Atemweg und Reanimationsergebnis: Neue Daten

Bereits zuvor hatten wir in verschiedenen Post über den Einfluss des prähospitalen Atemwegs auf das Behandlungsergebnis bei der kardiopulmonalen Reanimation berichtet. Zunächst gab es nach den grossen Studien der automatischen externen Reanimationshilfen (automated chest compression devices, ACCD) gedankliche Überlegungen zu dem Vor- und Nachteil von supraglottischen Atemwegen:

Bernhard M et al., Don´t forget to ventilate during cardiopulmonary resuscitation with mechanical chest compression devices. Eur J Anaesthesiol 2016; 33: 553-556, DOI:10.1097/EJA.0000000000000426 (LINK)

Nachfolgend fanden sich mit der Arbeit von Sulzgruber et al. aus Wien eine erste Studie die dieser Überlegungen eines Nachteils von supraglottischen Atemwegen scheinbar bestätigten:

Sulzgruber P, et al. The impact of airway strategy on the patient outcome after out-of-hospital cardiac arrest: A propensity score matched analysis. European Heart Journal: Acute Cardiovascular Care 2017, 1–9, DOI: 10.1177/2048872617731894 (LINK)

Nun liegt aus dem deutschen Reanimationsregister eine Analyse vor, die anhand von rund 24.000 Patienten diese Ergebnisse reproduziert:

Bernhard M, et al. German Resuscitation Registry Study Group. Out-of-hospital airway management during manual compressions vs. automated chest compression devices: a registry-based analysis. Anaesthesist 2017, online (PDF)

Hintergrund dieser Arbeit ist, dass das Atemwegsmanagement unter kardiopulmonale Reanimation ist für die Behandlung einer Hypoxie essentiell ist und mit dem Ziel einer Reoxygenierung durchgeführt wird. Die ERC-Leitlinienempfehlungen haben sich in den letzten Jahren schrittweise von einer raschen Sicherung des Atemwegs durch den Goldstandard „endotracheale Intubation“ entfernt und heute wird den supraglottischen Atemwegen eine immer höhere Stellenwert eingeräumt. In der nun vorliegenden Analyse des Deutschen Reanimationsregisters sollte daher der Einfluss des genutzten Atemwegs (supraglottische Atemweg, endotracheale Intubation oder supraglottischer Atemweg/prähospitale Umintubation auf endotracheale Intubation auf das Überleben bei Patienten unter manueller (mCC) und automatisch gestützter Thoraxkompressionen (ACCD) im Rahmen eines prähospitalen Herzkreislaufstillstand untersuchen werden.

Hierzu lagen aus einer Gesamtkohorte von 42,977 Patienten (Evaluationszeitraum 01.01.2010-30.06.2016) die Informationen bezüglich des Behandlungsergebnis, dem durchgeführten Atemwegsmanagement und der Art der durchgeführten Thoraxkompressionen (mCC bs. ACCD) in 27,544 Fällen vor. Die Krankenhausaufnahme unter fortgesetzter Reanimation bzw. Wiedereintritt eines Spontankreislaufes (ROSC) und die Krankenhausentlassung mit einem guten neurologischen Ergebnis (CPC 1,2) wurde genutzt, um das Behandlungsergebnis von Patienten mit mCC und ACCD, klassifiziert nach endotrachealer Intubation (ETI), initial supraglottischen Atemweg (SGA) mit Wechsel auf Intubation, und der alleinigen Anwendung von SGA, zu analysieren.

Interessanterweise war die Krankenhausaufnahme unter laufender Reanimation bei Patienten mit ACCD mit 38,6%, deutlich höher als bei mCC mit 8,4%.

Weitere Ergebnisse im Vergleich mCC (Anteil: 84,8%) vs. ACCD (Anteil: 15,2%):

  • Krankenhausaufnahme im ROSC:  39,2 vs. 27,2%
  • Krankenhausentlassung: 10,6 vs. 6,8%,
  • Krankenhausentlassung mit gutem neurologischen Ergebnis (CPC 1,2): 7,9 vs. 4,7% (p<0,001).

Hinsichtlich der genutzte Atemwegssicherung fanden sich folgende Ergebnisse im Vergleich zur Referenzgruppe mCC mit ETI.

Abb: Ergebnisse der Behanldungsergebnisse mCC vs. ACCD mit verschiedenen Atemwegsstrategien (hochauflösende jpg der Abbildung), mod. nach Bernhard M et al. Der Anaesthesist 2017 (hochauflösendes PDF: OHCA_Airway)
  • jemals ROSC in der Gruppe mCC und SGA/ETI: OR: 1,466, 95% CI: 1,353-1,588, p<0,001
  • Krankenhausaufnahme im ROSC: mCC Gruppe und SGA/ETI: OR: 1,277, 95% CI: 1,179-1,384, p<0,001

Ansonsten wiesen alle anderen Gruppen ein schlechteres neurologisches Behandlungsergebnis im Vergleich zu der Gruppe mCC/ETI auf.

  • Aus dieser Studie suggeriert, dass manuelle Thoraxkonpressionen ein besseres Behandlungsergebnis als externe Reanimationsgeräte zeigen.
  • Die endotracheale Intubation zeigte ein besseres Behandlungsergebnis als die alleinige Nutzung von supraglottischen Atemwegen in der Registerstudie.

Die  Registerstudie unterstützt die Hypothese, dass sowohl bei mCC als auch bei ACCD gestützten Thoraxkompressionen die alleinige Anwendung von supraglottischen Atemwegen vermieden, und dass supraglottischen Atemwegen bereits möglichst prähospital in eine endotracheale Intubation überführt werden sollten.


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2 thoughts on “Atemweg und Reanimationsergebnis: Neue Daten

  1. Dies bestätigt meine Zweifel an eine „Automatisierung“ der CPR, obwohl es sicherlich Einsatzszenarien gibt, bei welchem eine CPR-Hilfe indiziert ist, z.B. Rettung aus Höhen und Schächten mittels Drehleiter und Schleifkorbtrage, wo eine „No-Flow-Time“ vermieden werden soll und Aufgrund ungünstiger Platzverhältnisse keine adäquate manuelle CPR möglich ist.

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