Erst „Herzkatheter“ oder erst „Schockraum“

Bernhard Kumle und Martin Orban haben einen sehr interessanten Pro- und Contra-Artikel geschrieben zum Thema:

Kumle B et al. Vorgehen nach präklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand. Ist ein sofortiger Transfer ins Herzkatheterlabor dem Kurzcheck im Schockraum vorzuziehen? Notfall Rettunngsmed 2018; https://doi.org/10.1007/s10049-018-0547-z

Die Mortalität beim präklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand ist nach wie vor sehr hoch und die häufigste Ursache ist, trotz Rückgang der Häufigkeit, immer noch der Myokardinfarkt. Für den Myokardinfarkt ist die sofortige Intervention der Goldstandard,bei extrakardialen Ursachen kann der Umweg über eine Intervention ohne weitere vorherige Diagnostik verhängnisvoll, wenn nicht gar letal sein. Es ist deshalb Gegenstand der Pro-Kontra-Diskussion, ob die sofortige Verbringung des Patienten in das Herzkatheterlabor und gegebenenfalls die Intervention und Anlage eines „extracorporeal life support“ (ECLS) sinnvoll ist oder ob bei Ankunft des Patienten ein interdisziplinäres konservatives Schockraumteam aus Kardiologen, Notfall- oder Intensivmedizinern in einem Kurzcheck die weitere Diagnostik und Therapie des Patienten festlegen und gegebenenfalls weitere Fachexperten hinzuziehen soll. Der Artikel zeigt die Wichtigkeit der interdisziplinären Versorgung kritisch Kranker anhand klarer Abläufe und weisst auf die Bedeutung einer zukünftigen Etablierung eines konservativen Schockraum-Managements, angelehnt an das Traum-Schockraum-Management, hin.

Die Kollegen schlussfolgern:

  • Für Patienten nach präklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand ist eine Anlaufstelle im Krankenhaus einzurichten.
  • Aus logistischen und organisatorischen Überlegungen bietet sich hier die zentrale Notaufnahme an.
  • Ein STEMI oder neu aufgetretener Linksschenkelblock nach OHCA und ROSC bedarf einer sofortigen Koronarintervention.
  • Ein kurzer Check-in im Schockraum, auch des kreislaufstabilen Patienten nach OHCA, scheint sinnvoll, um im interdisziplinären Konsens die Indikation zur Herzkatheteruntersuchung zu klären (z.B. Integration prognostischer Faktoren). Er schont die Ressourcen des Herzkatheterlabors.
  • Präklinische Checklisten können die Zeitabläufe im klinischen Setting beschleunigen.
  • Für Patienten nach OHCA ohne infarktspezifische Zeichen ist ein Diagnostik- und Behandlungsalgorithmus zu etablieren.
  • Für ein konservatives Schockraummanagement sind eine geeignete und einheitliche Ausstattung sowie klare Personalvorgaben für das Basis und das erweiterte Schockraumteam zu definieren.

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