Was leistet der Notarzt prähospital wirklich? Eine retrospektive Analyse aus Graz.

Ein Beitrag von PD Dr. Jürgen Knapp, Bern/Schweiz:

Eine sehr interessante Arbeit zu den tatsächlich durch Notärztinnen und Notärzte prähospital unternommenen Maßnahmen in einem bodengebunden Rettungsdienst und damit auch zur sinnvollen Verwendung der notärztlichen Ressourcen wurde aktuell von Kollegen aus Graz im Anästhesisten veröffentlicht:

Prause G et al. System- und Fertigkeitseinsatz in einem österreichischen Notarztsystem: retrospektive Studie. Anästhesist 2020; online first

Die Arbeit kann als „open access“-Artikel unter folgender DOI kostenlos abgerufen werden:

https://doi.org/10.1007/s00101-020-00820-8

Die Studie kurz zusammengefasst:

  • ausgewertet wurden die Einsätze des bodengebundenen Notarztdienstes des Universitätsklinikums Graz vom 1.1.2010 bis 31.12.2018
  • insgesamt waren dies 15.409 Primäreinsätze und 322 Sekundäreinsätze
  • die Einsätze werden von einem Team von durchschnittlich 25 Notärztinnen und Notärzten absolviert
  • die jährliche Einsatzrate stieg in diesem Zeitraum massiv von 1.442 Einsätzen im Jahr 2010 auf 2.301 Einsätze 2018 an.
  • Die Autoren unterscheiden für ihre Studie zwischen 3 Kategorien von Maßnahmen:
    • Kategorie 1: „notärztliche Maßnahmen“ (dazu zählen sie Narkoseeinleitung, tracheale Intubation, invasive und nicht-invasive Beatmung, Thorakozentese, kardiopulmonale Reanimation, transkutane Schrittmachertherapie, Behandlung des Akuten Koronarsyndroms, arterieller Zugang und Katecholamingabe)
    • Kategorie 2: „medizinische Maßnahmen“ (dazu zählen sie 12-Kanal-EKG, venöser Zugang ohne die Applikation von Medikamenten, Analgosedierung und leitsymptomorientierte Behandlung von Krampfanfall, Kollaps, Hypoglykämie, Schlaganfall, Kolikschmerz etc.)
    • Kategorie 3: „keine medizinischen Maßnahmen“ (nur Lagerung, Sauerstoffgabe, Schienung, Todesfeststellung, Stornierung bei Anfahrt, Fehleinsatz etc.)
  • in nur 18% der Notarzteinsätze in diesem Zeitraum wurden tatsächlich Maßnahmen der Kategorie 1 ergriffen, in 47% Maßnahmen der Kategorie 2 und in 35% der Kategorie 3
  • der Anteil der Einsätze mit Maßnahmen der Kategorie 1 ist über die Jahre scheinbar rückläufig: in den ersten 6 Jahren des Beobachtungszeitraums 18,7%, in den letzten 3 Jahren 17,1% (p=0,001), da die absolute Zunahme in den Kategorien 2 und 3 größer ist
  • interessant ist auch die Häufigkeit von notärztlichen Maßnahmen pro Notarzt und Jahr zu betrachten
invasive Maßnahme Häufigkeit pro Notarzt und Jahr
tracheale Intubation 5,4
nichtinvasive Beatmung 2,2
arterieller Zugang 3,2
kardiopulmonale Reanimation 4,6
präklinische Narkoseeinleitung 2,9
transkutane Schrittmachertherapie 0,1
„Thorakozentese“ 0,2

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Praxis?

