Fehlinterpretation eines überblockten Larynxtubus

Nachdem wir erst in dieser Woche auf den Artikel von Schalk et al. hingewiesen und die Bedeutung der Cuffdruck-Kontrolle bei der Verwendung des Larynxtubus (LT) unterstrichen haben, erreicht uns nun ein Fallbeispiel, welches die Problematik des überblockten Cuffs beim LT eindrücklich belegt.

Dumbarton TC, et al. Overinflation of a King LT Extraglottic Airway Device Mimicking Ludwig’s Angina. A&A Case Reports 2016; 6: 80–3

Die Kollegen um Dumbarton et al. von der Dalhousie University in Halifax, Canada berichten über eine Patientin mit Down-Syndrom, die vom Rettungsdienst reanimationspflichtig angetroffen wurde. Zusätzlich zu den bekanntermaßen mit dem Down-Syndrom assoziierten Problemen (große Zunge, Gaumenanomalien und subglottische Stenose) wies die Patienten eine deutliche Adipositas mit einem BMI (body mass index) >40 kg/m2 auf. Zusätzlich erschwert wurde die Atemwegssicherung durch Erbrochenes im Hypopharynx. Die Paramedics konnten nach vier erfolglosen Intubationsversuchen einen Larynxtubus platzieren. Unter Beatmung mit demselben und fortgesetzter kardiopulmonaler Reanimation konnte ein ROSC (return of spontanious circulation) erzielt werden.

Bei Klinikaufnahme wurde eine ausgeprägte derbe Schwellung des Mundbodens festgestellt und als entzündlich interpretiert. In der Annahme, dass diese Mundbodenschwellung ursächlich für das schwierige Atemwegsmanagement gewesen sein könnte, und zu einem hypoxisch bedingten Herz-Kreislauf-Stillstand und auch den nachfolgenden Probleme bei der Laryngoskopie geführte hatte, wurde die Patientin zeitnah trachetomiert.

Nach Platzierung der Trachealkanüle und Deflation des LT-Cuffs, verschwand auch die Mundbodenschwellung, welche also, so diskutieren es die Autoren, lediglich durch den  überblockten Cuff bedingt war.

Eine nachfolgende Videolaryngoskopie bestätigte einen für die endotracheale Intubation schwierigen Befund gemäß Grad IV nach Cormack/Lehane.

Die prähospitale Versorgung war also durchaus korrekt verlaufen, auch wenn entsprechend der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie & Intensivmedizin (DGAI) für das prähospitale Atemwegsmanagement bereits nach dem zweiten fehlgeschlagenen Intubationsversuch auf eine supraglottische Alternative ausgewichen werden sollte.

Die Auswirkungen eines überblockten Cuffs eines LT war von den aufnehmenden Ärzten in der Klinik jedoch mangels Erfahrung mit dem LT als entzündliche Mundbodenschwellung interpretiert worden. Dies führte zur Indikation und Durchführung einer chirurgischen Atemwegssicherung.

Was lernen wir aus dem Fall?

  • Führen Sie ein sorgfältiges Cuffdruckmanagement von Larynxtubus, anderen supraglittischen Atemwegsalternativen und Endotrachealtuben durch.
  • Dem Arzt in der Notaufnahme muss sowohl das eigene als auch das im Rettung- und Notarztdienst verwendete Equipment bekannt sein und die damit vebundenen Komplikationen und Fallstricke müssen beherrscht werden.

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