Transport unter Reanimationsmassnahmen?

Verschiedene Versorgungskonzepte haben sich national und international hinsichtlich des Vor-Ort Vorgehens bei prähospitalem Herzkreislaufstillstand ergeben. Teilweise wird hier ein „Stay and play“ bei der Reanimation betrieben, dass heisst Patienten werden vor Ort versorgt und erst nach Return of spontaneous circulation (ROSC) transportiert, teils werden die Patienten aber auch unter Reanimationsbedingungen in eine Klinik transportiert und kommen noch im Herzkreislaufstillstand zur Aufnahme.

Welches ist nun das bessere Verfahren? Dieser Frage gingen Brian Grunau und Kollegen in einer aktuellen Untersuchung in JAMA nach:

Grunau B et al., Association of Intra-arrest Transport vs Continued On-Scene Resuscitation With Survival to Hospital Discharge Among Patients With Out-of-Hospital Cardiac Arrest. JAMA 2020; 324: 1058-1067, doi:10.1001/jama.2020.14185

Ziel der Studie war es zu untersuchen, der Transport innerhalb des Herzkreislaufstillstandes im Vergleich zur fortgesetzten Reanimation vor Ort bei Patienten mit Herzstillstand mit dem Überleben bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus assoziiert ist.

Methodik:  

  • Kohortenstudie
  • prospektive Evaluation konsekutiven aller nicht-traumatischen adelten Herzkreislaufstillstände
  • Register des Resuscitation Outcomes Consortium (ROC) (04/2011-05/2015
  • 10 nordamerikanischen Standorten
  • Nachbeobachtung bis zum Datum der Krankenhausentlassung oder des Todes [unabhängig davon, wann eines der beiden Ereignisse eintrat]),
  • Anteil der Patienten mit gutem neurologischen Ergebnis (modifizierte Rankin-Skala <3)
  • Propensity-Score gematchte Untersuchung
  • Als Untergruppen wurden nach initialem Herzrhythmus und Rettungsdienst-bezeugten Herzstillständen separiert analysiert.

Ergebnisse:

  • n=43.969
  • mittlere Alter: 67 Jahren (Interquartilskala, 55-80)
  • Frauen: 37%
  • Ereigniseintritt an einem privaten Ort: 86%
  • Anteil beobachteter Herzkreislaufstillstand: 49%
  • Anteil schockbare Rhythmen: 22%
  • Anteil mit „intra-arrest“ Transport: 26%
  • Überlebensrate bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus
    • „intra-arrest“ Transport: 3,8%
    • Vor-Ort Versorgung bis ROSC: 12,6%
  • Propensity Score gematchte Untersuchung (n=27.705):  
    • „intra-arrest“ Transport: 4,0%
    • Vor-Ort Versorgung bis ROSC: 8,5%
    • Risikodifferenz, 4,6% [95% CI, 4,0%- 5,1%])
  • Günstige neurologische Ergebnisse:
    • „intra-arrest“ Transport: 2,9%
    • Vor-Ort Versorgung bis ROSC: 7,1%
    • Risikodifferenz, 4,2% [95% KI, 3,5%-4,9%])

Fazit: Bei Patienten mit prähospitalem Herzstillstand war der „intra-arrest“ Transport  im Vergleich zur fortgesetzten Wiederbelebung vor Ort mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit des Überlebens bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus assoziiert.

Die Studie von Grunau B et al., JAMA 2020; 324: 1058-1067, kurz zusammengefasst im „Frage-Antwort“-Spiel: 

Frage: Ist der Transport in ein Krankenhaus während der Reanimation eines prähospitalen Herzkreislaufstillstands im Vergleich zu einer fortgesetzten Behandlung vor Ort mit einem Unterschied in der Überlebensrate bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus verbunden?

Antwort: In der hier vorgestellten Kohortenstudie mit 27.705 gematchten Patienten mit prähospitalen Herzkreislaufstillstand zeigte sich mit 4,0% versus 8,5% ein signifikant schlechteres Ergebnis bis zur Krankenhausentlassung für den „intra-arrest“ Transport. Diese Ergebnisse unterstützen daher keinen routinemäßigen „intra-arrest“ Transport von Patienten während der Reanimation eines prähospitalen Herzkreislaufstillstand bis zum Krankenhaus.

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