1-Stunden-Sepsis-Bündel der SSC: Wirklich immer Blutkulturen?

Die Surviving Sepsis Campaign (SSC) empfehlen die Verwendung eines 1-h-Sepsis-Bündels, aber es fehlen klinische Daten, die diese Strategie unterstützen.

Zitek T, et al. BLOOD CULTURE RESULTS AND OVERTREATMENT ASSOCIATED WITH THE USE OF A 1-HOUR SEPSIS BUNDLE. The Journal of Emergency Medicine, Vol. 59, No. 5, pp. 629–636, 2020

Methoden:

  • retrospektive Analyse,
  • Sepsispatienten aus drei Notaufnahmen,
  • Rate der wahr-positiven Blutkulturen,
  • logistische Regressionsanalyse

Ergebnisse:

  • n=544 mit vermuteter Sepsis
  • davon 33,8 % (95 % Konfidenzintervall [CI]: 29,9-38,0%) letztendlich mit einer Sepsis
  • und 54,6 % (95 % CI_ 50,3-58,8 %) wiesen eine bakterielle Infektion auf
  • insgesamt waren 7,0 % (95 % CI: 5,0-9,5 %) der Blutkulturen positiv
  • In der multivariaten logistischen Regressionsanalyse waren folgende Konstellationen mit positiven Blutkulturen assoziiert:
    • Temperatur >38 C oder < 36 C
    • Laktat >4 mmol/L

Warum ist dieses Thema wichtig?
Die SSC empfehlen die Verwendung eines 1-Stunden-Sepsis-Bündels zur Beschleunigung der Versorgung von kritisch kranken septischen Patienten. Die Verwendung eines 1-Stunden-Sepsis-Bündels könnte jedoch mit der unnötigen Anordnung von Blutkulturen und dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika verbunden sein.

2. Was versucht diese Studie zu zeigen?
In dieser Studie wurde versucht, die Rate zu bestimmen, mit der Patienten, die sich einem 1-Stunden-Sepsis-Protokoll unterziehen, eine Bakteriämie aufweisen. Es wurde auch versucht, die Raten zu bestimmen, mit denen bei diesen Patienten letztendlich eine Sepsis oder eine bakterielle Infektion diagnostiziert wird.

3. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
Wenn bei Patienten, die einem 1-Stunden-Sepsis-Protokoll unterzogen werden, Blutkulturen durchgeführt werden, ist die Ausbeute gering. Bei den meisten Patienten, die sich einem 1-Stunden-Sepsis-Protokoll unterziehen, wird letztendlich keine Sepsis diagnostiziert, und etwa die Hälfte hat keine bakterielle Infektion.

4. Wie wird die Patientenversorgung beeinflusst?
Ein gezielterer Ansatz für den Einsatz von Blutkulturen bei Patienten mit möglicher Sepsis könnte zu erheblichen Kosteneinsparungen führen und den Patienten die Schäden durch falsch-positive Ergebnisse ersparen. Im Allgemeinen sollte die Verwendung eines 1-Stunden-Sepsis-Bündels vor einer breiten Einführung genauer untersucht werden.

Anders als die Autoren sehen wir von news-papers.eu es etwa anders: Die Diskriminierung von Sepsis vs. keine Sepsis ist häufig erst im innenklinischen stationären Verlauf möglich. Keine Abnahme vor Gabe einer antiinfektiven Therapie kann massgeblich die Versorgung verschlechtern. Also stellt sich die Frage: ist es schlechter „manche“ Patienten zu übersehen oder bei „manchen“ zu viel Blutkulturen abzunehmen? Ökonomische Gedanken sind sicherlich gut, aber auch nicht jede negative Blutkultur bedeutet einen Sepsis-negativen Patient. Wir halten uns daher weiterhin an die Vorgaben des SSC: Ja bei V.a. Sepsis immer Blutkulturen und auch unabhängig von Laktat und Temperatur.

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