methodik
Die Datenbanken MEDLINE, Embase und Cochrane wurden bis Januar 2023 durchsucht. Eingeschlossen wurden prähospitale Studien, die Videolaryngoskopie und direkte Laryngoskopie hinsichtlich des Erfolgs beim ersten Versuch oder des Gesamterfolgs der Intubation verglichen.
Primärer Endpunkt dieser Metaanalyse war der Erfolg beim ersten Versuch, stratifiziert nach Anwendertyp und Geometrie des Laryngoskopspatels.
Sekundäre Endpunkte waren der Gesamterfolg der Intubation sowie die Intubationsdauer.
Ergebnisse
25 Studien mit insgesamt 35.489 Intubationen erfüllten die Einschlusskriterien; 5 Studien mit Ärzten, 6 Studien mit spezialisiertem Rettungsfachpersonal oder Pflegekräften (Critical Care Paramedics/Registered Nurses) und 10 Studien mit Rettungsfachpersonal (Paramedics). Ein Problem bestand durch die erhebliche Heterogenität der eingeschlossenen Studien (>75 %).
Hinsichtlich des primären Endpunkts war die Videolaryngoskopie mit einer höheren Erfolgsrate beim ersten Versuch assoziiert in: 3 von 5 Studien mit Ärzten, 4 von 6 Studien mit spezialisiertem Rettungsfachpersonal oder Pflegekräften und 7 von 10 Studien mit Rettungsfachpersonal.
Videolaryngoskope mit Macintosh-Spateln waren in 7 von 10 Studien mit einem besseren Erfolg beim ersten Versuch verbunden, während Geräte mit hyperangulierter Geometrie in 3 von 7 Studien einen besseren Erfolg beim ersten Versuch zeigten. Der Gesamterfolg der Intubation war bei Anwendung der Videolaryngoskopie durch Ärzte höher in 2 von 6 Studien und in der Anwendung durch Rettungsfachpersonal in 9 von 10 Studien. Bei Rettungsfachpersonal/Pflegekräften zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Videolaryngoskopie und Gesamterfolg der Intubation (OR = 1,89; 0,96–3,72; I² = 34 %).
Schließlich ergaben 4 von 5 Studien, dass die Videolaryngoskopie mit längeren Intubationszeiten einherging.
Schlussfolgerungen
Die Autoren beschreiben eine erhebliche Heterogenität in den prähospitalen Studien, welche die Videolaryngoskopie und die direkte Laryngoskopie vergleichen, hinsichtlich des Erfolgs beim ersten Versuch, des Gesamterfolgs oder der Intubationsdauer. Diese Heterogenität ließ sich weder durch Stratifizierung nach Studiendesign, Anwendertyp oder Spatelgeometrie erklären. Die Mehrheit der Studien zeigte, dass die Videolaryngoskopie in allen Untergruppen mit einer höheren Erfolgsrate beim ersten Versuch einherging; hinsichtlich des Gesamterfolgs galt dies jedoch nur für Rettungsfachpersonal, nicht für Ärzte.
Diese Verbesserung trat häufiger in Studien auf, in denen Macintosh-Spatel verwendet wurden, als in solchen, bei denen hyperangulierte Spatel zum Einsatz kamen.
Bewertung
Die Videolaryngoskopie zeigt in vielen Untersuchungen eine Verbesserung des First-Pass-Success, wenn dieser vorher mit der direkten Laryngoskopie gering war – also bei weniger routinierten Anwendern. Der beschriebene bessere Intubationserfolg mit Macintosh-Spatel bestätigt, dass für die Tubusführung bei hyperangulierten Spateln viel mehr Routine erforderlich ist und diese nicht so leicht erlernt werden kann.