Akzidentelle Atemkalkingestion im Rahmen eines Tauchganges

Eine 57-jährige Patientin stellt sich in den Abendstunden an einem Werktag fußläufig in der Zentralen Notaufnahme eines Universitätsklinikums vor. Die Patientin ist eine erfahrene Taucherin (>350 Tauchgänge) und berichtet, am selben Tag erstmals einen Tauchgang mit einem Kreislauftauchgerät bzw. „semi-closed circuit rebreather“ [SCR] unter Anleitung eines für dieses Gerät zertifizierten Tauchlehrers durchgeführt zu haben. Nach einer Tauchdauer von etwa 30 min habe die Patientin in 6 m Tiefe einen auffälligen Geschmack im Mundstück verspürt, woraufhin sie das Mundstück des Tauchpartners genutzt und dann ohne Notaufstieg aufgetaucht sei.

Michael M, et al. Akzidentelle Atemkalkingestion im Rahmen eines Tauchganges. Anaesthesist 2021, online (Open Access)

Atemkalk wird in Kreislauftauchgeräten beim technischen Tauchen („Rebreathern“) verwendet. Vergleichbar mit einem Narkosekreislaufgerät dient bei einem halb- bzw. geschlossenen Atemsystem der Kalk der Kohlendioxidabsorbtion. Der Atemkalk enthält meist Hydroxycarbamid, das unter Wassereinwirkung zu Natronlauge reagieren kann. Bei der Ingestion bzw. Aspiration von Bestandteilen des Atemkalks kann es zu Verätzungen mit der Bildung von Kolliquationsnekrosen kommen. Eine frühzeitige Endo- bzw. ggf. Bronchoskopie ist hier zur Abschätzung von Folgeschäden essenziell.

Die Abbildung entstammt der Publikation von Michael M et al. (Open Access). Das geschlossene Kreislaufgerät zum Tauchen in der Abbildung enthält folgende Punkte: 1 Überdruckventil, 2 Lungenautomatisches Bypassventil, 3 Gegenlunge, 4 manueller Bypass, 5 Anzeigen, 6 Magnetventil, 7 O2-Sensoren, 8 CO2-Absorber, 9 Mundstück mit Richtungsventilen.

One thought on “Akzidentelle Atemkalkingestion im Rahmen eines Tauchganges

  1. Spannend, vor allem für mich als tauchmedizinisch interessierten Menschen. Allerdings habe ich ich gefragt, wieso ein Antitussivum? Wäre das Aushusten eventueller Kalkreste nicht sinnvoll gewesen?

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