Einsatz der Kapnographie weiter stärken – nicht nur bei pädiatrischen Patienten

Obwohl die endtidale Kohlendioxidmessung (etCO₂) seit mehr als drei Jahrzehnten ein unverzichtbares Instrument in der klinischen Anästhesie darstellt und die Bedeutung für die prähospitale Notfallmedizin bereits 2003 von Helm und Kollegen unterstrichen wurde [1], ist ihr Einsatz bei inzwischen guter Verfügbarkeit in der Notfallmedizin immer noch kein Standard.

Dabei liegt die klinische Relevanz der Kapnographie nicht nur in der numerischen Schätzung von Ventilation und Perfusion, sondern auch in den vielfältigen Informationen, welche die Morphologie der dargestellten Kurven liefert und damit Einblicke in die Kontinuität der Atmung, die Atemmechanik und den Kreislaufstatus ermöglicht.

Da bei Kindern, deren physiologische Reserve begrenzt ist und deren klinischer Zustand sich rasch verschlechtern kann, dieses kontinuierliche, nichtinvasive Feedback besonders wertvoll ist, hat eine Arbeitsgruppe den Einsatz der Kapnographie für diese besondere Patientengruppe aktuell zusammengefasst.

Rath S, Alsabri M, Tawfik AM et al.

Seeing beyond the numbers: capnography as a vital tool in pediatric emergency care

Int J Emerg Med 19, 9 (2026)

Dabei lassen sich viele Aspekte dieser Übersichtsarbeit auch auf erwachsene Patienten übertragen:

Die etCO₂-Überwachung weist eine hohe Sensitivität und Spezifität für eine stattfindende Ventilation auf und liefert so die Bestätigung der korrekten Lage des Endotrachealtubus oder der supraglottischen Atemwegshilfe.  Darüberhinaus ermöglicht die Früherkennung von Atem- und Beatmungsproblemen wie Diskonnektion vom Beatmungsgerät, Hypoventilation, Apnoe oder Atemwegsobstruktionen und dies lange bevor die Pulsoximetrie abfällt.

Bei Sedierungsverfahren mit spontanatmenden Patienten reduziert die routinemäßige Kapnographie hypoxische Episoden und unerwünschte Ereignisse.

Während der Reanimation korrelieren anhaltend niedrige etCO₂-Werte mit einem schlechten Behandlungsergebnis, während
plötzliche Anstiege die Rückkehr des Spontankreislaufs signalisieren.

Zumindest bei Sepsis bietet die etCO₂ einen schnellen, nicht-invasiven Perfusionsmarker, dessen Zuverlässigkeit jedoch bei Schock durch Multiorganversagen abnimmt.

Trotz dieser bekannten Vorteile beschreiben die Autoren vielfältige Herausforderungen wie Geräteverfügbarkeit, Schulungslücken beim medizinischen Personal und  fehlende einheitliche Protokolle.

Auch wenn die Geräte im deutschen Rettungsdienst ubiquitär vorhanden sind, kann der Einsatz z.B. bei spontanatmenden Patienten noch deutlich optimiert werden!

Literatur:

  1. Helm M, Schuster R, Hauke J, Lampl L. Tight control of prehospital ventilation by capnography in major trauma victims. British Journal of Anaesthesia 90, 327–332 (2003)

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