Blitzlicht: Frühe Antibiotikatherapie und Mortalität

Dass man bei Sepsis frühzeitig eine Antibiotikatherapie applizieren soll, ist jedem klar. Dass man dies bereits im Notarztdienst nach Rekrutierung von Blutkulturen durchführt, wird kontrovers diskutiert. Aber der Zusammenhang zwischen Mortalität und früher Antibiotikagabe wird immer wieder hervorgehoben.

Bristol B. Whiles und Kollegen haben nun eine sehr interessante Arbeit zu diesem Thema publiziert:

Whiles BB, et al. Increased Time to Initial Antimicrobial Administration Is Associated With Progression to Septic Shock in Severe Sepsis Patients. Crit Care Med 2017; 45:623–629


In einer retrospektiven Kohortenstudie wurde die Progression, d.h. Entwicklung eines septischen Schocks, bei Patienten mit schwerer Sepsis in Abhängigkeit von dem Zeitpunkt der Antibiotikagabe untersucht, dabei fanden die Autoren folgende interessanten Ergebnisse:

  • in einer Notaufnahme wurden 3.929 Patienten mit schwerer Sepsis identifiziert, diese wiese eine Gesamtmortalität von 12,8% auf
  • bei 984 Patienten (25,0%) kam es im weiteren Verlauf zu der Entwicklung eines septischen Schocks, diese wiese eine Letalität von 30,0% auf
  • die mediane Zeit bis zur Applikation einer antimikrobiellen Therapie betrug 3,77 Stunden (IQR: 1,96–6,42), bei denen, die einen septische Schock entwickelten und
  • 2,76 Stunden (IQR: 1,60–4,82) bei denen, die keinen septischen Schock entwickelten (p<0,001).
  • in einer multivariaten Regressionsanalyse fanden sich folgende Risikofaktoren für die Entwicklung eins septischen Schoks:
    • männliches Geschlecht (Odds Ratio (OR): 1,18; 95% CI, 1,01–1,36),
    • höherer Charlson Comorbidity Index (OR: 1,18; 95% CI, 1,11–1,27),
    • höhere Anzahl der Infektionen (OR: 1,05; 95% CI, 1,02–1,08), und
    • längere Zeit bis zur ersten Antibiotikagabe (OR: 1,08; 95% CI, 1,06–1,10)
  • jede Stunde Verzögerung bis zur antimikrobiellen Therapie ging mit einem Anstieg von 8% mit Entwicklung eines septischen Schocks einher

Interessant sind auch die Infektionslokalisationen (häufiges ist häufig):

  • Lunge / Respirationstrakt: 38,2%
  • Harnableitendes System: 31,8%
  • intraabdomineller Fokus: 7,5%
  • Knochen/Gelenke: 3,9%
  • Wundinfekte, Fremdkörper, Zentrale Venenkatheter: 3,7%
  • zentrales Nervensystem: 1,7%
  • kardiovaskulärer Fokus: 1,5%
  • Haut und Weichteilgewebe: 0,9%
  • Bakteriämie: 0,3%

Die Schlussfolgerung der Autoren lautet, dass auch diese Studie, trotz des retrospektiven Studiendesigns, bei Patienten, die durch die Notaufnahme stationär aufgenommen werden, zeigt, dass eine längere Zeitphase bis zur Antibiotikatherapie mit einen ungünstigen Krankheitsverlauf mit Entwicklung eines septischen Schocks und eine erhöhte Mortalität einhergeht.


Eine weitere aktuell publizierte retrospektive Analyse von Liu et al. scheint diese Ergebnisse ebenfalls zu bestätigen:

Liu VX et al.  The timing of early antibiotics and hospital mortality in sepsis. AJRCCM 2017, DOI:  10.1164/rccm.201609-1848OC

In dieser retrospektiven Untersuchung an 35.000 Patienten mit Sepsis, davon 13,3% mit septischen Schock und 52,0% mit schwerer Sepsis wurden in 21 Notaufnahmen zwischen 2010-2013 in Nordkalifornien, USA erfasst. Die Gesamtletalität bei septischen Patienten betrug 3,9%, diejengen der Patienten mit schwerer Sepsis 8,8%, and diejenige von Patienten mit septischen Schock 26,0%. Die mediane Zeit bis zur Antibiotikagabe betrug 2,1 h (IQR 1,4–3,1 hours). Mit jeder Stunde Verzögerung bis zur Antibiotikagabe in den drei Gruppen stieg die Mortalität um 0,3% (95% CI, 0,01%-0,6%; p=0,04) bei septischen Patienten, 0,4% (95% CI, 0,1%-0,8%; p=0,02) bei schwerer Sepsis und 1,8% (95% CI, 0,8%-3,0%; p=0,001) bei septischen Schock. 


Anders formuliert, diese Studien legen nahe, dass
ad 1) septische Patienten schon in der Notaufnahme i.S. der Sepsisfrüherkennung erkannt werden müssen (auch wenn der Krankenhausverlauf nicht immer antizipierter ist), und

ad 2) bei Patienten mit schwerer Sepsis die erste Antibiotikagabe zeitnah bereits in der Notaufnahme erfolgen muss. 


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