Der Hypoxie-Reliabilitätstest…

image1Immer wieder wird von einem Phänomen bei der Übergabe von Rettungsdienst zur Zentralen Notaufnahme berichtet: dem Hypoxie-Reliabilitätstest.

Das rettungsdienstliche Personal unter notärztlicher Unterstützung versorgt prähospital excellent einen Patienten. Hierbei wird eine Hypoxie festgestellt. Konsekutiv erhält der Patient Sauerstoff per Nasensonde, Gesichtmaske ohne oder mit Reservoir. Die initial schlechte pulsoxymetrische Sättigung steigt von 60% auf 95% unter 6-8 lO2/min. Die unmittelbare Vitalbedrohung scheint gebannt. Dann kommt es beim Ausladen des Patienten aus dem Rettungswagen und Verbringung desselben in die Notaufnahme zum sog. Hypoxie-Reliabilitätstest


Hypoxie-Reliabilitätstest: Was heisst das?

Hypoxie ist definiert gemäss Wikipedia als:

„Der Begriff Hypoxie bezeichnet die den ganzen Körper oder Teile davon betreffende Mangelversorgung des Gewebes mit Sauerstoff. Einen Sauerstoffmangel im arteriellen Blut nennt man dagegen Hypoxämie. Trotz dieser Unterscheidung werden die beiden Begriffe häufig auch synonym verwendet. Das vollständige Fehlen von Sauerstoff wird als Anoxie bezeichnet.“

Reliabilität wird gemäss Wikipedia wie folgt beschrieben:

„Die Reliabilität (dt.: Zuverlässigkeit) ist ein Maß für die formale Genauigkeit bzw. Verlässlichkeit wissenschaftlicher Messungen. Sie ist derjenige Anteil an der Varianz, der durch tatsächliche Unterschiede im zu messenden Merkmal und nicht durch Messfehler erklärt werden kann. Hochreliable Ergebnisse müssen weitgehend frei von Zufallsfehlern sein, d. h. bei Wiederholung der Messung unter gleichen Rahmenbedingungen würde das gleiche Messergebnis erzielt werden (Replizierbarkeit von Ergebnissen unter gleichen Bedingungen).“

Ein Hypoxie-Reliabilitätstest liegt dann vor, wenn von Ankunft des Rettungsdienstes in der Fahrzeughalle bis zur Übergabe des Patienten in der Notaufnahme, die initial prähospital zur Therapie der Hypoxie applizierte Sauerstoffgabe nicht fortgesetzt wird. Der Patient kommt dadurch hypoxisch zur Aufnahme. Hierfür gibt es eigentlich keine vernünftige Erklärung, Begründung oder Argumentation (z.B. schwieriger Ausbau der Sauerstofflasche aus dem RTW, …). Denn die anamnestisch durch die Mitarbeiter des Rettungsdienstes berichtete Hypoxie reicht dem Personal der Notaufnahme durchaus als glaubwürdige Aussage zur Annahme derselben. Die Durchführung des Hypoxie-Reliabilitätstestes bei Ankunft in der Notaufnahme zum Beweis, dass der Patient auch wirklich weiterhin hypoxische Sauerstoffwerte aufweisen kann, sollte im Sinne der Patientensicherheit vermieden werden. Es ist daher durchaus günstig, wenn der Patient bis zur Sicherstellung der Fortführung der Sauerstoffgabe in der Notaufnahme mit dem rettungsdienstlichen Sauerstoff versorgt wird. Es dauert ja doch immer mal einen Moment bis in der Notaufnahme ein adäquates Überwachungsbett mit Sauerstoffanschluss geschaffen werden kann. Daher ergeht ganz klar die Empfehlung:

Vermeiden Sie im Sinne der Patientensicherheit den Hypoxie-Reliabilitätstest an der Nahtstelle zur Notaufnahme. 

Gemäss den etablierten Empfehlungen „Do not further harm“ bedeutet dies die Fortsetzung der prähospitalen Sauerstoffapplikation bis zum innenklinischen Wechsel auf eine Sauerstoffquelle der Notaufnahme.


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2 thoughts on “Der Hypoxie-Reliabilitätstest…

  1. Lieber Michael,
    Danke für dein anschauliches Beispiel.
    Tatsächlich lässt sich das Szenario häufig auch umdrehen.
    Je nachdem kann man in kleineren Notaufnahmen, nach Eintreffen eines Patienten mit exacerbierter COPD/Asthma carriage, bei adäquater präklinischer CPAP/NIV-Therapie durchaus auf das Problem stoßen, dass es keine Übernahme-Möglichkeit gibt.
    Bis hin zu interessanten Entscheidungen der Notaufnahmeteams mit O2-freien Frischflow weiterzuversorgen (Aktuelles Beispiel aus der Schweiz und kein Einzelfall).
    Hier ist unsere Patientin tatsächlich wieder mit der Sättigung abgerutscht auf Werte um die 80% mit erneuter massiver Dyspnoe..

    Ob da vielleicht ein präklinisches Video von 20sek hilfreich wäre um den weiterbehandelnden Teams einen Einblick zu gewähren?

    Liebe grüße,
    Andreas

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