S3 Leitlinie: Ambulant erworbene Pneumonie – Die Fakts Teil 1

Pneumonie1

Unterscheide die Pneumonie: Begriffsdefinition

  • ambulant erworbene Pneumonie (community acquiered pneumonia, CAP): außerhalb des Krankenhauses erworben im immunkompetenten Status
  • nosokomiale Pneumonie (hospital acquiered pneumonia; HAP): > 48 h nach Krankenhausaufnahme oder binnen 3 Monate nach letzter Krankenhausbehandlung erworbene Pneumonie im immunkompetenten Status
  • Pneumonie unter Immunsuppression: außerhalb oder innerhalb des Krankenhaues erworben, schwere Immunsuppression*

*Als schwere Immunusuppression gilt: Neutropenie, iatrogene-medikamentöse Immunsuppression (zB systemische Steroide), Transplantation solider Organe, Stammzelltransplantation, HIV-Infektion bzw. AIDS, Antikörpermangelsyndrome, angeboren Immundefekte: Ursache der Trennung sind typisches anderes Erregerspektrum und Risiko für opportunistische Erreger

Cave: Keine schwere Immunsuppresion wird angenommen bei schwerer Nephro- und Hepatopathie, Diabetes mellitus oder struktureller Lungenerkrankung ohne systemische Steroidtherapie, ebenso nicht bei Tumorerkrankungen ohne Neutropenie.


Beachte die Gruppendefinitionen:

Gruppe 1a: gute bis ausreichende Funktionalität, Bettlägerigkeit <50% des Tages, Schweregradbestimmung mit CRB65 (ambulant vs. stationär), Bestimmung der Oxygenierung und Erfassung potentieller instabiler Komorbiditäten, bei stationär aufgenommenen Patienten: MRE-Screening.

Gruppe 1b: NHAP und/oder schlechte Funktionalität, Bettlägerigkeit >50% des Tages, Schweregradbestimmung mit CRB65 (Letalitätsrisiko, cave: CRB65 hier weniger prädikativ für ein niedriges Risiko), Bestimmung der Oxygenierung und Erfassung potentieller instabiler Komorbiditäten, stationäre Aufnahme: MRE-Screening. Ambulante Belastung geht nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Gruppe 2: schwere Klomorbidität mit infauster Prognose. Palliation als Therapieziel. Indikation zur Krankenhausaufnahme nur pflegerische Versorgung, wenn diese ausserhalb des Krankenhauses realisiert werden kann, Behandlung ausserhalb des Krankenhauses in Erwägung ziehen.


Klinische Symptome der ambulant erworbener Pneumonie sind:

  • Atemwegssymptome: Husten +/- Auswurf, Dyspnoe, atemabhängiger Thoraxschmerz
  • Allgemeinsymptome: Fieber/Hypothermie, Krankheitsgefühl, „grippale“ Symptome (inkl. Myalgien, Arthralgien, Kopfschmerzen, Palpitationen, Kreislaufbeschwerden, Diarrhoe)
  • Desorientiertheit, insbesondere bei älteren Patienten

Hierauf sollte geachtet werden:

Inspektion: Dyspnoe & Atemfrequenz

Palpation: Tachykardie & ggf. Hypotension

Perkussion: abgeschwächter Klopfschall (Infiltrate, Pleuraerguss)

Auskultation: inspriratorische Rasselgeräusche bzw. Bronchialatmen

cave: positiver Vorhersagewert der Untersuchung ist eingeschränkt aber klinischen Untersuchung weist einen hohen negativen prädikativen Wert auf. Insbesondere ältere Patienten können sich oligosymptomatisch präsentieren, häufig Verwirrtheit und Diarrhoe als einzige klinischen Zeichen.


Sie wollen weitere interessante FAKTs zur S3 Leitlinie Ambulant erworbene Pneumonie wissen: In Kürze folgte Teil 2 dieser Serie.


Bild: mit freundlichen Genehmigung von Dr. Björn Loewenhardt, Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda.

3 thoughts on “S3 Leitlinie: Ambulant erworbene Pneumonie – Die Fakts Teil 1

    1. Lieber Herr Higel, Sie haben Recht, die Gruppendefinition ist „neu“ in der S3 Leitlinie, hierzu heisst es …
      „Die Einteilung der CAP erfolgt in die Gruppen 1a, 1b und 2. Die Gruppen definieren sowohl Kriterien für die Hospitalisation als auch für den Umfang der mikrobiologischen Diagnostik und Therapiestrategien einschließlich der initialen kalkulierten antimikrobiellen Therapie. Die Gruppen 1a, 1b und 2 werden unterschieden durch die Kriterien der Funktionalität und des Schweregrads der ambulant erworbenen Pneumonie.“ (Kapitel 3.4 Seite 11).

      Schauen Sie doch mal in die Langversion der Leitlinie, deren Link wir im Blogbeitrag integriert haben.
      Mit freundlichen Grüßen Ihr Michael Bernhard

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