  • Diese Studie konnte sehr schön zeigen, dass retrospektiv gesehen bei weniger als einem Fünftel der Notarzteinsätze in dem untersuchten bodengebunden Rettungsdienst tatsächlich (not-) ärztliche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Mehr als 80% der Notarzteinsätze könnten auch von einem entsprechend ausgebildeten und mit Kompetenzen ausgestatteten Notfallsanitäter abgearbeitet werden bzw. durch Hausärzte (Todesfeststellung) geleistet werden.
  • die Ergebnisse der Grazer Kollegen zeigen aber auch, wie selten der einzelne Notarzt tatsächlich invasive notärztliche Maßnahmen durchführt. Diese Ergebnisse unterstützen einmal mehr, dass nur Notärzte, die kontinuierlich innerklinisch akutmedizinisch arbeiten und so ihre medizinischen und technischen Fähigkeiten trainieren und aufrecht erhalten, dem Patienten einen Mehrwert bringen. Nur mit prähospitaler Tätigkeit kann ein adäquates Ausbildungsniveau weder erreicht noch gehalten werden.
  • Darüber hinaus liefern die Ergebnisse auch eine Erklärung dafür, wieso die Notarzttätigkeit zunehmend unbeliebt wird und sich die Standorte immer schwerer tun, die Dienste durch erfahrene und gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte zu besetzen. Wenn nur in einem Bruchteil der Einsätze tatsächlich die eigene Kompetenz gefragt und gefordert wird, schwindet die Motivation verständlicherweise sehr rasch. Hier könnte zukünftig der Einsatz von „Telenotärzten“ Vorteile bringen.

21 thoughts on “Was leistet der Notarzt prähospital wirklich? Eine retrospektive Analyse aus Graz.

  1. Sehr interessanter Artikel. Wasser auf die Mühlen der Politiker, die seit geraumer Zeit die Notärzte durch Notfallsanitäter ersetzen wollen.
    Grüße, R.H.

    1. Notärzte durch Notfallsanitäter zu ersetzen, die NOCH WENIGER Erfahrung in invasiven Techniken haben, ist natürlich eine absolut geniale Idee! Das wird die Versorgung der Patienten natürlich verbessern – zumindest wenn man in Schilda lebt …

      Michael Riediger
      Notarzt

  2. Nun, diese Arbeit gibt in verwertbaren Zahlen das wieder, was auch durch deutsches Rettungsfachpersonal und eine hohe Anzahl von Notärzten seit Jahren subjektiv empfunden und auch geäußert wird. In manchen Bereichen dürften die Zahlen der wirklich notwendigen NA Einsätze noch geringer ausfallen. Auch der Hinweis auf die Notwendigkeit des klinischen Trainings sowie der Simulation zum Skill Erhalt bei einer derart geringen Anzahl durchgeführter, lebensrettender invasiver Maßnahmen ist wichtig. Der Artikel regt einmal mehr an, sich über eine Strukturänderung der rettungsdienstlichen Landschaft sowie des zielgerechten Einsatzes der jeweiligen Rettungsmittel Gedanken zu machen.

    1. Hallo Herr Gollwitzer,
      ich antworte Ihnen genau das, was ich auch dem Kollegen Hoffmann geantwortet habe:

      Notfallsanitäter sammeln sowohl in ihrer Ausbildung als auch später im Berufsleben weniger Erfahrungen in invasiven Techniken als Ärzte. Auch irgendwelche Simulationen an Puppen, die sich derzeit so großer Beliebtheit erfreuen, weil eine Seite (RFP) sie als Pseudoargument für ihre Agenda zu nutzen sucht und die andere Seite (Anbieter solcher Kurse) damit gut verdient, nutzen da nichts als Argument, da man damit niemals so gut lernt, wie am lebenden Pat. selbst.

      Hier zu argumententieren, dass Notärzte keinen „Skill Erhalt“ schaffen würden, ist einfach nur lächerlich, denn NFS schaffen dies erst recht nicht, die schaffen noch nicht einmal einen „Skillaufbau“, was diese Techniken anbelangt.

      Michael Riediger
      Notarzt

  3. Dem Artikel kann entnommen werden, daß es durchaus Verbesserungspotential für akademische und „nicht-akademische“ Retter gibt. Ärztlich besetzte Mittel sollten auf Nachforderung bzw. nach einem klar umrissenen Indikationskatalog zum Einsatz kommen. Das könnte die Zahl der „unnötigen“ Alarme noch einmal reduzieren und die hohe ärztliche Kompetenz besser zur Geltung bringen. Auf der anderen Seite ist es Zeit für bundeseinheitliche, rechtssichere Regelkompetenzen für NotfallsanitäerInnen, um auch hier eine Verbesserung am Kunden zu erreichen. Diese sollte dann auch mit verpflichtenden Fortbildungsmaßnahmen (zertifizierte Kurse (ERC, Trauma u.a.) und deren Auffrischung!) und regelmäßigem Simulationstraining (auch mit Ärzten) flankiert werden.
    Und keine Geschäftsführung darf sich pauschal mit den Kosten aus dem Cikulus verabschieden. Rettungsdienst ist eine Daseinsvorsorge und sollte nicht nur aus der rein finanziellen und juristischen Sicht betrachtet werden. Sonst werden wir Dinge wie 48h/Woche (davon oft nur 39 bezahlt!), Kompetenz-Flickenteppiche und die reine Kostensicht noch in zehn Jahren als Themen haben.

