Reanimation bei traumatischem Herzkreislaufstillstand

In der Zeitschrift Notfallmedizin Up2ate ist in den letzten Tagen eine interessante und lesenswerte Übersicht zum Thema „Reanimation bei traumatischem Herz-Kreislauf-Stillstand“ als CME Beitrag erschienen.

Nolte P-C, Münzberg M, Frankenhauser S, Horter J, Gliwitzky B, Gather A (2018) Reanimation bei traumatischem Herz-Kreislauf-Stillstand in: Notfallmedizin up2date 2018; 13 (3): 295–311, DOI: 10.1055/s-0043-119170

Philip-Christian Nolte und Kollegen aus der BG Klinik Ludwigshafen haben basierend auf den aktuellen Leitlinien des European Resuscitation Council und der S3 Polytraumaleitlinie eine kompakte Übersicht über die besonderen Herausforderungen beim traumatischen Kreislaufstillstand publiziert.

Eingebettet in ein Fallbeispiel stellen die Autoren basierend auf aktueller Literatur, die Epidemiologie, die Ursachen, sowie die prioritätenorientierte Therapie des traumatischen Kreislauf-Stillstandes praxisnah dar. Der Schwerpunkt des Artikels fokussiert auf die sogenannten potentiellen reversiblen Ursachen des traumatischen Herz-Kreislauf-Stillstandes (TCA):

  • Hypovolämie
  • Hypoxie
  • Spannungspneumothorax
  • Herzbeuteltamponade

Die Autoren betonen die Notwendigkeit einer strukturierten Abarbeitung der möglichen Probleme und adressieren die Bedeutung einer aggressiven Blutungskontrolle durch frühzeitige Anlage von Tourniquets bei massiven Blutungen nach außen, einer raschen und korrekten Anlage einer Beckenschlinge bei allen Hochrasanzunfällen und beschreiben darüber hinaus die Option des Wundpacking bei massiven Blutungen von Körperregionen, bei denen eine Anlage von Tourniquets nicht möglich ist (z.B. Stichverletzung in der Leiste) . Die Atemwegssicherung sollte durch erfahrene Anwender idealerweise bereits primär als endotracheale Intubation mittels Videolaryngoskopie erfolgen. Die CO2Messung ist als obligat anzusehen und muss bei jeder Atemwegssicherung Standard sein. Da bei jedem Trauma ein schwieriger Atemweg zu erwarten ist, sollte frühzeitig auch an andere Verfahren wie extraglottische Atemwege und als letzter Weg die chirurgische Atemwegssicherung gedacht werden. Bei vermutetem oder auch bestätigtem Thoraxtrauma soll im Zweifel immer beidseitig der Thorax dekomprimiert werden. Am besten ist hier eine beidseitige Minithorakotomie im 4. oder. 5 ICR. in stumpfer Technik durchzuführen. Eine primäre Einlage von Thoraxdrainagen ist nicht notwendig. Ggf. kann überbrückend eine beidseitige Pleurapunktion mit speziellen Thoraxpunktionsnadeln erfolgen. Die Nadeln sollten dabei ausreichend lang sein. Die Thoraxpunktion ist aber nur als Primärmaßnahme geeignet und hat hohe Versagerraten. Daher sollte spätestens nach Eintreffen des Notarztes eine beidseitige Minithorakostomie erfolgen. Zur Behandlung einer vorliegenden Perikardtamponade insbesondere bei Stichverletzungen des Thorax und nach Ausschluss und Behandlung eines Spannungspneumothorax ist die Thorakotomie idealerweise als Clamshellthorakotomie als optimales Verfahren anzusehen. Dies erfordert ein entsprechendes Training des Teams und wird nach Ansicht der Autoren in den nächsten Jahren nicht flächendeckend als Standard zu erwarten sein. Neben einer adäquaten Flüssigkeitstherapie mit dem Ziel eines ausreichenden Perfusionsdruckes ist bereits prähospital die Gabe von Tranexsamsäure zu empfehlen. Innerklinisch sollte bei Reanimationen von Traumapatienten ein Massivtransfusionsprotokoll vorliegen.

Zusammenfassend schlussfolgern die Autoren, dass bei aggressiver Therapie der potentiell reversiblen Ursachen die Prognose bei traumatisch bedingtem Herz-Kreislauf-Stillstand deutlich besser ist, als dies viele Jahre angenommen wurde. Dies gilt insbesondere für Patienten, die unter dem Beisein des Rettungsdienstes einen Kreislaufstillstand erleiden, respektive für die Patienten, bei denen erst kurz vor Eintreffen des Rettungsdienstes der Stillstand eingetreten ist. Bei sicheren Todeszeichen oder auch bei einem Missverhältnis von Patienten und Helfern (z.B. MANV) sollte keine Reanimation erfolgen. Auch an nicht-traumatologische Ursachen ist immer zu denken, wenn entsprechende Hinweise vorliegen. Geringes Trauma aber Herz-Kreislauf-Stillstand. In diesen Fällen sind die  Patienten nach dem üblichen Universellen Behandlungsalgorithmus des ERC zu behandeln.

3 thoughts on “Reanimation bei traumatischem Herzkreislaufstillstand

  1. Musste jetzt mehrfach grübeln, weil eine beidseitige Stomieanlage am Thorax empfohlen ist. Aber immerhin kann man dann sicher sehen, dass sich die Lunge mit jedem Atemhub des Respirators entfaltet. Ansonsten weiß ich nicht, warum ein eröffneter Thorax nicht auch gleich drainiert werden sollte. Zeitverlust? Risiko der Fehllage? Bin für Inormationen dankbar.

      1. Das ist mir alles klar und habe ich auch selbst oft genug gemacht. Es ging in meiner Frage um die erwähnte Stomie, also Anlage einer dauerhaften Öffnung. Die kenn ich persönlich nur als Thoraxfenster bei ganz anderen Indikationen, ist aber so im Text erwähnt. Und beidseits als Stomie nur beim beatmeten Patienten mit Pleuraempyem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.