Ein Gastbeitrag von Prof. Philipp Kümpers aus Münster, (Linkedin-Beitrag mit freundlicher Genehmigung):
„𝗗𝗶𝗲 𝗥𝗲𝗶𝘀𝗲 𝗶𝗻𝘀 𝗜𝗰𝗵 – 𝘃𝗼𝗻 𝗛𝗼𝗹𝗹𝘆𝘄𝗼𝗼𝗱-𝗦𝗰𝗶𝗲𝗻𝗰𝗲-𝗙𝗶𝗰𝘁𝗶𝗼𝗻 𝘇𝘂𝗿 𝗸𝗹𝗶𝗻𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗔𝗻𝘄𝗲𝗻𝗱𝘂𝗻𝗴 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗡𝗼𝘁𝗮𝘂𝗳𝗻𝗮𝗵𝗺𝗲 🚤🩸🔬
In den frühen 90ern habe ich im ZDF einen Film gesehen, der mich (Jahrgang ’78) damals ziemlich geflasht hat: 𝙄𝙣𝙣𝙚𝙧𝙨𝙥𝙖𝙘𝙚 (dt.: „𝘿𝙞𝙚 𝙍𝙚𝙞𝙨𝙚 𝙞𝙣𝙨 𝙄𝙘𝙝“). 🚤
Dennis Quaid steuert darin ein geschrumpftes U-Boot durch die Blutbahn von Martin Short – eine wilde Mischung aus Science-Fiction und (für mich damals) greifbarer Physiologie.
Bis dahin kannte ich Gefäße und Kapillaren nur aus der großartigen Zeichentrickserie 𝘌𝘴 𝘸𝘢𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘮𝘢𝘭… 𝘥𝘢𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 – Bei 𝘐𝘯𝘯𝘦𝘳𝘴𝘱𝘢𝘤𝘦 wurde die Mikrozirkulation plötzlich zur Kulisse großen Hollywood-Kinos – ausgezeichnet mit einem Academy Award.
𝟯𝟱 𝗝𝗮𝗵𝗿𝗲 𝘀𝗽𝗮̈𝘁𝗲𝗿 𝘀𝗰𝗵𝗹𝗶𝗲ß𝘁 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗳𝘂̈𝗿 𝗺𝗶𝗰𝗵 𝘂̈𝗯𝗲𝗿𝗿𝗮𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗿 𝗞𝗿𝗲𝗶𝘀.
Mit der 𝗘𝗗𝗚𝗘 𝗦𝘁𝘂𝗱𝘆 schauen wir heute genau dorthin, wo damals das U-Boot unterwegs war: 𝗶𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗠𝗶𝗸𝗿𝗼𝘇𝗶𝗿𝗸𝘂𝗹𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻. 🩸🔬
𝗨𝗻𝗱 𝘄𝗮𝘀 𝘄𝗶𝗿 𝘀𝗲𝗵𝗲𝗻, 𝗴𝗲𝗵𝘁 ü𝗯𝗲𝗿 𝗸𝗹𝗮𝘀𝘀𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗠𝗮𝗿𝗸𝗲𝗿 𝗱𝗲𝘂𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗶𝗻𝗮𝘂𝘀:
👉 Mikrovaskuläre Alterationen sind bereits bei initial klinisch stabilen Patienten in der Notaufnahme nachweisbar – lange bevor Scores oder klinische Parameter anschlagen
👉 Die Kombination aus Glykokalyx-Schädigung (↑PBR) und verminderter Kapillardichte (↓Density₄–₇µm) identifiziert einen Hochrisiko-Phänotyp
👉 Ein intaktes mikrovaskuläres Profil ist dagegen mit einem deutlich reduzierten Risiko für Progression oder Tod assoziiert
👉 Der Microvascular Health Score (MVHS) integriert diese Informationen und zeigt eine gute Diskriminationsfähigkeit (AUC ~0.79) – überlegen gegenüber PCT und IL-6
𝗠𝗶𝘁 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻 𝗪𝗼𝗿𝘁𝗲𝗻:
Die entscheidenden pathophysiologischen Prozesse laufen oft längst – bevor wir sie klinisch erkennen.
Die 𝗘𝗗𝗚𝗘 𝗦𝘁𝘂𝗱𝘆 ist das Ergebnis von über sechs Jahren gemeinsamer Arbeit – maßgeblich konzipiert und von unserem wissenschaftlichen 𝘙𝘦𝘨𝘪𝘴𝘴𝘦𝘶𝘳 Alexandros Rovas vorangetrieben, ermöglicht durch zwei Förderlinien der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).
In den Hauptrollen drei 𝘚𝘵𝘢𝘳-𝘋𝘰𝘬𝘵𝘰𝘳𝘢𝘯𝘥𝘐𝘯𝘯𝘦𝘯:
Melina Scarbeck, Anna Hunkemöller und Marc-David Künnemann – plus ein starkes Ensemble im Hintergrund. Ohne sie kein Blockbuster.
Und irgendwo hinter den Kulissen sorgt der 𝘗𝘳𝘰𝘥𝘶𝘤𝘦𝘳 dafür, dass alles zusammenkommt. 😉
Nun ist die Studie in Critical Care erschienen – 𝗴𝗮𝗻𝘇 𝗴𝗿𝗼ß𝗲𝘀 𝗞𝗶𝗻𝗼. 🎬
👉👉👉 https://rdcu.be/fhuw4
Am Ende von Innerspace wird das U-Boot wieder auf Normalgröße gebracht. Trotz eines charmanten Sequel-Teasers blieb die Fortsetzung bekanntlich aus. Zumindest für unsere Arbeitsgruppe kann ich sagen: 𝘁𝗼 𝗯𝗲 𝗰𝗼𝗻𝘁𝗶𝗻𝘂𝗲𝗱.“
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