    Hummel
    Notfallsanitäter

  4. Lieber Michael Riediger ,
    das kannst du so pauschal nicht sagen .
    Es gibt viele Notärzte die Hauptberuflich einer Hausärztlichen Tätigkeit nachgehen.
    Es gibt auch wiederum Notfallsanitäter die freiwillig im Op Intubationen und Narkoseeinleitungen üben .
    Wenn man so eine Kombinatiln hat, was durchaus vorkommen kann, dann wird der Notsan wohl mehr Erfahrung im Bereich Intubation und Narkoseeinleitung haben .

    Christian

    Notfallsanitäter

    1. Hallo Herr Dahlke,
      wie viel Prozent der Notärzte sind denn hauptberuflich „nur hausärztlich“ tätig? Haben Sie irgendwelche belegten Zahlen? In meiner mittlerweile 22jährigen Erfahrung als Notarzt sind mühsam 10% der Kollegen niedergelassene Ärzte. Auch wenn ich mir die große (knapp 300 Notärzte unfassende) Gesellschaft anschaue, in der ich Mitglied bin und die aktuell über 20 NEF-Standorte mit Notärzten versorgt, kenne ich derzeit nicht mehr als fünf Kollegen, die niedergelassen sind.

      Ihr weiteres Argument, dass es ja auch NFS gäbe, die in freiwilligen Praktika Intubationen und Narkoseeinleitungen üben würden, lässt mich nur die Schultern zucken. Sie wissen doch ganz genau wie wenige das wirklich machen. Dies als „Argument“ zu nutzen, hat etwas von Verzweiflung.

      Ich finde es auf der einen Seite lustig, auf der anderen Seite jedoch langsam langweilig werdend, wenn uns Notärzten gerade aus der Richtung des RFP immer wieder vorgehalten wird, dass wir zu wenig Erfahrung in invasiven Techniken hätten. Machen wir doch mal einen kurzen Realitycheck: Wie viele Intubationen, Narkoseeinleitungen, ZVK-Anlagen, io-Punktionen, Thoraxdrainagen und Thorakotomien AM LEBENDEN PATIENTEN (!) hat denn ein NFS, wenn er aus der Ausbildung kommt? Wie viele davon hat er nach drei Berufsjahren? Wie viele wären es nach zehn Berufsjahren (Konjunktiv, da es den NFS ja noch nicht so lange gibt)?

      Zusammenfassend kann man sagen, dass der Versuch gegen uns Notärzte damit zu argumentieren, dass wir zu wenig Erfahrungen in invasiven Techniken hätten, bestenfalls schlechte Komödie ist, solange die Berufsgruppe, die uns Notärzte gerne ersetzen und beerben möchte, noch deutlich weniger Erfahrungen in diesen Techniken hat.

      Michael Riediger
      Notarzt

  5. Sehr geehrter Herr Riediger,
    niemand versucht die Notärzte aus diesem System zu vertreiben, was allerdings ihre größte Sorge zu sein scheint.

    In meinem Rettungsdienstbereich sind etwa 50% der Notärzte niedergelassene,Gynäkologen , Urologen oder sogar Hno-Ärzte.
    Die Ausbildung des Rettungsfachpersonal’s hat sich nicht umsonst derart verbessert, denn zum „Infusion zusammen stecken“ oder „Nadeln anreichen “ muss man keine Ausbildung zum Notfallsanitäter durchlaufen.

    Wenn der Notarzt zu jeder kleinigkeit rausgeschickt wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit ja noch viel höher das irgendwo ein Rettungswagen steht der wirklich einen Notarzt benötigt, aber keiner zur verfügung steht weil er ja schön bei einem bagatell Einsatz gebunden ist.
    In einem solchen Falle sind die Notfallsanitäter gezwungen invasive Maßnahmen zu ergreifen.

