Fehler in der Kinderanästhesie von Dr. Martin Jöhr (Teil 1)

Ein wirklich legendärer Kinderanästhesist hat einen sehr guten Artikel zu Fehler in der Kinderanästhesie geschrieben:

Jöhr M. Die häufigsten Fehler in der Kinderanästhesie. Anästh Intensivmed 2021;62:70–81 (PDF)

Martin Jöhr führt hierzu aus: „Fehler kommen vor, selbst wenn Anästhesisten perfekt ausgebildet und die notwendigen Handlungsanweisungen vorhanden sind. Bei Kindernarkosen kommen oft noch mangelnde Vertrautheit mit Kindern, Zeitdruck und ein ungewohntes Arbeitsumfeld erschwerend dazu. Der Anästhesist muss sich täglich bemühen, selber möglichst wenig Fehler zu machen; zudem sollen aber auch die Abläufe und Strukturen eine hohe Resilienz aufweisen, um Fehler unwahrscheinlicher oder wenigstens in ihren Auswirkungen weniger schwerwiegend zu machen.“

Nachfolgen einige der Kernaussagen:

  • Der wohl häufigste Fehler ist, dass ein Anästhesist die Verantwortung für ein Kind übernimmt, ohne ausreichende Erfahrung mit der entsprechenden Altersklasse zu haben und ohne sich auf eine adäquate Struktur abstützen zu können.
  • Eine hohe Qualität in der Versorgung von Kindern beinhaltet weit mehr als das Ausbleiben von Komplikationen. Es ist ein Fehler, wenn nicht alles darangesetzt wird, empathisch, verlässlich und professionell zum Wohle des Kindes zu handeln. Es gibt nur eine Art, Kinderanästhesie zu betrei- ben, und die ist bis ins Detail perfekt!
  • Es erfordert eine hohe sittliche Anstrengung, dass Anästhesisten auch unter großem zeitlichem und emotionalem Druck nicht vom Standardvorgehen abweichen, sondern die notwendigen Vorbereitungen und Checks wie vorgesehen machen.
  • Der Arbeitsplatz und die betrieblichen Abläufe sind so zu gestalten, dass Fehler unwahrscheinlicher oder wenigstens in ihren Auswirkungen weniger gravierend sind.
  • Es ist falsch, getrieben durch mediko legale Ängste, bei gesunden Kindern vor mäßig invasiver Chirurgie ohne begründeten klinischen Verdacht Laborwerte wie Gerinnungsparameter zu bestimmen.
  • Der weitgehende Verzicht auf Routinelabor erhöht das Risiko, dass heute beim kranken Kind die hier indizierten Laboruntersuchungen vergessen werden.
  • Das Körpergewicht (aktuell oder kürzlich gewogen) und ein Ausgangswert der Sauerstoffsättigung sollen bekannt sein.

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