„Why mothers die?“ – Teil 2

IMG_3824Hier nun der 2. Teil zur Heidelberger Übersichtsartikel zur mütterlicher Sterblichkeit:

Die entsprechenden Daten rekrutieren sich auf dem Confidential Enquiry into Maternal Deaths (CEMD) anhand von Daten aus dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland und wurden in eine Reviewverfahren von bis zu 15 freiwilligen Experten aus den Bereichen Geburtshilfe, Anästhesie, Kardiologie, Infektiologie, Pathologie, Neurologie, Psychiatrie sowie Allgemeinmedizin begutachtet:

  • führende Ursachen direkter mütterlicher Todesfälle sind Thrombembolien (35%), Blutungen (19%), Fruchtwasserembolien (15%), Sepsis (10%), Prä-/Exklampsie (9%), Todesfälle in der Frühschwangerschaft (9%), und anästhesiebedingte Todesfälle (4%)
  • Ursachen indirekter mütterlicher Todesfälle sind kardiale (34%), neurologische (17%), psychiatrische (13%), maligne Erkrankungen (0,7%) und sonstige indirekte Ursachen (15%)

Atemwegsmanagement assoziierte Probleme in der Schwangerschaft sind:

  • hormonbedingte laryngeale Ödemneigung
  • schwangerschaftsassoziierte Gewichtszunahme
  • signifikante Häufung höherer Mallampati-Scores bzw. eines schwierigen Atemwegs
  • Inzidenz der Fehlintubation bei der schwangeren vs. nicht-schwangeren Patientin ist 8:1 (Risiko: 1:390 bei der Vollnarkose in der Schwangerschaft und 1: 443 bei Vollnarkose zur Sectio Cäsaren, Risiko eines Todesfalls bei Fehlintubation beträgt 1:90)
  • letaler Atemwegsprobleme treten auf bei:
    • „Can not intubate, can not oxygenate“ (CICO)-Situationen
    • unbemerkte ösophageale Fehlintubationen
    • mangelndes Monitoring (keine Kapnometrie/-graphie)
    • Aspiration von Mageninhalt
    • Laryngo- und Bronchospasmen
    • seltenere Ursachen wie der Verlust eines Tracheostomas bei derUmlagerung sowie das multifaktoriell bedingte ARDS
  • Risikofaktor „Adipositas“: 46% der aufgrund eines Atemwegsproblems verstorbenen Patientinnen waren adipös
  • Lösungsansätze: Ausbildung des Personals, Simulationsbasiertes Training, SOPs und der Hinweis Verhinderung multipler frustraner Intubationsversuche (> 2 Versuche) ohne alternative Atemwege einzusetzen, vorsichtige Maskenbeatmung, Einsatz von 2. Generationsprodukten alternativer Atemwege

Aspiration:

  • die Aspiration von Mageninhalt stellt ein seltenes Ereignis dar, ein besonderes Risiko besteht bei der Extubation
  • während der Schwangerschaft besteht eine physiologisch bedingtes erhöhtes Risiko für eine Aspiration
  • Prävention: Natriumcitrat und H2-Blocker
  • Rapid Sequence Induction wird empfohlen

Anaphylaxie:

  • Inzidenz 3-10/1.000 mit Mortalitätsrate von 1%
  • Auftreten durch vielfältige Agens: Anästhetika, Volumenersatzmittel, Kontaktallergene
  • Cave: Auftreten ohne vorher bekannte Allergieanamnese
  • Atemwegsschwellung, Bronchospasmus, vermehrte Schleimproduktion, Beatmungsschwierigkeiten, konsekutive Hypoxie und Asystolie
  • Therapie des Anaphylaxie-assoziierten Reanimationssituation: Adrenalin und ggf. perimortale Notsectio
  • bitte beachten Sie die entsprechenden Empfehlungen des European Resuscitation Councils (hier)

Weiterführende Literatur:

  • Knight M, et al. (2014) on behalf of MBRRACE-UK. University of Oxford: Saving Lives, Improving Mothers’ Care – Lessons learned to inform future maternity care from the UK and Ireland Confidential Enquiries into Maternal Deaths and Morbidity 2009-12

Lesen Sie die Details in:

  • Neuhaus S, et al. „Why mothers die“ Was wir von der Analyse anästhesibedingter mütterlicher Sterbefälle (1985-2013) gelernt haben. Anaesthesist 2016, DOI 10.1007/s00101-016-0155-6

Freuen Sie sich mit uns auf den 3. Teil der Serie „Why mothers die?“…


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.