Beatmung des kritisch kranken Patienten – Teil 3

bildschirmfoto-2016-12-20-um-21-32-49Auch heute geht es wird um die kontrollierte und assistierte Beatmung des kritisch kranken Patienten. Grundlage ist weiterhin der exzellente Artikel von:

Jahn N, et al. Beatmung des Intensivpatienten – eine Praxisanleitung. Anästh Intensivmed 2016; 57: 730-744


Kontrollierte und assistierte Beatmungsformen

  • maschinelle Beatmung kann in kontrollierte und assistierte Formen unterteilt werden
  • kontrollierte Beatmung: Atemarbeit wird vollständig vom Beatmungsgerät übernommen
    • volumenkontrollierte Beatmung (VCV; Volume Controlled Ventilation):
      • Atemfrequenz und das Atemhubvolumen (auch: Tidalvolumen) werden am Beatmungsgerät eingestellt = Atemminutenvolumen (AMV)  = AF x Atemhubvolumen [in Einheit l/min].
      • Vermeidung eines zu hohen Spitzendrucks (cave: Barotrauma) durch Druckbegrenzung (maximaler Atemwegsdruck, Pmax)
    • druckkontrollierter Beatmung (PCV; Pressure Controlled Ventilation):
      • Atemfrequenz, PEEP und der inspiratorische Beatmungsdruck (Pinsp) werden am Beatmungsgerät eingestellt
      • Druckamplitude (Pinsp minus PEEP) = variables Atemhubvolumen
      • Vermeidung zu großer Atemhubvolumina (cave: Volutraumata) erfolgt eine Volumenbegrenzung.
  • assistierte Beatmung: vorhandene aber insuffiziente Spontanatmung wird unterstützt. Vorteile sind:
    • Erhaltene Zwerchfellmotilität: Verminderte Atrophie der Atemmuskulatur, Verbesserte Belüftung dorsobasal gelegener Lungenareale
    • Atelektasenprophylaxe: Verbessertes Ventilations-Perfusions-Verhältnis, Verbesserter Gasaustausch
    • Erhaltene Spontanatmung: Geringerer Sedierungsbedarf, höhere Kreislaufstabilität, erleichtertes Weaning (Entwöhnung) vom Beatmungsgerät
    • assistierte Spontanatmung funktioniert wie folgt: Die eingestellte Druckunterstützung unterstützt die vom Patienten getriggerte Inspiration und erhöht damit das Atemzugvolumen und das Atemminutenvolumen (z.B. PEEP + ASB).
    • Das AMV kann im assistierten Modus durch zusätzliche intermittierende, mit der Spontanatmung synchronisierte Atemhübe des Beatmungsgeräts erhöht werden (z. B. SIMV = Synchronized Intermittent Mandatory Ventilation; synchronisierte intermittierende mandatorische Beatmung).
    • Bei BIPAP-Beatmung (BIPAP = Biphasic Positive Airway Pressure; biphasi-scher positiver Atemwegsdruck) im druckkontrollierten Modus (mit Vor‑gabe von AF, Pinsp und PEEP) ist während der In- und Exspirationsphase jederzeit eine zusätzliche Spontanatmung möglich, auf dem PEEP-Niveau auch mit DU. Dieser Modus hat die SIMV mittlerweile weitgehend ersetzt.

Jahn et al. konstatieren:  „Die Terminologie und die Kombinationen der Beatmungsformen variieren bedauerlicherweise je nach Hersteller des Beatmungsgeräts, so dass sich jeder Anwender vor Ort mit den jeweiligen Geräten und Herstellerangaben vertraut machen muss.“


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