    Das problem mit der freiwilligen Fortbildung der Notfallsanitäter beruht auf dem Problem, dass den Notfallsaniätern keine Kompetenzen zugesprochen wird.
    Denn mal ganz ehrlich lieber Herr Kollege, warum sollte man sich fort und weiterbilden, wenn ich es sowieso nicht anwenden darf ?

    Die ganzen invasiven Maßnahmen sind nicht nur theoretisches Wissen.
    Eine invasive Maßnahme ist ein Handwerk und muss wie sie es schon richtig erkannt haben praktisch erlernt werden.
    Das bedeutet im Umkehrschluss, dass invasive Maßnahmen durch Notärzte sowie durch Notfallsanitäter sicher beherscht werden können wenn sie regelmäßig angewendet werden.
    Dies sieht man sehr gut an den Paramedics in Australien (Studie von Paramedics in Australien : 95% erfolgreiche Intubation , 80% First-Pass).

    Zum Schluss können sie mir gerne noch die Frage beantworten, warum der Notfallsanitäter geschaffen wurde ?
    Warum sind wir nicht einfach beim Rettungssanitäter geblieben?

    liebe Grüße

    1. Hallo Herr Ralf.

      Für nur 80% „first pass“ Erfolge bei der endotrachealen Intubation müssten wir Notärzte uns hier in Deutschland massive Kritik anhören, aber wenn ein Paramedic dies irgendwo schafft, dann ist es ein Erfolg und ein Argument für Intubationen durch RD-Personal? Diese Ansicht teile ich nicht.

      Ihre Argumentation, dass quasi jeder RDler die Intubation (oder andere invasive Maßnahmen) durch viel Praxis lernen könnte, ist halt genau das, was es ist: Ein Konjunktiv. Denn sie haben diese Möglichkeiten in der Praxis eben nicht. Weder bekommen sie die in der Ausbildung, noch danach. Da haben wir Ärzte es bei weitem einfacher: Entweder gehören diese Maßnahmen oft schon zu unserem Tagesablauf (Anästhesie, spezielle internistische oder chirurgische Intensivmedizin, Tätigkeit in der Notaufnahme) oder wir können uns erheblich einfacher als das RD-Personal entsprechende Übung in entsprechenden Abteilungen als Gäste holen.

      Was von Seiten der RDler irgendwie nie erwähnt wird – vermutlich weil man ja damit seine eigene Argumentation zerschießen würde – ist, dass Notärzte die angebotenen Kurse für invasive Techniken (z.B. Intech und Intech Advanced in Heidelberg, PERT-Kurs in Hannover und viele vergleichbare Kurse) regelrecht überrennen. Diese Kurse sind konstant ausgebucht. In der Notarzt-Gesellschaft, in der ich aktiv bin, werden häufig für die Mitglieder kostenlos AHA-zertifizierte ACLS- und PALS-Kurse angeboten, die immer ausgebucht sind. Ich sehe hier einen doch erheblichen Willen der Notärzteschaft, sich in invasiven Techniken weiter zu bilden und diese zu üben. Dies wird nur in solchen Diskussionen gerne ignoriert.

      Dass die breite Masse der Notfallsanitäter den NA abschaffen will, glaube ich auch nicht. Aber wenn man sich mal die ganzen Meinungsäußerungen zu diesem Thema ansieht, bemerkt man eine lautstarke Minderheit, die zum Teil recht aggressiv auftritt und bei denen es sehr klar darum geht, Notärzte zu verdrängen, um selber mehr invasive Tätigkeiten abzukriegen und auch um ein Argument für eine bessere Bezahlung zu haben. Normalerweise sind diese Leute gerade mit letzterer Aussage sehr vorsichtig, aber ich habe in letzter Zeit zunehmend entsprechende Äußerungen in Internet-Foren und Gruppen gelesen. Gegen genau diese lautstarke Minderheit setze ich mich halt argumentativ zur Wehr.

