Plötzlicher Herztod bei Sportlern

Ein Beitrag von PD Dr. Jürgen Knapp, Bern/Schweiz:

Eine Übersicht über Fußballspieler, die während des Spiels oder in Zusammenhang mit einem Spiel starben bietet folgender Wikipedia-Artikel (hier sind außer dem plötzlichen Herztod u.a. auch traumatische Todesursachen aufgelistet):

https://en.m.wikipedia.org/wiki/List_of_association_footballers_who_died_while_playing

und erst diesen Sommer: https://www.youtube.com/watch?v=kYqhyxdTV1g

Pressemeldungen über den plötzlichen Herztod von Leistungssportlern während des Wettkampfes sind häufig:


Im New England Journal of Medicine wurde aktuell eine retrospektive Auswertung aus einem kanadischen Reanimationsregister veröffentlicht, in dem die Inzidenz des plötzlichen Herztods von Amateur- und Profisportlern während Wettkampfsport-Veranstaltungen oder des Trainings hierfür im Vergleich zu nicht-kompetitiv betriebenem Sport werden sollte. Darüber hinaus sollten die Ursachen für den plötzlichen Herztod dieser Patienten und damit die Sinnhaftigkeit von Screening-Untersuchungen evaluiert werden. Solche Screening-Maßnahmen werden ja immer wieder nach solch tragischen Ereignissen gefordert:

Landry CH et al. Sudden Cardiac Arrest during Participation in Competitive Sports. N Engl J Med 2017;377:1943-1953


Definition Wettkampfsport: organisierte Sport-Events, veranstaltet oder betreut durch Vereine, sowohl Todesfälle während des Wettkampfs bis 1 Stunde nach dessen Ende und während des Trainings für Wettkampf-Veranstaltungen wurden berücksichtigt

Definition nicht-kompetitiver Sport: Freizeit-Sport, nicht wettkampfmäßig,

Studienpopulation:

  • Region Ontario mit 6,6 Mio. Einwohnern
  • mehr als 350.000 in Vereinen und Organisationen registrierte Sportler
  • alle Fälle eines prähospitalen Herz-Kreislauf-Stillstandes mit vermuteter kardialer Ursache sowie Fälle, die vermutlich kardial verursacht wurden (z.B. Ertrinken bei Schwimm-Sportlern)
  • Zeitraum 2009-2014
  • Alter 12-45 Jahre
    • untere Grenze als sinnvolles Alter für mögliche Screening-Verfahren
    • obere Grenze, um eine Überlappung mit Fällen von Herz-Kreislauf-Stillständen durch eine KHK verursacht möglichst zu reduzieren

Ergebnisse:

  • 3.825 prähospitale Herzkreislaufstillstände
  • hiervon 16 während eines Wettkampfes
    • am häufigsten bei Laufsportarten (n=4) und Fußball (n=4)
    • 7 Überlebende
  • 58 Fälle während nicht-kompetitiver sportlicher Aktivität
    • führend Laufen (n=9) und Fitness-Studio (n=12)
    • 26 Überlebende
  • Inzidenz bei Wettkampfsportlern:
    • 12-17 Jahre: 1,167/100.000 Athletenjahre
    • 18-34 Jahre: 0,868/100.000 Athletenjahre
    • 35-45 Jahre: 0,408/100.000 Athletenjahre
    • insgesamt: 0,756/100.000 Athletenjahre
  • Ursachen bei Wettkampfsportlern:
    • Ischämie (n=3)
    • primär arrhythmogen (n=6)
    • strukturell (d.h. hypertrophe Kardiomyopathie, Hypertroph-obstruktive Kardiomyopathie oder arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie) (n=5)
    • Contusio cordis (n=2)
  • Ursachen bei nicht-kompetitiven Sportlern:
    • Ischämie (n=26)
    • primär arrhythmogen (n=9)
    • strukturell (n=17)
    • Contusio cordis (n=2)

Diskussion:

  • HCM/HOCM und arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie sind selten
  • 80% der Fälle bei Wettkampfsportlern wären mit einem systematischen Screening der Sportler nicht entdeckt worden
  • plötzlicher Herztod ist bei Wettkampfsportlern mit 0,756/100.000 Personenjahre seltener als in der „Normalbevölkerung in der gleichen Altersgruppe mit 4,84/100.000 Personenjahre
  • Damit ist ein systematisches Screening von Wettkampfsportlern eher nicht sinnvoll.

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