„Silent Hypoxemia“ bei COVID-19

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Zur medizinischen Intervention bei Patienten mit COVID-19 wurde das Pilotprojekt „Medizinisches Einsatzteam“ (MET) der Berufsfeuerwehr Köln etabliert. Das MET wird mit erfahrenen Notärzten be- setzt. Wird bei der routinemäßigen Nachverfolgung durch das Gesundheitsamt beim Patienten aufgrund des Risikoprofils und einer Symptomverschlechterung eine Krisensituation erkennbar, erfolgt die Intervention durch das MET vor Ort. Die Kölner-Kollegen publizierten nun eine Fallserie, die die typische Verläufe von Silent Hypoxemia bei fünf Patienten anhand von ambulanten und klinischen Daten beschreibt und einen Beitrag zur Risikostratifizierung bei COVID-19-Patienten leistet .

Miller C, Stangl R, et al. Silent hypoxemia of COVID-19 pneumonia – typical courses with implications for outpatient care. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 8–9. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0115 (PDF)

  • Das Risiko einer dynamischen Verschlechterung und einer perakut respiratorischen Dekompensation machen Silent Hypoxemia zu einem kritischen Faktor bei der ambulanten Betreuung von Patienten mit COVID-19.

Dhont S, et al. The pathophysiology of ‚happy‘ hypoxemia in COVID-19. Respir Res 2020; 21: 198.

Tobin MJ, et al. Why COVID-19 silent hypoxemia is baffling to physicians. Am J Respir Crit Care Med 2020; 202: 356–60.

  • Kennzeichnend ist eine vom Patienten subjektiv empfundene Symptomfreiheit ohne Dyspnoeempfinden – trotz teils profunder Hypoxämien. Das Dyspnoeempfinden ist pathophysiologisch komplex und multifaktoriell. Neben der Chemorezeption (Hyperkapnie, Hypoxie) sind mechanische Afferenzen der Dehnungsrezeptoren der Atemmuskulatur maßgeblich.
  • Relatives Wohlbefinden, unauffälliger AZ und damit fehlender Symptomdruck erhöhen das Risiko, eine vital bedrohliche Situation bei COVID-19-Patienten zu verkennen. Zur Risikoeinschätzung bei Silent Hypoxemia reichen etablierte Score-Systeme zur Prognoseschätzung ambulant erworbe- ner Pneumonie (CURB-65) nach Erfahrung der Autoren nicht aus. Die klinisch unmittelbare Bewertung der kognitiven Beeinträchtigung als Bewertungsparameter ist häufig nicht fassbar. Unklar ist, ob die fehlende Symptomwahrnehmung einer spezifischen Pathophysiologie der SARS-CoV-2-Infektion folgt oder Ausdruck einer hypoxisch induzierten Alteration der kognitiven Fähigkeiten ist.
  • Pathophysiologische Gemeinsamkeiten zwischen Acute Mountain Sickness (AMS) und Silent Hypoxemia werden aktuell postuliert. Auf Silent Hypoxemia extrapoliert, sollten kognitive Einschränkungen der situativ-adäquaten Urteilsfähigkeit des Patienten strukturiert, etwa durch Mini-Mental-Status-Test (MMST), eingeschätzt werden. So lassen sich kognitive Alterationen beim Patienten und deren Folgen auf die subjektive Einschätzung der Behandlungsbedürftigkeit beurteilen. Ein normaler MMST bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass die Beurteilungsfähigkeit erhalten ist.
  • Das MET-Projekt sieht bei Risikopatienten (Vorerkrankungen, Lebensalter, BMI) die Beurteilung des Allgemeinzustands (Ruhe- und Belastungsdyspnoe, Körpertemperatur), von Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz und -mechanik durch einen erfahrenen Arzt sowie die ergänzende pulmonale Sonografie vor.
  • Die Sonografie ermöglichte im untersuchten Kollektiv die frühe Detektion von Befundmustern, die auf eine krisenhafte Verschlechterung hinwiesen, bevor diese in einer objektiv fassbaren Verschlechterung der Vitalparameter fassbar wurden, so wie dies Vetrugno et al. beschreiben.

Vetrugno L, et al. Our Italian experience using lung ultrasound for identification, grading and serial follow-up of severity of lung involvement for management of patients with COVID-19. Echocardiography 2020; 37: 625–7.

  • Die Sonografie ist zweifellos untersucherabhängig, jedoch können nach Erfahrung der Kollegen nach kurzer Einweisung reproduzierbare Befunde erhoben werden.
  • Im MET-Projekt wird das Patientenkollektiv hinsichtlich prädiktiver klinischer, anamnestischer und biometrischer Daten charakterisiert, um die ambulante Diagnostik besser an die individuelle Risikokonstellation des Patienten anzupassen.

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