      MfG

      Michael Riediger
      Notarzt

  6. Hallo Michael,

    Studie zum Thema Endotracheale Intubation durch erfahrene Notärzte:
    11% endobronchial
    7% ösophageal
    83% erfolgreich endotracheal intubiert

    15% Schwierigkeiten bei der Intubation mit zwei oder mehreren versuchen.
    85% First-Pass

    Der Rettungsdienst ist steht im engen Kontakt mit unserem Haus .
    Die Notfallsanitäter können jederzeit ein Praktikum für genau diese Übungen beantragen.
    Außerdem werden die Notfallsanitäter einen Tag im Monat dafür freigestellt.
    Also sehe ich das nicht als Problem an .
    Wir haben so gut wie jede Woche einen Notfallsanitäter der bei uns im Op assistiert und die Intubationen durchführt.

    Die von ihnen genannten Kurse werden hier in unserer Gegend nicht angeboten.
    Ansonsten können sie sicher sein, dass diese Kurse auch von den Notfallsanitätern überlaufen wären.

    Dass es solche Minderheiten gibt bestreitet ja auch niemand .
    Allerdings gibt es in der Ärzteschaft auch solche, die umbedingt verhindern möchte, dass die Notfallsaniäter mehr Kompetenzen bekommen.
    Genau aus diesem Grund gibt es den Notfallsanitäter ja.
    Die meisten Ärzte fühlen sich bedroht und haben einfach nur Angst, dass sie aus dem System verdrängt werden könnten.
    Aus diesem Grund möchten die Ärzte keine Maßnahmen für Notfallsanitäter freigeben.
    Es geht uns auch nicht immer nur um die extremsten invasiven Maßnahmen wie Entlastungspunktion, endotracheale Intubation usw.
    Es geht einfach um solche Maßnahmen die einfach sinn machen.
    Da wäre z.b die Analgesie durch Notfallsanitäter, selbstständiges abarbeiten eines Acs wo der Pat. hämodynamisch stabil ist, selbstständiges abarbeiten von exazerbierte Copd .

    Bei uns gibt es einfach zu oft das Problem, dass der Notarzt bei einer ganz normalen Analgesie beschäftigt ist und die Notfallsanitäter auf einem anderem Rettungsmittel ganz alleine zu zweit eine Reanimation bewerkstelligen müssen.
    Das ist einfach ein Fehler im System, denn wo der Notarzt benötigt wird, da steht er nicht zur verfügung.

    Könnnen sie bitte noch meine Frage beantworten, wofür der Notfallsanitäter geschaffen wurde ?

    Liebe Grüße

    Ralf

  7. Mit ihren unsachlichen und weder belegten noch belegbaren Vorwurf, dass „die meisten Ärzte sich bedroht fühlen aus dem System verdrängt zu werden und deswegen die armen NotSans unterdrücken“ haben sie sich für weitere Diskussionen disqualifiziert. Auch erreichen sie bei mir damit eher eine Ablehnung ihrer Berufsgruppe als eine Unterstützung.

    Ich fühle mich ganz sicher nicht durch eine Berufsgruppe gefährdet, die schon bei hygienisch korrekter Anlage eines Venenzugangs nachweislich ein gewaltiges Problem hat und die ernsthaft meint, eine invasive Technik aufgrund von zehnmaliger Durchführung am lebenden Patienten und vlt. noch 20maliger Simulation an einen Kunststoffmanequin zu „beherrschen“, wie es z.B. für 1c-Maßnahmen gefordert wird. Um eine Technik zu beherrschen gehört ein bisle mehr dazu.

    An dieser Stelle breche ich die Diskussion ab und fühle mich gut, weil ich weiß, dass meine Berufsgruppe die lautstarken Motzköpfe aus ihrer Berufsgruppe immer im Griff haben werden. Wie sie ja selber sagen: Böse Ärztelobby. Mit denjenigen aus ihrer Berufsgruppe, die einfach nur konzentriert und sachlich ihre Arbeit machen, werde ich auch weiterhin gut und gerne zusammen arbeiten, aber diese „Hilfe, wir werden unterdrückt“-Jammerer, zu denen sie zu gehören scheinen, werden von mir Gegenwind bei nur jeder Gelegenheit kriegen.

