Hyponatriämien: Wie abklären ?

In einem interessanten Fallbericht gehen Adler et al. aus Köln der Abklärung einer Hyponatriämie nach:

Adler C et al. Rapide Entwicklung eines Hirnödems infolge einer fulminanten Hyponatriämie. Med Klin Intensivmed Notfmed DOI 10.1007/s00063-017-0308-7


Der beschriebene Fallbericht ist rasch zusammengefasst: Eine 38-jährige Patientin wird aus der Psychiatrie um 16:00 h entlassen (mit normwertigen Elektrolyten) und wird während eines Telefonates plötzlich bewusstlos und nach Wohnungsöffnung mit einem GCS von 3 auf dem Boden liegen vorgefunden. Die Kollegen sowohl in der Präklinik als auch in der Klinik geben sich alle Mühe, aber bei einem Serum-Natrium von 111 mmol/l entwickelt sich rasch eine Hirnödem und die Patientin kann nicht mehr gerettet werden.

Besonders interessant an dieser Publikation ist die nachfolgende Diskussion, die sich insbesondere an Nicht-Nephrologen richtet und Hinweise zur Abarbeitung und Ursachenfahndung einer Hyponatriämie bietet:

  • Hyponatriämie sind die häufigste Störung des Wasser- und Elektrolythaushaltes, aber selten mit Todesfällen assoziiert
  • rasche Abfall des Serum-Natriums innerhalb von wenigen Stunden kann zu einem osmotisch bedingtenWasserübertritt vom Extra- in den Intrazellularraum führen und dann zu einem Hirnödem mit Anstieg des Intracraniellen Druck (ICP) führen, nachfolgende Einklemmung und Hirntod
  • akute Hyponatriämie wenn <48 h entwickelt
    • Uraschen: z.B. postoperative Zustände, Ecstasyintoxikation, sportliche Extrembelastungen mit Aufnahme großer Mengen hypotoner Flüssigkeiten sowie eine primäre Polydipsie
  • chronische Hyponatriämie, wenn >48 h
  • Ursachen einer Hyponatriämie:
    • Hypovolämie:
      • Renaler Salzverlust: Diuretika, Mineralokortikoidmangel, Osmotische Diurese, renaltubuläre Azidose, Salzverlustsyndrom
      • Extrarenaler Salzverlust: Diarrhoe, Erbrechen, Peritonitis, Pankreatitis, Zerebraler Salzverlust (z. B. post SAB), Verbrennungen
    • Hypervolämie: Leberzirrhose, chronische Herzinsuffizienz, Nephrotisches Syndrom
    • Euvolämie: SIADH, Thiazide, Hypothyreose (Myxödemkoma), Wasserintoxikation, sportliche Extrembelastungen, Glukokortikoidmangel
  • diagnostische Abklärung einer Hyponatriämie ist nicht trivial und stellt im klinischen Alltag eine Herausforderung dar!
  • bei schweren neurologischen Symptomen (z.B. Bewusstseinsstörungen bis Koma, epileptische Krampfanfälle, starkes Erbrechen) Hinweis auf ein Hirnödem: CCT
  • akute Hyponatriämie: rasches Anheben des Serumnatriums mithilfe von repetitiv verabreichten NaCl-Boli (3% mit 100–150 ml) ist der kontinuierlichen intravenösen Gabe vorzuziehen, Anstieg des Serum-Na um 5 mmol/l in den meisten Fällen zur Abwendung einer Vitalbedrohung ausreichend
  • cave: ganz initial Urin gewinnen (möglichst noch vor Volumengabe): Urinosmolarität
  • chronische Hyponatriämie: langsamer Natriumausgleich, sonst irreversible Demyelinisierung, Anstieg des Natriums nicht mehr als 6-8 mmol/l/24 h

Von den Autoren wird der Algorithmus von Spasovski et al. als sehr hilfreich angeführt:

Spasovski G, et al. Clinical practice guideline on diagnosis and treatment of hyponatraemia. Nephrol Dial Transplant 2014; 29 (Suppl2):i1–i39 (PDF)

Abb.1: Diagnostischer Algorithmus bei Hyponatriämie (mod. nach Adler et al. und Spasovski et al.)


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3 thoughts on “Hyponatriämien: Wie abklären ?

    1. Lieber Martin, herzlichen Dank für den Hinweis und den Link. Bei mir funktioniert der im Post angegebene Link ohne Probleme. Herzlichen Gruss, Michael

  1. Es fällt mir noch schwer NaCl 3% selbst vorzubereiten als wir diese in meiner Land nicht verfügbar ist…..

    Wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie das Konzept der Hyopanatriäme besser erklären könnten.

    Vielen Dank,

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