Frühzeitige Calziumgabe bei geringer Transfusion möglicherweise nachteilig

Calzium ist elementarer Bestandteil der Gerinnungskaskade durch Aktivierung der Thrombozyten und als Co-Enzym bei der Umwandlung wichtiger Gerinnungsfaktoren in ihre aktive Form. Entsprechend scheint eine Hypocalcämie bei polytraumatisierten Patienten häufig mit einer höheren Transfusionsrate und sogar  mit einer höheren Gesamtmortalität assoziiert.

Da in verschiedenen Blutprodukten Citrat als Antikoagulans verwendet wird, welches wiederum Hypocalcämien bedingen kann, gehört die routinemäßige Gabe von Calcium zu jedem Massentransfusionsprotokoll.

Vielfach wird Calcium vor diesem Hintergrund bereits frühzeitig im Schockraum empirisch substituiert bevor Laborwerte vorliegen, die dieses Vorgehen stützen.

Deshalb hat eine Arbeitsgruppe aus Alabama diese Calziumgaben untersucht.

Hewgley, W.P., Griffin, R.L., Baird, E. et al.

Early calcium replacement after minimal blood transfusion is associated with adverse outcomes.

Eur J Trauma Emerg Surg 52, 238 (2026)

Methoden: Es handelt sich um eine retrospektive Analyse von Patienten, die zwischen 2018 und 2024 in einem Traumazentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level 1) aufgenommen wurden und 1–3 Einheiten Erythrozytenkonzentrate (EK) erhielten. Die Patienten wurden anhand ihrer Calziumspiegel sowie danach gruppiert, ob sie eine frühe Calziumsubstitution erhalten hatten. Zur Abschätzung der Odds Ratios für den Zusammenhang zwischen Calziumspiegeln, Calziumsubstitution und klinischen Ergebnissen wurde eine logistische Regression durchgeführt. Primärer Endpunkt war die Krankenhaussterblichkeit. Zu den sekundären Endpunkten gehörten akutes Nierenversagen, Myokardinfarkt, akutes Atemnotsyndrom (ARDS) und venöse Thromboembolien. Das Modell wurde hinsichtlich Alter, Geschlecht, Injury Severity Score (ISS) und Schockindex adjustiert.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 2.680 Patienten in die Studie einbezogen. Bei der Stratifizierung nach Calziumspiegeln und Substitutionsstatus zeigten sich hinsichtlich Alter, Geschlecht, Verletzungsmechanismus und Injury Severity Score keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Gruppen; der Schockindex war jedoch bei Patienten mit Calziumsubstitution höher. Nach Adjustierung wiesen Patienten mit Hypocalzämie, die eine Calziumsubstitution erhielten, eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von akutem Nierenversagen, akutem Atemnotsyndrom, tiefer Venenthrombose und Lungenembolie auf (jeweils p < 0,05).

Schlussfolgerung: Bei Traumapatienten, die 1–3 Einheiten Erythrozytenkonzentrate erhielten, war eine frühe Calziumsubstitution mit ungünstigen klinischen Ergebnissen assoziiert. Der Einsatz einer frühen, empirischen Calziumsubstitution in Verbindung mit einer minimalen Transfusion sollte daher sorgfältig abgewogen werden.

 

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