    Michael Riediger
    Notarzt

  8. Es ist kein Vorwurf .
    Warum sollte die Ärztelobby sonst gegen invasive Maßnahmen für Notsan sein ?
    Sie pauschalisieren immer alles auf das extremste Beispiel .
    Es geht nicht nur um endotracheale Intubation, Thoraxpunktion und Notkoniotomie…..
    Ich habe in meinem vorherigen Beitrag die Analgesie durch Notsan angeschnitten.
    Aber anstatt auf meine Fragen mit sinnvollen Argumenten einzugehen, werden sie beleidigend und machen so einen Rückzieher.
    Am Anfang dachte ich, dass man mit ihnen normal und sachlich diskutieren kann.

    Aber zum Schluss möchte ich noch sagen, dass dieses Thema immer mehr zur Sprache kommt und wenn wir den Rettungsdienst modernisieren und verbessern wollen, dann müssen die Notsan gezwungenermaßen mehr Kompetenzen bekommen .
    Denn einen Pat. 20 Min oder länger mit stärksten Schmerzen liegen lassen, obwohl der Rettungsdienst vor Ort ist, das ist für mich keineswegs ein guter und moderner Rettungsdienst .

    Trotzdem meinerseits liebe Grüße

    Ralf

  9. Immer wieder die gleichen, regurgitierten Pseudoargumente. Immer die gleichen unbelegten Behauptungen, über angeblich unterversorgte Pat. und angeblich fehlende Notärzte. Und immer die gleichen phantasievoll zusammenkonstruierten Fälle, in denen ärmsten Patienten schlimmstes wiederfährt, weil angeblich …

    Sie haben noch immer nicht erklärt, wie NotSans, die weniger Erfahrung und Praxis mit 1c-Maßnahmen haben als Ärzte, denn darin angeblich besser sein sollen? Wie soll das gehen? Bessere Befähigung von Geburt an? Tägliche Dosis „Stein der Weisen“ im Morgenkaffee? Wo bitte soll diese Befähigung und vor allem das im Gesetz geforderte „Beherrschen“ der Maßnahme denn herkommen? Und „Beherrschen bedeutet nicht einfach nur machen, sondern auch mit Komplikationen umgehen können und einen Plan B und Plan C besitzen und auch diese sicher „beherrschen“.

    Und dann noch zu ihrem „Aber zum Schluss möchte ich noch sagen, dass dieses Thema immer mehr zur Sprache kommt …“ ein kurzer Reality-Check:

    360.000 Ärzte in der BRD vs. 130.000 RD-Mitarbeiter, davon nicht einmal die Hälfte NotSans.
    Dutzende große Bundesverbände der Ärzte vs. den DBRD mit seinen gewaltigen 9500 Mitgliedern.
    Dann die böse Lobbyschaft der Ärzte bedenken.
    Und jetzt am Ende überlegen, wer sich wohl durchsetzen wird.

    Schönen Tag noch!

    Michael Riediger
    Notarzt

  10. Ich merke wie viele Notärzte wir haben, wenn ich mir mal ansehe wie oft die Nefs bei uns a.D waren.
    Funktioniert ja echt hervorragend.
    In der Großstadt wird es wohl anders sein, aber hier sind es keine Behauptungen und das wissen sie ja wohl ganz genau.
    Die 1c Maßnahmen können alle erlernt werden , denn wie gesagt ist es bei den Häusern in unserem Rd. Bereich absolut kein Problem .

    Wie oft machen denn die Notärzte bei ihnen eine Entlastungspunktion präklinisch ??
    Jeden Tag fünf ????

    Wie sie ja dann wohl an den Zahlen bemerkt haben, sind es ja schon einige mehr als in den ganzen Jahren zuvor .
    Dazu kommen noch Die Ärzte die einsichtig sind und einige Maßnahmen abgeben würden um das Nef für wirkliche Notfälle freizuhalten bevor die Notsan dort auf sich alleine gestellt sind .
    Und es werden mehr und mehr ……

    Grüße

    Ralf

  11. Das stimmt wohl.
    Analgesie , Glucose gabe bei der hypoglykämie , Apoplex und Blutdrucksenkung bei hypertensiven Pat. alleine durch den Notsan abgearbeitet ist ein großer Fortschritt für uns.

