Natriumbikarbonat bei der Reanimation: OUT?

Natriumbikarbonat bei der Reanimation? Pufferlösungen waren doch schon in der 2015er ERC-Empfehlung draussen…  (Kapitel 3: Seite: 805). Jetzt wird dies noch einmal bestätigt:

Kawano T et al. Prehospital sodium bicarbonate use could worsen long term survival with favorable neurological recovery among patients with out-of-hospital cardiac arrest. Resuscitation 2017; 119: 63–69 


In einer prospektiven Untersuchungen gingen Takahisa Kjawano und Kollegen der Frage nach, ob die prähospitale Gabe von Natriumbikarbonat (NaBi) zur Pufferung des Patienten im Herzkreislaufstillstand und unter Reanimationsmassnahmen das Überleben verbessert. Von 2005–2016 wurde der Verlauf und das Outcome erwachsener nicht-traumatologischer Herzkreislaufstillstände beobachtet, die von Paramedics behandelt wurden. Die Gabe von NaBi erfolgte gemäss dem Ermessen des prähospitalen Teams.

Von insgesamt 15.601 reanimierten Patienten wurden 13.865 in die Untersuchung eingeschlossen von denen  5.165 (37,3%) NaBi erhielten. Dabei überlebten 118 (2,3%) Patienten, die NaBi erhielten, und 62 (1,2%) hatten ein gutes neurologisches Überleben bei Krankenhausentlassung im Vergleich zu 1.699 Patienten (19,8%), mit einem Anteil an gutem Überleben bei Krankenhausentlassung von 831 Patienten (10,6%), die nicht mit NaBi behandelt wurden. In einer Match-pair Analyse von 5.638 reanimationspflichtigen Patienten, war die Gabe von NaBi mit einem niedrigeren Überleben assoziiert (adjusted OR: 0,64, 95% CI: 0,45–0,91) und einem schlechteren „guten neurologischen Outcome“ assoziiert (adjusted OR: 0,59, 95% CI: 0,39–0,88).

Natürlich ist diese Studie nicht beweisend, da es kein randomisiertes und kontrolliertes Design beinhaltete. Auch kann vor dem Hintergrund der ggf. doch vorliegenden Gruppenunterschiede, trotz der Mühe der Match-pair Analyse oder besser Match-Kohortenanalyse, nicht mit 100% Sicherheit eine Kausalität herbeigeführt werden. Aber …

…halten wir uns an die ERC-Empfehlungen und verwenden besser kein NaBi bei der prähospitalen Reanimation (bis neue Studien andere Ergebnisse zeigen…).

Bei den Gruppenanalyse wurden aber keine spezifischen Indikationen (z.B. Hyperkaliämie oder Trizyklikaintoxikation) als explizite Subgruppenanalye herangezogen, also weiter Platz für weitere Studien…


Was stand hierzu noch mal in den ERC-Leitlinien? (Kapitel 3: Seite: 805)

„Beim Kreislaufstillstand kommt es zu einer kombinierten respiratorischen und metabolischen Azidose, da der pulmonale Gasaustausch zum Erliegen kommt und der zelluläre Stoffwechsel anaerob stattfindet. Die Wiederbelebung an sich stellt die beste Behandlung der Azidose während des Kreislaufstillstands dar. Arterielle Blutgasanalysen können unter diesen Bedingungen missweisend sein und stehen in nahezu keinem Zusammenhang mit dem Säure-Basen-Status des Gewebes. Die Analyse des zentralvenösen Bluts erlaubt unter Umständen eine bessere Abschätzung des Gewebe-pH Werts. Bikarbonat führt zur Entstehung von Kohlendioxid, welches schnell in die Zellen diffundiert.

Die Gabe von Bicarbonat hat folgende Effekte:

  • Es verstärkt die intrazelluläre Azidose.
  • Es hat negativ inotrope Effekte auf das ischämische Myokard.
  • Bei bereits kompromittiertem Kreislauf und zerebraler Funktion wird auch noch eine große Menge an osmotisch aktivem Natrium gegeben.
  • Es verursacht eine Linksverschiebung der Sauerstoffbindungskurve und erschwert somit die Abgabe von Sauerstoff an das Gewebe.“

und

„Es wird nicht empfohlen, Natriumbicarbonat routinemäßig während des Kreislaufstillstands bei der Wiederbelebung oder auch nach Wiederherstellung eines Spontankreislaufs zu geben. Erwägen Sie die Gabe bei

  • lebensbedrohlicher Hyperkaliämie,
  • Kreislaufstillstand, der mit Hyperkaliämie assoziiert ist,
  • Überdosierung von trizyklischen Antidepressiva. 

Geben sie 50 mmol (50 ml einer 8,4 %-Lösung) oder 1 mmol/kg Natriumbicarbonat intravenös.“


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