Neue Empfehlungen zum „Physiological Difficult Airway“ – Teil 2

Schauen wir heute doch noch mal etwas genauer in die neuen Empfehlungen zum Vorgehen für den „physiologisch schwierigen Atemweg“:

Kornas RL et al. Evaluation and Management of the Physiologically Difficult Airway: Consensus Recommendations From Society for Airway Management. Anesthesia Analgesia 2020, online

Zum Thema „Hypoxämie“ finden sich folgende detaillierten Empfehlungen: 

  1. Alle Patienten sollten vor der Intubation maximal präoxygeniert werden.
  2. Die Präoxygenierung sollte unter Verwendung von High-Flow-Sauerstoff für mindestens 3 Minuten oder 8 tiefen Atemzüge durchgeführt werden.
  3. Ziel ist die Aufrechterhaltung der Oxygenierung während der Apnoe-Periode, um die Dauer einer sicheren Apnoe zu erhöhen.
  4. Die apnoische Oxygenierung kann mit einem Standard-Nasenkanüle bei 15 lO2/min oder HFNO-Systeme bei 40-70 lO2/min LPM erfolgen.
  5. Steht für die Präoxygenierung keine eng anliegende „Non-Rebreather Mask“ (NRM) – oder NIV-Gesichtsmaske zur Verfügung, sollte eine unterstützte Spontanatmungen mit einer Beutel-Masken-Beatmung mit PEEP-Ventil und 1-Wege-Ausatemventil verwendet werden.
  6. Wenn der Patient ein eng anliegendes NRM oder NIV-Maske nicht toleriert, sollten beheizte HFNO-Systeme mit einem Flow von 40-70 lO2/min LPM verwendet werden.
  7. Wenn der Patient eine signifikante Shunt-Physiologie  oder reduzierter Funktionelle Residualkapazität (z.B. Schwangerschaft, Adipositas, akutes Atemnotsyndrom [ARDS]) aufweist, sollte die Präoxygenerierung mit PEEP unter Verwendung von NIV oder mittels Beutel-Masken-Beatmung mit einem PEEP-Ventil durchgeführt werden.
  8. Inhalative pulmonale Vasodilatatoren können in Betracht gezogen werden, um bei Patienten mit schwerer Hypoxie vor der Intubation die Beatmungs-Perfusionsfehlanpassung zu verbessern.
  9. Wenn höhere PEEP-Werte erforderlich sind, sollte eine extraglottische Atemweghilfen zur Präoxygenierung in Betracht gezogen werden.
  10. Eine Wachintubation zur Aufrechterhaltung der Spontanatmung sollte bei Patienten mit refraktärer Hypoxämie unbedingt erwogen werden.
  11. Patienten sollten nach Möglichkeit in aufrechter Position präoxygeniert werden.
  12. Eine Oberkörperhochlagerung sollte, wenn möglich, durchgeführt werden, um die Sicht zu verbessern, die Sauerstoffzufuhr aufrecht zu erhalten und ein Aspirationrisiko zu reduzieren.
  13. Wenn die Delayed Sequence Intubation (DSI) verwendet wird, sollte der Anwender für eine Notfall-Intubation bereit sein, da die dissoziative Ketamindosis unzuverlässig sein kann.
  14. Bei DSI wird empfehlen geringe Ketamin-Dosen  (10-20 mg) oder Dexmedetomidin einzusetzen, um Apnoe zu vermeiden.

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