    1. Ignorieren sie meinen Sarkasmus oder verstehen sie ihn nicht? Ich denke ersteres, denn ich halte sie nicht für so doof, das letzteres zuträfe. In jedem Falle: „Gähn“

  12. Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Rettungsdienst,
    mit meinem Kommentar vom August diesen Jahres habe ich die kontroverse Diskussion eröffnet und möchte sie, nachdem Kollege Riedinger sie als beendet erachtet, mit ein paar Zeilen beschließen.
    Zu meiner Aussage, dass die Etablierung des Notfallsanitäters ein Politikum war und ist, stehe ich auch heute. Wer die politische Debatte im bayer. Landtag zum NfS-Gesetz mitverfolgte, konnte unschwer den Tenor der finanziellen Einsparungen auf der Notarztebene heraushören.
    Auch andere Gebiete ärztlichen Tuns werden wohl bald von nichtärztlichen Berufsgruppen besetzt werden. Hier sei an den neu geschaffenen Physician Assistant oder die nichtärztliche Praxisassistentin in der Hausarztpraxis gedacht. Der Trend geht auch dahin, bestausgebildete Notfallmediziner in einem Zentrum vorzuhalten und bei Bedarf nachzufordern oder mittels Telemetrie in das Geschehen einzubinden (s. Modell Straubing). Dies erfordert auf der Ebene des Rettungsdienstpersonals vor Ort verständlicherweise „Profis“. Eben den NotSan.
    Zunächst als Witz aufgefasst, in NRW wohl schon Wirklichkeit, ist die Tatsache, dass Apotheker in ihrer Offizin impfen sollen. (Das hieße, dass wir HÄ im Umkehrschluss das Dispensierrecht, wie es die altvorderen Hausärzte noch hatten, einfordern). Fazit ist jedoch, dass mehr und mehr versucht wird, den Arztvorbehalt auszuhöhlen. Dieses Bestreben wird dann meistens mit Ärztemangel und Entlastungsangeboten an die Ärzteschaft verbrämt.
    Zur Frage der Hausärzte im Notarztdienst: In meinem ländlichen Raum(Oberbayern), in dem ich als Hausarzt niedergelassen war, stand und fiel die notärztliche Versorgung mit den Hausärzten. Anästhesisten und Chirurgen standen nur in den Klinikstandorten Garmisch und Murnau als Notärzte zur Verfügung. Auf dem breiten Lande rekrutierte sich der Notarztdienst in Nebentätigkeit zu 80-90% aus Niedergelassenen. Heute ist dies besser, es helfen doch viele Krankenhausärzte gerne aus. Teilweise waren und sind wir als Außennot-ärzte ermächtigt und dann totale Einzelkämpfer.
    Zu den invasiven Interventionen sei gesagt, dass sie sich für meine Person und viele meiner Kolleg*innen auf den Besuch diverser Skill-Trainings-Workshops während Notärztetagungen reduzierte. In meinem Berufs-leben habe ich während meiner Weiterbildung zum Arzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin zwei Koniotomien unter intensivmedizinischen Bedingungen und unter der fachlichen Anleitung eines operativ tätigen HNO-Belegers vorgenommen. Später folgten diverse „Schweinegurgeln“ zum Skill-Erhalt. Eine Thoraxdrainage musste ich in mehr als 40 Jahren NA nie vornehmen. Die Intubation, der zentrale Venenzugang, die i.o.- Punktion, Geburtshilfe im RTW etc. waren Maßnahmen, die doch öfters im Notarzt-alltag zu leisten waren.
    Zum Schluss möchte ich an alle Beteiligten appellieren sich doch um ein gedeihliches Miteinander zu bemühen. Jeder auf seinem Platz leistet anerkennenswert Vieles zum Wohle unserer Notfallpatienten.
    Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
    R.H.

    1. Lieber Kollege Hoffmann,

      meine Formulierung „… breche ich die Diskussion ab …“ beendet nicht die Diskussion anderer Teilnehmer hier, wie könnte sie auch? Es war eine klar an den Diskussionsteilnehmer „Ralf“ gerichtete Aussage, dass ich die unproduktive Diskussion mit ihm beende.

      Dass die Einführung des NotSans ein Politikum war (und bleibt), ist unzweifelhaft.

