Infekte bei Organtransplantierten

Bildschirmfoto 2016-08-30 um 16.37.49Figen Cakiroglu der Medzinischen Klinik I; Nephrologie und Transplantation, UKSH Campus Lübeck und Kollegen publizierte in Notfall und Rettungsmedizin einen interessanten Artikel zum Thema Infektionen nach Organtransplantation.

Cakiroglu F, et al. Infektionen nach Organtransplantationen. Notfall Rettungsmed 2016; DOI 10.1007/s10049-016-0241-y

Jeder in der Notfallmedizin Tätige wird früher oder später mit organtransplantierten Patienten in Kontakt kommen. Hierbei stellt sich dann nach der prähospitalen Versorgung die Frage, wie geht man weiter mit diesen Patienten um. Insbesondere, wenn man selbst nicht an einem Transplantationszentrum arbeitet, kann dies schon durchaus eine Herausforderung darstellen.

Anbei einige interessante Punkte aus diesem Artikel:

  • 2015 wurden 3083 Organe in Deutschland transplantiert
  • am häufigsten finden sich Leber-, Lungen-, Herz- und Pankreastransplantationen
  • kardiovaskuläre Ereignisse und Infektionen sind die häufigste Ursache von organtransplantierten Patienten
  • Infektionen auch als Trigger von Organabstossungen
  • Transplantierte mit (unklarem) Infektionen sollten stationär aufgenommen werden
  • milde Infekte können je nach Art nach Rücksprache mit einem Transplantationszentrum ggf. auch unter engmaschiger Kontrolle ambulant verbleiben
  • Infektionen präsentieren sich – auch aufgrund der Immunsupression – atypisch
  • Fieber als Red Flag
  • Biochemische Parameter (CRP, PCT, Diff-BB) müssen mit Vorsicht interpretiert werden (z.B. CRP Erhöhung als Ausdruck der Transplantabstossung, PCT-Erhöhung durch verschiedene Ursachen)
  • häufigste Infektionen: Pneumonie und Harnwegsinfekt
  • bereits in Notaufnahme mit Basisdiagnostik beginnen
  • bei V.a. Infektion mit Antibiose beginnen
  • ggf. umfangreiche bildgebende Diagnostik einleiten
  • Immunsupressive (v.a. Kortison) können peritoneale Symptomatik verschleiern (z.B. akute Cholezystitis, Perforation)
  • Red Flags: Kopfschmerzen, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen sollten ernst genommen werden und Meningitis, Enzephalitis und Neoplasmen ausgeschlossen werden (opportunistische Infektionen des ZNS bei Transplantierten ca 10%), cave: Fieber, Leukozytenanstieg und Meningismus können fehlen !
  • cave: auch die Immunsupressiva selbst können mit Nebenwirkungen einhergehen (z.B. neurologische, gastroenterologische oder pulmonale Symptome)
  • an Viren (CMV), Pilze und Legionellen denken !
  • an Nebenniereninsuffizienz unter Kortisontherapie denken, ggf. 100 mg Hydrocortison als Stressdosis applizieren

Wichtige Erreger sind:

  • Zytomegalievirus (CMV)
  • Ebstein-Barr-Virus (EBV)
  • Polyomavirus
  • Hepatitis B und Hepatitis C
  • Herpes simplex (HSV) 1 und 2
  • Varicella-Zoster-Virus
  • Legionellen
  • Mycobakterium tuberculosis
  • Candida
  • Aspergillus sp.
  • Pneumocystis jirovecii
  • Influenza
  • Respiratory Syncytial Virus

Ein wirklich spannender Artikel, den es zu lesen lohnt!


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