Patientenumfrage in hessischen Notaufnahmen

Die Hessische Krankenhausgesellschaft e.V. hat eine Umfrage mit 4.452 ausgewerteten Fragebögen, die von Patienten in Notaufnahme in Hessen beantwortet wurden, veröffentlicht.

Patientenumfrage zur Inanspruchnahme der hessischen Notaufnahmen.


Die Umfrage fand von 12/2016-02/2017 statt. Befragt wurden sog. „walking emergencies“ also fußläufig in der Notaufnahme ankommende Patienten. Die Umfrage fand vor dem Hintergrund eines stetigen Anstiegs der Anzahl an ambulant in hessischen Notaufnahmen zu behandelnden Patienten von 2013-2015 von 8,5% statt.

Hier nun die wesentlichen Ergebnisse der Umfrage:

  • 74% der Befragten kamen Montags-Freitag zur Vorstellung, dabei 54% während der regulären Sprechstundenzeiten von 08:00-18:00 h
  • insgesamt kamen die meisten (71%) ambulant zu behandelnden Patienten während der gesamten Woche (Montag bis Sonntag) zwischen 08:00-18:00 h zur Vorstellung
  • die Alterserteilung war wie folgt:
    • <18 Jahre: 11%
    • 18-25 Jahre: 15%
    • 26-46 Jahre: 30%
    • 47-67 Jahre: 26%
    • 68-80 Jahre: 12%
    • >80 Jahre: 6%
    • ERGO: der größte Anteil der Patienten machten Menschen im berufstätigen Alter aus!
  • Der Anteil der Patienten mit einem Hausarzt lag zwischen 92-97%.
  • 65% der Patienten waren in den letzten 12 Monaten nicht in einer Notaufnahme vorstellig, 23% bereits einmal, 12% mehr als einmal.
  • Die Beschwerdedauer betrug in
    • 45% zwischen 1-24 h,
    • 15% 1-2 Tage,
    • 20% 2-7 Tage und in
    • 20% d. Fälle >1 Woche.
  • Während der Vorstellung in der Notaufnahme währen der Sprechstundenzeiten der neiedergelassenen Ärzte wiesen 61% der Befragten vor Vorstellung in der Notaufnahme einen Kontaktmit einem Hausarzt auf, die nachfolgenden Antworten beziehen sich auf „Ja, Hausarzkontakt erfolgt“ und „Nein, Hausarztkontakt nicht erfolgt“
    • JA, in 46% verwies der Hausarzt an die Notaufnahme
    • JA, in 6% fühlte sich der Patient aber schlechter als vor einigen Stunden beim Hausarztkontakt
    • JA, in 2% sollte in der Notaufnahme eine Zweitmeinung eingeholt werden
    • NEIN, in 6% wurde kein Hausarzttermin erreicht
    • NEIN, in 13% hatte der Hausarzt keine Sprechstunde
    • NEIN, in 19% glaubte der Patient in der Notaufnahme besser versorgt zu werden
    • NEIN, in 5% wurde angegeben, grundsätzlich in die Notaufnahme zu gehen und nicht zum Hausarzt
    • NEIN, in 2,5% war der Patient nur zur Besuch in der Stadt und hatte dort keinen Hausarzt
  • Erfolgte die Vorstellung in der Notaufnahme ausserhalb der Sprechstundenzeiten der niedergelassenen Kollegen, so ergab sich folgendes Bild:
    • in 76% erfolgte kein Kontakt mit dem kassenärztlichen Notdienst
    • in 11% Verweis nach Untersuchung durch kassenärztlichen Notdienst an Notaufnahme
    • in 8% wurde der kassenärztliche Notdienst angerufen, dieser verwies aber direkt an die Notaufnahme
    • in 4% ohne Untersuchung von kassenärztlichen Notdienst in Notaufnahme geschickt worden.
  • 83% der Befragten konnten die Telefonnummer („116117“) des Ärztlichen Bereitschaftsdiensts nicht nennen und nur 6% der Befragten konnte die Nummer korrekt nennen!

Kurz zusammengefasst: 

Notaufnahmen werden vorwiegend während der Woche zur regulären Sprechstundenzeiten zwischen 08:00-18:00 h von der Bevölkerung aufgesucht. Diejenigen Patienten, die sich am häufigsten in der Notaufnahme vorstellen sind aus der potentiell berufstätigen Bevölkerung. Ausserhalb der Sprechstundenzeiten haben 76% vor Vorstellung in der Notaufnahme keinen Kontakt zu dem kassenärztlichen Notdienst. Dies liegt möglicherweise auch daran, dass nur 6% der Befragten die bundesweite Kontaktnummer „116117“ korrekt benennen konnten. Eine gewisse Anzahl an Patienten kontaktieren ihren Hausarzt, werden dann aber an die Notaufnahme weiterverwiesen. In Hessen wird jeder zweite Patient in der Altersgruppe von 47-67 Jahre vom Hausarzt an die Notaufnahme verwiesen, in der Altersgruppe der über 68-jährigen sind es >60%.


Weitere Umfragen zu diesem Thema findet sich bei:

Somasundaram R et al.  Beweggründe für die Inanspruchnahme von Notaufnahmen – Ergebnisse einer Patientenbefragung. Gesundheitswesen 2016 DOI  http://dx.doi.org/ 10.1055/s-0042-112459


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