Hypotonie nach Narkoseeinleitung (Postinduktionshypotonie) tritt häufig auf und erfordert oft eine Behandlung mit Vasopressoren wie Noradrenalin.
Diskutiert wird, ob die kontinuierliche Gabe von Noradrenalin mittels einer Spritzenpumpe der wiederholten manuellen Bolusinjektionen überlegen ist.
Deshalb hat eine Arbeitsgruppe Patienten, die sich einer elektiven nicht-kardialen Operation unterzogen, randomisiert und während der Einleitung der Allgemeinanästhesie entweder mit kontinuierlicher perfusorgestützter Noradrenalin-Applikation oder wiederholten manuellen Bolusgabe von Noradrenalin versucht den Zielblutdruck zu erhalten.
Thomsen K et al.
Continuous versus bolus norepinephrine administration to treat hypotension after induction of general anaesthesia in low-to-moderate risk noncardiac surgery patients: a randomised trial,
BJA 136: 1137-1144 (2026)
In beiden Gruppen erfolgte die Verabreichung von Noradrenalin über einen peripher-venösen Zugang. Die Blutdruckmessung wurde durch das klinische Personal mittels intermittierender Oszillometrie durchgeführt. Zusätzlich wurde eine verblindete, kontinuierliche nicht-invasive Blutdrucküberwachung etabliert, um Dauer und Ausmaß der Postinduktionshypotonie zu quantifizieren. Der primäre Endpunkt war die Postinduktionshypotonie, definiert als die Fläche unterhalb eines mittleren arteriellen Blutdrucks (MAP) von 65 mm Hg innerhalb von 15 Minuten nach Beginn der Anästhesieeinleitung.
Ergebnisse
261 Patienten konnten ausgewertet werden (Medianalter: 62 Jahre; 40 % weiblich).
Die mediane (25. bis 75. Perzentile) Fläche unterhalb eines MAP von 65 mm Hg unterschied sich nicht signifikant (3,6 mmHg × min bei den Patienten, die der Gruppe mit kontinuierlicher Noradrenalin-Infusion zugeteilt waren, im Vergleich zu 5,5 mmHg × min bei den Patienten der Gruppe mit manueller Noradrenalin-Bolusgabe (P = 0,070).
Die mediane Dauer von MAP-Werten < 65 mm Hg betrug 1,0 (0,0–2,5) min gegenüber 1,4 (0,2–3,2) min (P = 0,052).
Schlussfolgerungen
Die kontinuierliche Verabreichung von Noradrenalin reduzierte – im Vergleich zu wiederholten manuellen Bolusgaben – die Postinduktionshypotonie nicht bei Patienten mit niedrigem bis mittlerem Risiko für nicht-kardiale Operationen, bei denen eine intermittierende oszillometrische Blutdrucküberwachung erfolgte.
Ein wesentlicher Nebenbefund dieser Studie betrifft jedoch die Gabe von Katecholaminen über einen periphervenösen Zugang. Ein Vorgehen welches in der prähospitalen Notfallmedizin häufig in Ermangelung eines zentralvenösen Zugangs praktiziert, in der klinischen Intensivmedizin jedoch kritisch diskutiert wird.
Die Autoren nehmen dazu wie folgt Stellung:
„Eine Stärke unserer Studie bestand darin, dass wir die zunehmend verbreitete Praxis der Verabreichung von Noradrenalin über periphere Venenkatheter untersuchten. Wie bereits in einer Kohortenstudie mit mehr als 14.000 Patienten [1] gezeigt, entspricht es auch unserer Erfahrung, dass die kontinuierliche Infusion von Noradrenalin mittels einer Spritzeninfusionspumpe über periphere Venenkatheter wirksam und sicher ist.“
1. Pancaro C, Shah N, Pasma W, et al. Risk of major complications after perioperative norepinephrine infusion through peripheral intravenous lines in a multicenter study. Anesth Analg 2020; 131: 1060e5