Atemwegsregister in der Notfallmedizin

Felix Girrbach und Kollegen haben eine interessante Übersichtsarbeit zum Thema Atemwegsregister in der Notfallmedizin in der Fachzeitschrift „Der Anaesthesist“ publiziert:

Girrbach FF et al. Systematische Analyse von Atemwegsregistern in der Notfallmedizin. Der Anaesthesist 2018, https://doi.org/10.1007/s00101-018-0476-8

In den letzten Jahren haben zahlreiche Publikationen zu einem evidenzbasierten Atemwegsmanagement in Rettungsdienst und Notaufnahmen beigetragen. Aber welche internationalen Register existieren aktuell zum Atemwegsmanagement in der Notfallmedizin ? Wie sind diese hinsichtlich Einschlusskriterien, Patientencharakteristika und Definition von Komplikationen charakterisiert?

Vor diesem Hintergrund erfolgte eine systematische Literaturrecherche in PubMed unter Einbeziehung aller Publikationen von 2007-2017. Eingeschlossen wurden alle Studien aus Atemwegsregistern, die sich mit dem Atemwegsmanagement im Rettungsdienst oder in der Notaufnahme befassen.

Abb: Geografische Verteilung der identifizierten Atemwegsregister (mod. nach Girrbach FF et al. Systematische Analyse von Atemwegsregistern in der Notfallmedizin. Der Anaesthesist 2018, https://doi.org/10.1007/s00101-018-0476-8)

Insgesamt konnten elf notfallmedizinische Register identifiziert werden, die primär der Erfassung des Atemwegsmanagements dienen.

Register aus Notaufnahmen: 

  • ANZEDAR, Australien/Neuseeland
  • KEMAR, Südkorea
  • JEAN I+II, Japan
  • EDIR, Edinburgh (England)
  • NEAR II, USA/Kanada/Singapur
  • NEAR III, USA/Kanada/Australien
  • Royal North Shore Emergency Airway Registry, Sydney/Australien
  • „Tucson-Register“, Tucson/USA

Prähospitale Register:

  • NEAR VI, USA
  • Flying Doctor Emergency Airway Registry, Queensland/USA

Pädiatrische ICU:

  • NEAR4KIDS, USA/Kanada/Singapur/Japan/Neuseeland

Davon befasst sich ein internationales Register ausschließlich mit dem pädiatrischen Atemwegsmanagement (NEAR4KIDS). Die publizierten Beobachtungszeiträume der Register liegen bei minimal 15 und maximal 156 Monaten. Alle Notaufnahmeregister schließen Daten von Kindern ein, jedoch variiert dieser Anteil zwischen 0,2 und 10,5%. Das ANZEDAR stellt derzeit mit 43 teilnehmenden Institutionen aus 2 Ländern das größte notfallmedizinische Atemwegsregister dar. Das NEAR III umfasst mit 21.374 registrierten Intubationen über einen Zeitraum von 10 Jahren die größte Anzahl an Notfallinterventionen. Die RSI („Rapid Sequence Induction”)-Raten in den Registern betragen 27,5–100%. Die berichteten First-pass-success(FPS)-Raten liegen zwischen 69-89%, mit einem variablen Anteil an videolaryngoskopischen Intubationen zwischen 0-73%.

Die identifizierten Atemwegsregister unterscheiden sich hinsichtlich

  • Erfassungszeiträume,
  • Einschlusskriterien,
  • Definition von Komplikationen sowie
  • Einsatz neuerer Methoden des Atemwegsmanagements

Schlussfolgerung:

ad 1) Eine Vergleichbarkeit der berichteten Behandlungsergebnisse und FPS-Raten ist nur bedingt gegeben.

ad 2) Ein entsprechendes Atemwegsregister in der Notfallmedizin im deutschsprachigen Raum sollte etabliert werden.

Es wird daher vorgeschlagen  ein nationales Atemwegsregister für die Notfallmedizin im deutschsprachigen Raum mit klaren und reliablen Definitionen zu etablieren.

2 thoughts on “Atemwegsregister in der Notfallmedizin

    1. Herzlichen Dank für den Hinweis, es ist korrekt, dass es dieses Register gibt, bisher jedoch keine Publikationen daraus, so dass dieses Register letztendlich nicht in der Analyse berücksichtigt werden kann. Darüber hinaus suggeriert die Namensgebung etwas anders als das Ziel, es geht um ein Atemwegsregister, da nicht nur die Intubation zählt, sondern das gesamte periprozedurale Management.

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