Insuffiziente prähospitale Schmerztherapie – Warum?

Nicole Oberholzer und Kollegen aus Zürich/Schweiz, untersuchten die prähospitale Schmerztherapie in einem Luftrettungsunternehmens:

Oberholzer N, et al.  Factors Influencing Quality of Pain Management in a Physician Staffed Helicopter Emergency Medical Service. Anesth Analg 2017, DOI: 10.1213/ANE.0000000000002016


In einer retrospektive Kohortenstudie (eines prospektiv erhöhenden QM-Datensatzes eines Schweizer Luftrettungsunternehmens) wurde zwischen April und Oktober 2011 die durch ein Schweizer Notarztbesetztes Rettungshubschraubersystem behandelten Patienten im Alter >15 Jahren mit einer Schmerzdokumentation gemäss Numerischen Ratingskala (NRS) am Einsatzort und bei Klinikankunft, initiale NRS >3, die Glasgow Coma Skala (GCS >12) und der NACA-Score (NACA <6) untersucht. Als i.v. Analgetika wurden Fentanyl, Morphin und Ketamin mitgeführt.

Ausgehend von 4028 Rettungseinsätzen binnen 6 Monate liessen sich so 778 Patienten mit diesen Charakteristika identifizieren (Abb.1):

Abb.1: Zusammensetzung und Schmerzangaben im untersuchten Patientenkollektiv von Oberholzer et al. AA2917; DOI: 10.1213/ANE.0000000000002016
  • Eine insuffiziente Schmerztherapie mit einem NRS >3 bei Klinikankunft wiesen 298 Patienten (38%) auf.
  • Faktoren, die mit einer insuffizienten Schmerztherapie einhergingen waren:
    • hoher NACA-Score
    • hoher NRS am Einsatzort
    • nicht-traumatologische Patienten
    • keine Analgetikaapplikation
  • In 17% (128 Patient) wurde trotz vorliegenden Schmerzangabe kein Analgetikum appliziert.
  • Faktoren die mit der fehlenden Applikation eines Analgestikums einhergingen waren:
    • kurze Zeit bis zur Ankunft im Zielkrankenhaus (unter 10 min)
    • Sekundäreinsatz des RTH
    • moderate Schmerzangabe am Einsatzort
    • nicht-traumatologische Patienten
  • Eine suffiziente Schmerztherapie eines schweren Schmerzzustandes wurde durch die Kombination von Ketamin mit einem Opioid (65%) besser erreicht im Vergleich zu Ketamin oder Opioid als Monotherapie (46%, p=0,007).

Die Autoren schlussfolgerten aus ihrer Untersuchung, dass unter Berücksichtigung dieser speziellen Schweizer Patientenkohorte insbesondere nicht-traumatologische Patienten, Patienten auf Sekundärtransporten, Patienten, die nur eine kurze Betreuungszeit aufwiesen, und Patienten die keine Schmerzmedikation erhielten ein besonders hohes Risiko für eine insuffiziente Schmerztherapie aufwiesen. Patienten mit einer NRS >3 sollten wann immer möglich bereits prähospital ein Analgetikum appliziert bekommen. Patienten mit einer NRS ≥8 profitieren von der Gabe der Kombination Ketamin+Opioid.


Folgender Artikel von Kollegen Hossfeld gibt einen sehr guten Überblick zur prähospitalen Schmerztherapie:

Hossfeld B, et al. Prähospitale Analgesie bei Erwachsenen – Schmerzerfassung und Therapieoptionen. Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzthr 2016; 51: 84-95


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