Zentrale Notaufnahme: Inanspruchnahme und Ressourceneinsatz

NotaufnahmeIn Leipzig wurde gerade die stationären Aufnahmeraten und die bei stationärer Aufnahme erforderlichen Ressourcen in Abhängigkeit von der Art der Zuweisung zu einer universitären Zentralen Notaufnahme (ZNA) untersucht.

Gries A, et al. Hospital emergency departments—utilization and resource deployment in the hospital as a function of the type of referral. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: online first. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0276

Die Daten von Patientinnen und Patienten, die 2019 in der ZNA des Universitätsklinikums Leipzig behandelt wurden, wurden retrospektiv analysiert. Folgende Parameter wurden erfasst: Prozessdaten, Art der Zuweisung, stationäre Aufnahme oder aus der ZNA entlassen sowie Leitsymptom nach Klassifizierung in „Trauma“ und „Non-Trauma“. Für stationäre Patienten wurden die Kennzahlen Patient Clinical Complexity Level (PCCL), Krankenhaus-Verweildauer und Intensivtherapie (mit Beatmung) erhoben.

Ergebnisse:

  • Die Daten zu 34 178 Patienten (50,9 ± 22,2 Jahre, m: 54%) konnten analysiert werden, 29 % mit „Trauma“, 71 % mit „Non-Trauma“.
  • Haupteinweiser waren:
    • Rettungs- und Notarztdienst: 48 %
    • Selbsteinweiser: 45 %
    • Niedergelassener Arzt: 8%
  • 63% konnten nach Diagnostik und Therapie wieder aus der ZNA entlassen werden.
  • 37% wurden stationär aufgenommen.
  • Gegenüber Selbsteinweisern war die adjustierte Odds Ratio (OR) für eine stationäre Aufnahme erhöht bei der Einweisung durch eine Ärztin/einen Arzt (OR 2,2), den Rettungsdienst ohne Notarzt (OR 3,4), einen Notarzt (OR 9,3) und einen Rettungshubschrauber (OR 44,1).
  • 49% der Patienten mit einem Trauma kamen auf eigene Initiative in die ZNA, 36% wurden durch den Rettungsdienst zugeführt.
  • Ein höheres Risiko für eine stationäre Aufnahme hatten ältere und männliche Patienten insbesondere bei Non-Trauma.
  • 30% der stationären Patienten mussten intensivmedizinisch behandelt, 36% davon beatmet werden.

Limitationen:

  • Die Untersuchung umfasst nur Patientinnen und Patienten mit einem Alter ≥ 18 Jahre und spiegelt damit eine möglicherweise unterschiedliche Versorgungssituation bei Kindern und Jugendlichen nicht wider.
  • Zudem sind einige der berichteten statistischen Effekte sehr gering und womöglich in kleineren Stichproben nicht auffindbar.

Schlussfolgerung: Ob es zu einer Klinikaufnahme zur stationären Weiterbehandlung kommt, hängt vom Zuweiser und vom Leitsymptom bei Aufnahme in der ZNA ab. Auch Selbstzuweisungen sind gerechtfertigt und machen bei jedem sechsten Patienten und besonders bei Leitsymptomen aus dem Non-Trauma-Bereich eine stationäre (teilweise intensivmedizinische) Weiterbehandlung notwendig. Der hohe Anteil (rund 95%) aus der ZNA wieder entlassener Selbstzuweiser nach einem Trauma deutet darauf hin, dass viele dieser ZNA-Zuweisungen in erster Linie zur Ausschlussdiagnostik erfolgen beziehungsweise im niedergelassenen Bereich entsprechende Versorgungsmöglichkeiten fehlen.

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