Ambulant erworbene Pneumonie – Excellente Übersicht

Die ambulant erworbene Pneumonie beschäftigt uns im Rettungs- und Notarztdienst und in der Notaufnahme eigentlich täglich. Martin Kolditz und Santiago Ewig haben die aktuelle Erkenntnisse und Empfehlungen zu diesem Krankheitsbild, inklusive der Stratefizierungs- und Risikoscores in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt zusammengefasst:

Kolditz M et al. Ambulant erworbene Pneumonie bei Erwachsenen. Deutsche Ärzteblatt Int 2017; 114: 838-848 (PDF).


Ambulant erworbene Pneumonie (CAP, „community acquired pneumonia“):

  • weltweit am häufigsten tödlich verlaufende Infektionserkrankung
  • Inzidenz in Deutschland: 9,7 Fällen pro 1 000 Personenjahre
  • insgesamt rund 660.000 Patienten/Jahr
  • Inzidenz & Letalität sind alters- und komorbiditätsabhängig
  • Hospitalisierungsrate: 46%
  • stationär behandelte Patienten mit CAP: hohe Krankenhausletalität (rund 13%)

Definition: CAP:

  • CAP ist definiert als außerhalb des Krankenhauses erworbene Pneumonie des immunkompetenten Patienten.
  • Abgrenzung zu
    • nosokomialer Pneumonie (entwickelt sich mehr als 48 Stunden nach Kranken- hausaufnahme oder innerhalb von 3 Monaten nach Hospitalisierung) aufgrund eines erweiterten Erregerspektrums
    • Pneumonie bei schwergradiger Immunsuppression (z.B. Neutropenie, iatrogen-medikamentöse Immunsuppression, Zustand nach Organ- oder Stammzelltransplantation, HIV-Infektion oder angeborene Immundefekte)

Hinweise und klinische Untersuchungsbefunde:

  • Atemwegssymptome
    • Husten
    • Auswurf
    • Dyspnoe
    • Thoraxschmerz
  • Allgemeinsymptome
    • Fieber
    • Hypothermie
    • Krankheitsgefühl
    • „grippale“ Symptome
    • Kreislaufbeschwerden
    • Bewusstseinsstörung
  •  klinischen Untersuchungsbefunde
    • Tachypnoe
    • Tachykardie
    • arterielle Hypotonie
    • fokaler Auskultationsbefund

Die Autoren des Artikels im Deutschen Ärzteblatt weisen explizit darauf hin, dass die Sensitivität und Spezifität dieser Befunde für eine sichere Diagnose unzureichend sind. Daher wird zur Bestätigung der Diagnose eine Röntgenaufnahme empfohlen, ggf. auch Thoraxsonographie.


Kriterien, die die Vortestwahrscheinlichkeit für Infiltrate im Röntgenthorax erhöhen sind:

  • fehlende Rhinorrhö
  • Dyspnoe und/oder erhöhte Atemfrequenz
  • fokaler Auskultationsbefund
  • pathologische Vitalparameter (Fieber, Tachykardie >100/min)
  • erhöhte Biomarker (C-reaktives Protein > 20–30 mg/l)

… bei >2 dieser Kriterien liegt Vortestwahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Infiltrats bei >18%!


Abb.: Risikostratifizierung und Therapie der CAP in der Notaufnahme (mod. nach Kolditz et al. DÄ 2017; 114: 838-848 (SOP_Schema_CAP; Antiobiotikawahl schwere CAP s. Artikel von Kolditz et. al.)

Lesen Sie den Beitrag von Kolditz M et al. im Deutschen Ärzteblatt: Es lohnt sich!


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