Da wir beim Einsatz von Opioidanalgetika Übelkeit als Nebenwirkung fürchten, kombinieren wir häufig die Gabe prophylaktisch mit antiemetischen Medikamenten – wie z.B. mit dem 5-HT3-Antagonisten Ondansetron. Allerdings besteht keine Evidenz für diese Anwendung.
Eine Arbeitsgruppe der Schweizer Rettungsflugwacht REGA hat daher nach der Opioidgabe die prophylaktische Gabe von Ondansetron mit einer prophylaktischen Aromatherapie verglichen.
Knapp J, Strohm R, Huber M, Albrecht R, Pietsch U
Prophylaxis of opioid-induced nausea in helicopter emergency medical service: a prospective quasi-experimental study.
Methoden
Es wurden prospektiv Patienten im Alter von über 16 Jahren eingeschlossen, die zwischen 2/2024 und 4/2025 im Rahmen von Einsätzen sechs schweizer RTH eine Opioidtherapie zur Therapie akuter traumatischer Schmerzen erhielten.
Die Prophylaxe gegen Übelkeit nach der opioidbasierten Schmerztherapie erfolgte gemäß einem festen, rotierenden 7-Tage-Schema:
- keine Übelkeitsprophylaxe,
- medikamentöse Übelkeitsprophylaxe mit 4 mg Ondansetron i.v. sowie
- aromatherapiebasierte Übelkeitsprophylaxe durch Inhalation von Isopropanol.
Ein Übelkeitsscore wurde zum Zeitpunkt der Opioidgabe sowie bei der Übergabe im Zielkrankenhaus mittels einer numerischen Ratingskala zwischen 0 (keine Übelkeit) und 10 (maximale Übelkeit) erhoben. Primärer Endpunkt war die Veränderung des NRS-Wertes zwischen dem Zeitpunkt vor der Opioidgabe und dem Zeitpunkt der Patientenübergabe in der Notaufnahme. Sekundäre Endpunkte waren die Inzidenz von mäßiger und schwerer Übelkeit (definiert als NRS > 3), die Inzidenz von Erbrechen während der prähospitalen Patientenversorgung sowie die Notwendigkeit einer Rescue-Medikation (Ondansetron zu therapeutischen Zwecken).
Ergebnisse
n = 205 Patienten (86 in der Gruppe „keine Prophylaxe“, 64 in der Ondansetron-Gruppe und 55 in der Aromatherapie-Gruppe).
Ein Anstieg des NRS-Werts wurde bei 15 % der Patienten in der Gruppe „keine Prophylaxe“, bei 14 % in der Ondansetron-Gruppe und bei 15 % in der Aromatherapie-Gruppe beobachtet. Ein NRS-Wert > 3 wurde bei 14 % der Patienten in der Gruppe „keine Prophylaxe“ sowie bei jeweils 11 % der Patienten in der Ondansetron- und der Aromatherapie-Gruppe verzeichnet. Erbrechen trat bei 4 % der Patienten in der Gruppe „keine Prophylaxe“ und bei 2 % in der Ondansetron-Gruppe auf; in der Aromatherapie-Gruppe kam es bei keinem der Patienten zu Erbrechen. Die therapeutische Gabe von Ondansetron war bei 4 Patienten in der Gruppe „keine Prophylaxe“ und bei einem Patienten in der Aromatherapie-Gruppe erforderlich. Bei keinem dieser Patienten führte die Gabe zu einer Besserung der Übelkeit; drei dieser Patienten aus der Gruppe „keine Prophylaxe“ erbrachen sich nach der Ondansetron-Gabe.
Schlussfolgerung
Weder die prophylaktische Gabe von Ondansetron noch die Aromatherapie scheinen für die Prävention opioidinduzierter Übelkeit bei unselektierten Patienten im Rahmen der prähospitalen Notfallmedizin von Nutzen zu sein.