Asthma bronchiale – Ein Update Teil 2

Bildschirmfoto 2016-07-31 um 11.29.54Hier nun der 2. Teil zur sehr schönen Beitragsserie Asthma bronchiale aus AINS:

Wäsche A, et al. Asthma bronchiale. Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AINS 51: 392-399

Kozian A, et al. Asthma bronchiale. Anästhesiologisches Management. AINS 2016; 51: 402-409

Hansen M, et al. Asthma bronchiale. Notfallmedizinische Versorgung. AINS 2016; 51: 412-420

 

Lesen Sie die Beiträge aus AINS für weitere und tiefgehendere Informationen.


Differenzierung schwerer Asthmaanfall:

  • nur einzelne Worte sprechen
  • Agitation, Unruhe
  • SpO2 <90%
  • Tachykardie (>120 bpm), cave: Bradykardie
  • Tachypnoe (> 20/min)
  • Peak-Flow (aus NVL): <50% Soll-Basiswert
  • paO2: <60 mmHg
  • paCO2: >40 mmHg
  • absolute Warnzeichen: Zyanose, Vigilanzstörung, silent lung, Bradykardie

Risikofaktoren:

  • lebensbedrohlicher Anfall mit invasiver Beatmung in der Anamnese,
  • Krankenhausaufenthalte oder Notfallbehandlungen aufgrund von Anfällen in den letzten Jahren,
  • aktuelle oder gerade beendete Einnahme oraler Glukokortikosteroide,
  • keine inhalativen Glukokortikosteroide,
  • hoher Verbrauch an inhalativen Beta-Mimetika,
  • Anamnese einer psychiatrischen Erkrankung oder psychosoziale Probleme,
  • geringe Medikamenten-Compliance,
  • Lebensmittelallergie,
  • männliches Geschlecht,
  • Alter >40 Jahre,
  • Nikotinabusus

Medikamentöse Therapie:

  • Sauerstoff: SpO2-Zielwert 90-95%, 2-4 l O2/min oft ausreichend, cave: Hyperkapnie
  • ß-Sympathomimetika: Salbutamol oder Fenoterol Inhalation alle 10-15 min, Nebenwirkungen: Unruhe, Tremor, Tachykardie, intravenöse Gabe von Reproterol (langsam iv, kann alle 10-15 min wiederholt werden) oder Terbutalin (alle 4 h subcutan) nur wenn inhalative Therapie versagt, Adrenalin (i.m. oder Inhalation) wird nur bei anaphylaktisch bedingtem Asthma empfohlen.
  • Glucocorticoide: Anschlagszeit bis zu 1-2 h (frühzeitige Gabe daher notwendig), 25-50 mg Prednisolon-Äquivalent p.o., ggf. bei schweren Asthmaanfall bis zu 50-100 mg p.o. oder i.v.
  • Anticholinergika: Iratropiumbromid wird als Kombination mit ß-Sympathomimetika empfohlen, Wiederholung alle 30 min möglich
  • Theophyllin: Theophyllin alleine oder die einzige Kombination mit Prednisolon-Äquivalent wird in den Bereich eines Behandlungsfehlers gebracht, in Deutschland ist Theophyllin die letzte therapeutische Option, cave: Überdosierung bei vorbestellenden Theophyllin-Dauertherapie, teilweise wird in internationalen Empfehlungen vor der Gabe von Theophyllin gewarnt
  • Magnesium: 2 g i.v., ggf. kann Magnesium auch inhaliert werden

Beatmung:

  • bei Versagen der medikamentösen Therapie bei Erschöpfung des Patienten in der Hypoxämie (zB Vigilanzstörung, Hypoxie, Erschöpfung, drohende/bestehende Atemstillstand)
  • 2-4% der im Krankenhaus Patienten werden beatmungspflichtig
  • unklar ist, ob eine NIV Vorteile bietet
  • S1 Leitlinie Notfallnarkose empfiehlt: Midazolam + Esketamin + Rocuronium oder Propofol + Fentanyl + Rocuronium, aber natürlich sind auch Propofol + Esketamin oder anstelle des Esketamin das Ketamin möglich
  • cave: auf ausreichenden großen Tubus achten (nachfolgendes Absaugen, ggf. Bronchoskopie)
  • cave: häufig Narkose-assoziierte hämodynamische Insuffizienz (25-30%)
  • niedrigstmögliche Beatmungsdruck, I:E von 1:3, FiO2 initial 1,0 dann reduzieren, Ziel SpO2 90-95%

Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann keine Gewähr übernommen werden. Jeder Benutzer ist angehalten, durch sorgfältige Prüfung der Beipackzettel der verwendeten Präparate und gegebenenfalls nach Konsultation eines Spezialisten festzustellen, ob die in diesem Blog gegebenen Empfehlung für Dosierungen oder die Beachtung von Kontraindikationen gegenüber der Angabe in diesem Blog abweicht. Eine solche Prüfung ist besonders wichtig bei selten verwendeten Präparaten oder solchen, die neu auf den Markt gebracht worden sind. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers. Wir appellieren an jeden Benutzer etwa auffallende Ungenauigkeiten uns mitzuteilen.

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