Nizza und Berlin keine Einzelfälle

Unbeabsichtigte Verkehrsunfälle, bei denen Fußgänger zu schaden kommen, sind beschrieben seit es das Automobil gibt und zuvor gab es Unfälle mit Kutschen. Dass jedoch ein Terrorist einen Lkw gezielt in eine Gruppe mit Fußgängern lenkt, wie bei den Anschlägen in Nizza und Berlin, erscheint uns neu.

Ein Autorenteam der Hadassah-Universität in Jerusalem hat in einer aktuellen Publikation dargestellt, dass diese Form der terroristischen Attacke nicht neu ist, sondern eine Methode, die gerade von einzeln agierenden Tätern („lone wolves“) schon seit 1987 immer wieder angewendet wird, da sie im Vergleich zu Sprengstoffattentaten weder Training und Vorbereitung noch die Beschaffung explosiven Materials erfordert.

Almogy G, Kedar A, Bala M. When a vehicle becomes a weapon: intentional vehicular assaults in Israel. Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine 2016; 24: 149. http://doi.org/10.1186/s13049-016-0338-9

Almogy et al. beschreiben 29 solcher Anschläge in Israel von 2008 bis 2016 unter der Bezeichnung „Intentional Vehicular Assault“ (IVA). Diese wurden nicht nur mit Lkw, sondern auch mit Pkw und sogar mit Baumaschienen verübt. Von diesen Anschlägen wurden 26 Patienten von den Kollegen im Hadassah Medical Center versorgt. Diese Patienten werden mit 81 Patienten verglichen, die 2014 als Fußgänger nach unbeabsichtigen Unfällen mit Kraftfahrzeugen (Pkw, PickUps und Vans) in der gleichen Klinik behandelt wurden. Dabei ergeben sich folgende Ergebnisse:

Pat. in der IVA-Gruppe

  • waren jünger
  • hatten einen höheren Injury Severtiy Score (ISS)
  • bedingt v.a. durch mehr Kopfverletzungen
  • brauchten mehr chirurgische Interventionen
  • bekamen mehr Erythrozytenkonzentrate
  • hatten eine höhere Mortalität

Die Autoren prognostizieren weitere Anschläge dieser Art. Bisher hätten diese Anschläge vermehrt in städtischem Gebiet stattgefunden. Dabei haben in einzelnen Fällen die Attentäter ihr Fahrzeug verlassen, nachdem sie es in die Menge gesteuert hatten, um mit Messerangriffen weiter zu töten. Die schwereren Verletzungen erklären die Autoren damit, dass sich die Fahrzeuge bei unbeabsichtigten Unfällen zum Zeitpunkt des Aufpralls meist schon im Bremsvorgang befänden, was bei einem Attentat nicht der Fall sei.

Die Autoren schließen, dass die Zahl der Verletzten, der Bedarf an OP-Kapazität und Erythrozytenkonzentraten entsprechende Vorbereitungen der Krankenhäuser erfordere und dass über Barrieren zum Schutz von Fußgängern an beliebten Plätzen nachgedacht werden sollte.

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