      Sie beschreiben im weiteren die Situation in sehr dünn besiedelten, oft grenznahen Gebieten, wobei diese für die restlichen 75% der BRD mit mittlerer und hoher Bevölkerungsdicht so nicht gilt. Dies wird leider gerade durch eine unsachlich, dafür aber oft umso schriller diskutierende Minderheit der NotSans in solchen Diskussionen oft falsch dargestellt und als Todschlagsargument eingesetzt – stets ohne Belege zu liefern. Besonders lustig finde ich, wenn NotSans für die Übernahme von ärztlichen Maßnahmen kämpfen, dabei aber den bestehenden Mangel an NotSans in vielen Regionen geflissentlich übersehen.

      Was den „Notarztmangel“ angeht, so hatten und haben manche Standorte zweifelsfrei einen Mangel, der aber meist hausgemacht ist und sich leicht beheben ließe. Wie meine langjährige berufliche Erfahrung als Notarzt mir aufgezeigt hat, ist ein Notarzt“mangel“ meist dadurch bedingt, dass die Notärzte schlecht bezahlt werden und sich besser bezahlte Standorte suchen oder dass die Organisationsstrukturen vor Ort einfach schlecht sind und deswegen keine Notärzte zusammen bekommen.

      Ich bin selber Mitglied einer großen Gesellschaft von Notärzten, die mit 250 aktiven Notärzten derzeit knapp 20 NA-Standorte mit Notärzten besetzt (Tendenz deutlich wachsend). Bei terminlichen Problemen von unseren Notärzten (Dienstplanänderungen, Erkrankungen) findet sich meist in Minuten ein Ersatz (Diensttausch über Chatgruppe), Ausfälle gibt es in der Größenordnung von 0,02 %. Dies ist etwas, was kleine Notarztgruppen so meist nicht leisten können.

      Wenn manche Notarztgruppen mal aus ihrem Klein-Klein rauskämen und sich zusammentäten, anstatt sich oft genug als Konkurrenz zu empfinden, wäre m.E. eine stabilere Versorgung von Standorten möglich und größere Gruppen hätten es vermutlich auch leichter, attraktivere Vergütungen durchzusetzen, die es dann wiederrum einfacher machen, weitere Notärzte zu rekrutieren. Und größere Gruppen ließen sich auch leichter und kosteneffizienter in Rechtsformen wie z.B. GmbH oder eG organisieren, was es Notärzten, die nur als Honorarkräfte ohne Festanstellung irgendwo arbeiten, ermöglichen würde, ohne Verfolgung durch die DRV wegen angeblicher „Scheinselbständigkeit“ zu arbeiten. Auch dies würde einer Gruppe neue Notärzte zutreiben.

      Mit freundlichen Grüßen

      Michael Riediger
      Notarzt

  13. Sehr geehrter Herr Hoffmann,

    vielen Dank für ihre tollen Worte .
    In unserem Versorgungsgebiet ist es leider so, dass ein Rtw und ein Nef zur Verfügung steht .
    Das Nef ist leider zu häufig mit anderen Rtw im Einsatz gebunden, sodass der Rtw sehr oft bei Notfalleinsätzen steht.
    Dadurch dass wir keine Regelkompetenzen bekommen, werden die Pat. unterversorgt in ein Krankengaus transportiert , oder der Pat. bleibt so lange liegen bis ein Nef eintrifft.
    Ein eintreffen des Nef dauert in den meisten Fällen länger als ein Teansport in das nächste Krankenhaus, weshalb die Pat. leider zu oft unterversorgt eingeladen und transportiert werden .

    Wie die meisten bestimmt bemerkt haben, hat es etwas von „Load and go“ aus der frühen Rettung in den Usa.
    Wobei die Kollegen in den Usa sehr viel weiter als wir sind und in den meisten Bundesstaaten einen hervorragenden Rettungsdienst haben .

    Es geht hier sicher keinem um irgendjemanden zu ersetzen.
    Es geht uns auch nicht darum die extremsten Maßbahmen alleine durchzuführen.
    Es geht uns einfach nur darum, die einfachen invasiven Maßnahmen in Form einer Regelkompetent zu bekommen und das Nef nicht zu jedem unnötigen Einsatz zu entsenden.

    Liebe Grüße

    Ralf

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