Surviving Sepsis Campaign 2017 – Teil 1

Die 2016er „Surviving Sepsis Campaign“ Empfehlungen zur Behandlung der Sepsis sind publiziert worden:

Rhodes A et al., Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock: 2016. Crit Care Med 2017; DOI: 10.1097/CCM.0000000000002255 (PDF)

oder

Rhodes A et al., Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock: 2016. Intensive Care Med 2017; DOI 10.1007/s00134-017-4683-6

oder

Briegel J, Möhnle. Internationale Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign Update 2016. Anaesthesist 2017; DOI 10.1007/s00101-017-0299-z


Hier einige für die Notfallmedizin relevante Aspekte und Empfehlungen aus der Surviving Sepsis Campaign (SSC 2016), die seit 2004 alle 4 Jahre überarbeitet werden:

Definition: Sepsis ist nun definiert als lebensgefährdende Organdysfunktion verursacht durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion.


INITIALE VERSORGUNG

  • Therapiebeginn ohne Verzögerung (Sepsis und septischer Schock sind medizinische Notfälle und es wird der sofortige Beginn der Behandlung empfohlen)
  • Volumentherapie mindestens 30 ml/kgKG kristalline Lösungen innerhalb der ersten 3 h im Rahmen der Sepsis-induzierten Hypotension
    • Volumenbelastungsversuche („fluid challenge“)
    • bei hohem Volumenbedarf zusätzlich Humanalbumin
    • keine Verwendung von Hydroxyäthylstärke
    • Kristalloide überlegen gegenüber Gelatinepräparaten
  • nach der initialen Volumengabe sollte eine weiter Volumengabe durch die wiederholte Evaluation des hämodynamischen Status geleitet werden.
  • erweitertes hämodynamisches Monitoring bei unklarer klinischer Diagnose
  • Bevorzugte Anwendung dynamischer Parameter des hämodynamischen Monitorings
  • Ziel:mittlerer arterieller Druck >65mmHg
    • Noradrenalin als 1. Vasopressor
    • Vasopressin (bis 0,03 U/min) als Ergänzung zu Noradrenalin
    • Adrenalin als Ergänzung zu Noradrenalin
    • Dopamin nur in Ausnahmefällen
    • keine Anwendung von Dopamin in „Nierendosis“
    • Dobutamin bei Hypoperfusion trotz ausreichender Volumenbelastung und Vasopressorentherapie
  • Ziel: Normalisierung der Laktatkonzentration

Eine Reevaluation soll durch klinische Untersuchung und ein Monitoring erfolgen, dass die Herzfrequenz, den Blutdruck, die arterielle Oxygenierung, die Atemfrequenz, die Temperatur, die Urinausscheidung und andere beinhaltet. Invasives und nicht-invasives Monitoring soll genutzt werden.


SCREENING

  • Screening von stationären Hochrisikopatienten als Routine

DIAGNOSE

  • mikrobiologische Diagnostik, einschließlich mind. zwei Paar Blutkulturen (aerob und anaerob) vor Antibiotikagabe, falls ohne relevante Verzögerung vor antimikrobieller Therapie möglich

ANTIMIKROBIELLE THERAPIE

  • antimikrobielle Therapie schnellstmöglich, innerhalb 1 h („so schnell wie möglich nach Erkennen und innerhalb der ersten Stunde von Sepsis und septischen Schock“)
  • initial kalkulierte antimikrobielle Breitspektrumtherapie gegen Bakterien und ggf. Viren/Pilze
  • Deeskalation der kalkulierten antimikrobiellen Therapie nachmikrobiologischem Befund oder klinischer Besserung
  • keine antimikrobielle Therapie bei SIRS ohne Infektion
  • bei Sepsis/septischen Schock optimierte Dosierung der antimikrobiellen Therapie
  • initial kalkulierte Kombinationstherapie mit mind. zwei Substanzen bei septischemSchock
  • keine Kombinationstherapie als Routine bei Sepsis/Bakteriämie
  • keine Kombinationstherapie als Routine bei Neutropenie
  • bei Kombinationstherapie zur Initialtherapie des septischen Schocks und klinischer Besserung Beendigung der Kombinationstherapie in den ersten Tagen
  • Therapiedauer 7 bis 10 Tage meist adäquat
  • längere Therapiedauer bei langsamem klinischen Ansprechen, persistierendem Fokus, Bakteriämie mit S. aureus, spez. Pilz- oder viralen Infektionen, Immunschwäche einschließlich Neutropenie
  • kürzere Therapiedauer im Einzelfall, insbesondere bei erfolgter Fokussanierung bei abdominellen Infekten, Urosepsis, unkomplizierter Pyelonephritis
  • tägliche Reevaluation
  • Steuerung der antimikrobiellen Therapie nach Procalcitoninwerten kann die Therapiedauer verkürzen
  • Steuerung nach Procalcitoninwerten kann zum Absetzen der antimikrobiellen Therapie bei im Verlauf nicht bestätigtem Verdacht auf Sepsis beitragen

FOKUSKONTROLLE

  • schnelle spezifische Diagnose (Fokussuche) und Fokuskontrolle
  • rasches Entfernen bzw.Wechseln von Gefäßkathetern

Lesen Sie die komplette Leitlinie unter: PDF


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