Pilzvergiftungen – Teil 2

PilzeNach dem eher allgemeinerem Teil 1 der Pilzvergiftungen nun zu einigen speziellen Syndromen.

Romanek K, et al. Pilzvergiftungen: Symptome, Diagnostik und Therapie. Notfall Rettungsmed 2016; 19: 301-314

Unterschieden werden hier:

  • Coprinus-Syndrom (Alkoholunverträglichkeits-syndrom/Antabus-Syndrom)
  • Muskarin-Syndrom
  • Fliegenpilz-/Pantherpilz-Syndrom

Coprinus-Syndrom (Alkoholunverträglichkeitssyndrom/Antabus-Syndrom)

Ursache: Faltentintling (Coprinus atramentarius), Keulenfüßiger Trichterling (Clitocybe clavipes) und Ochsenröhrling (Boletus torosus).
Latenz: 0-3 Tage
Pathophysiologie: Hemmung der Aldehyddehydrogenase (Ethanol zu Acetaldehyd). Acetaldehydsyndrom (Wirkmechanismus gleicht der Hemmung des Ethanolabbaus bei Einnahme von Disulfiram oder Metronidazol)
Symptomatik: ähnlich Anaphylaxie oder akuten Koronarsyndrom mit Hitzegefühl, Gesichtsröte, Schweißausbrüche, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Tachykardie, retrosternale Schmerzen, Hypotonie und selten Kreislaufkollaps.
Therapie:  kein kausales Antidot; symptomatische Therapie inkl. Kreislaufüberwachung und ggf. kreislaufstabilisierende Maßnahmen. Bei Tachykardie: β-Blocker


Muskarin-Syndrom

Ursache: Risspilze (z.B. Ziegelroten Risspilz (Inocybe erubescens), seltener  Trichterlingen (Clitocybe-Arten) oder Helmlingen (z. B. Mycena rosea).
Pathophysiologie: Molekulrstruktur des Muskarin hat Ähnlichkeit mit Acetylcholin, daher kompetitive Hemmung von Acetylcholin an seinem Rezeptor. Aber Muskarin wird nicht über die Acetylcholinesterase abgebaut, daher persistierende Wirkung
Symptomatik:  Parasympathikomimetikum (aber keine zentralnervösen Wirkung). Nach 30 min bis 2 h: Miosis, Schweißausbrüche, Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall und Bradykardie Therapie: fraktionierte Gabe von Atropin (1–2 mg i. v.) bei Erwachsenen bzw. 0,02 mg/kgKG bei Kindern. Benzodiazepine bei starker Agitation.


Fliegenpilz-/Pantherpilz-Syndrom

Ursache: Fliegenpilz (Amanita muscaria), Pantherpilz (Amanita pantherina), Königsfliegenpilz (Amanita regalis)
Pathophysiologie: Muscimol und Ibotensäure mit komplexer Beeinflussung von Neurotransmittern (z.B. GABA, Glutamat).
Symptomatik: cholinerge und anticholinerge Symptomatik, dosis- und zeitabhängig, nach 30 min bis 3 h agitierte Rauschzustände mit Halluzinationen, Angst undUnruhe im Wechsel mit komatösen Zuständen auf, Hypotonie, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe sowie Ataxie und Myoklonien bis zu zerebralen Krampfanfällen
Therapie: primäre Giftentfernung und Aktivkohle (aber selten umsetzbar), Sedierung mit Benzodiazepine, in der anticholinergen Phase Physostigmin, bei überwiegt cholinergen Symptome: Atropin (aber mit fraglicher Wirksamkeit)


Freuen Sie sich auf Teil 3 der Pilzvergiftungen – bzw. lesen Sie den Beitrag von Romanek K, et al. Pilzvergiftungen: Symptome, Diagnostik und Therapie. Notfall Rettungsmed 2016; 19: 301-314


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