Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls

SchlaganfallDer ischämische Schlaganfall ist in Notaufnahmen eine häufige Fragestellung. Daher ist die am 24. Mai 2021 erschiene Leitlinie von hoher Relevanz.

Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-046k_S2e_Akuttherapie-des-ischaemischen-Schlaganfalls_2021-05.pdf

Auszug aus den Kernaussagen:

Skala:

  • Bei Patienten mit akut aufgetretenen neurologischen Symptomen sollte eine etablierte Skala, beispielsweise FAST (Face-Arm-Speech-Test) angewendet werden, um prähospital nach einem Schlaganfall zu screenen.
  • Die Verwendung einer validierten Skala zur Bestimmung der Schlaganfallschwere kann empfohlen werden, da dies Einfluss auf Transportziel und -modalität haben kann.

Sauerstoffgabe:

  • Bei Schlaganfallpatienten mit einer Sauerstoffsättigung < 95 % sollte Sauerstoff verabreicht werden, um eine Normoxämie zu erreichen. Eine routinemäßige Sauerstoffgabe sollte nicht erfolgen.

Blutzucker:

  • Bei allen Schlaganfallpatienten soll in den ersten 72 Stunden nach der Aufnahme der Blutzuckerspiegel überwacht werden, und unab- hängig vom diabetischen Status eine geeignete Therapie zur Behandlung einer Hyperglykämie (Glukosespiegel > 180 mg/dl) ein- geleitet werden.
  • Bei akuten Schlaganfallpatienten soll der Blutzucker zwischen 70 mg/dl und 200 mg/dl (4 und 11 mmol/l) liegen.
  • Die routinemäßige kontinuierliche Gabe von iv-Insulin nach ischämi- schem Schlaganfall soll nicht erfolgen, um eine strenge Kontrolle des Blutzuckerspiegels als Mittel zur Verbesserung des funktionellen Ergebnisses, des Überlebens oder des Infarktwachstums zu erreichen.
  • Eine Hypoglykämie (< 60 mg/dl) sollte vermieden und umgehend ausgeglichen werden, z.B. mit 20-60 ml Glucose 40%.
  • Die prästationäre Gabe von Insulin sollte nicht erfolgen.

Körpertemperatur:

  • Die Messung der Körpertemperatur als Teil der Vitalparameter- Überwachung wird im Abstand von 4 Stunden für die ersten 48 Stunden empfohlen.
  • Bei akuten Schlaganfallpatienten mit Temperaturerhöhung (> 37,5 °C) sollte nach der Ursache gesucht werden.
  • Schlaganfallpatienten mit erhöhter Temperatur > 37,5 °C können mit einem Antipyretikum (z.B. Paracetamol) behandelt werden.
  • Die prophylaktische Gabe von Paracetamol sollte nicht erfolgen.

Blutdruckmanagement

  • Bei Patienten mit vermutetem Schlaganfall soll der Blutdruck gemessen werden.
  • Die Messung des Blutdruckes wird im Abstand von höchstens 4 Stunden für die ersten 48 Stunden empfohlen.
  • Die Messintervalle sollten verkürzt werden, bei erhöhtem oder erniedrigten Blutdruckwerten, bei auffälligen Blutdruckschwan- kungen, oder nach einer rekanalisierenden Therapie.

Statement: Das ideale Blutdruckniveau, das in der hyperakuten Phase erreicht und aufrechterhalten werden soll, ist derzeit unbekannt und variiert möglicherweise patientenindividuell aufgrund der klinischen Konstellation.

  • Pharmakologische Wirkstoffe und Verabreichungswege sollten so gewählt werden, dass ein plötzlicher Blutdruckabfall vermieden wird.
  • Bei einem Wert < 120mm Hg systolisch und Hinweisen auf eine Exsikkose sollte kristalloide Infusionslösung verabreicht werden.
  • Blutdruckwerte ≥ 220 mmHg systolisch oder ≥ 120 mmHg diastolisch können behandelt werden, um den Blutdruck in den ersten 24 Stunden moderat (nicht mehr als 25%) zu senken und danach allmählich auf das Ziel einer langfristigen Schlaganfallsekundär- prävention zu reduzieren.
  • Bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck, die für eine systemische Thrombolyse oder endovaskuläre Schlaganfalltherapie in Betracht kommen, sollte der Blutdruck ≤ 180/105 mmHg gesenkt werden, bevor eine rekanalisierende Therapie eingeleitet wird.
  • Die Behandlung erhöhter Blutdruckwerte bei akuten Schlaganfall- patienten soll erfolgen, wenn ein hypertensiver Notfall mit mindes- tens einer der folgenden schwerwiegenden medizinischen Begleit- erscheinungen vorliegt:
    • hypertensive Enzephalopathie
    • hypertensive Nephropathie
    • hypertensive Herzinsuffizienz/Myokardinfarkt
    • Aortendissektion
    • Präeklampsie/Eklampsie
    • intrazerebrale Blutung mit systolischem Blutdruck > 200 mmHg
  • Bei Patienten mit Blutdruck < 220/120 mmHg, die keine systemische Thrombolyse oder endovaskuläre Schlaganfalltherapie erhalten und keine behandlungsindizierende Begleiterkrankung haben, ist die Einleitung oder Reinitiierung einer antihypertensiven Behandlung innerhalb der ersten 48 bis 72 Stunden nach einem akuten Hirninfarkt nicht wirksam, um Tod oder Abhängigkeit zu verhinden.

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