Energydrinks in der Notfallmedizin

Ein Beitrag von PD Dr. Jürgen Knapp, Bern/Schweiz:

Energydrinks werden heutzutage freizügig konsumiert. Die entsprechenden möglichen Folgen müssen daher antizipiert werden. Jetzt liegt eine interessante Arbeit zu diesem Thema vor:

Shah SA et al. Impact of High Volume Energy Drink Consumption on Electrocardiographic and Blood Pressure Parameters: A Randomized Trial. J Am Heart Assoc. 2019;8:e011318. DOI: 10.1161/JAHA.118.011318 

  • randomisierte kontrollierte, doppelt verblindete, Placebo-kontrollierte Cross-over-Studie
  • 34 gesunde Freiweillige, insbesondere mit normaler QT-Zeit, ohne arteriellen Hypertonus, ohne Dauermedikation
  • die Probanden konsumierten an drei aufeinanderfolgenden Tagen in randomisierter Reihenfolge täglich 950 ml eines Energydrinks A, eines anderen Energydrinks B und eines Placebo-Getränks. (Konsum innerhalb von 1 Stunde)
  • zwischen den einzelnen Testphasen wurden jeweils „wash-out“ Phasen von mindestens 6 Tagen eingehalten
  • die beiden Energydrinks enthielten die auch in Deutschland übliche Menge von 32 mg Koffein pro 100 ml, Taurin und Glucuronolacton
  • 12-Kanal-EKG und nicht-invasive Blutdruckmessung an den Studientagen vor Konsum des Getränks und halbstündlich für 4 Stunden nach dessen Konsum
  • primärer Endpunkt: korrigierte QT-Zeit (QTc)
  • sekundärer Endpunkt: u.a. Blutdruck

 Ergebnisse:

  • die durchschnittliche maximale Zunahme der QTc-Zeit betrug nach Konsum des Energydrinks A 18 ± 14 ms, nach Konsum des Energydrinks B 20 ± 16 ms und nach Placebo 12 ± 11 ms (p=0,005)
  • der durchschnittliche Anstieg des systolischen Blutdrucks betrug nach Konsum des Energydrinks A 16 ± 5 mmHg, nach Konsum des Energydrinks B 14 ± 5 mmHg und nach Placebo 10 ± 5 mmHg (p<0,001)
  • der durchschnittliche Anstieg des disatolischen Blutdrucks betrug nach Konsum des Energydrinks A 10 ± 4 mmHg, nach Konsum des Energydrinks B 10 ± 5 mmHg und nach Placebo 6 ± 4 mmHg (p<0,001)

Fazit:

  • der Konsum von Energydrinks verlängert bei gesunden Probanden signifikant die QTc-Zeit und steigert den Blutdruck
  • dies könnte insbesondere bei kardial oder kardiovaskulär vorerkrankten Patienten (z.B. long QT-Syndrom, arterieller Hypertonus) oder gleichzeitiger Einnahme von QTc-Zeit verlängernden Medikamenten (z.B. Antidepressive, insbesondere Citalopram, Antibiotika, insbesondere Chinolone und Cotrimoxazol, sowie Antipsychotika) zu kritischen Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes, ventrikuläre Tachykardie) führen.

Weitere für die Notfallmedizin relevante Krankheitsbilder und Symptome, die mit dem Konsum von Energydrinks in Verbindung stehen, sind übersichtlich in folgender systematischer Übersichtsarbeit zusammengefasst:

Knapp J et al. Energydrinks in der Notfallmedizin – verleihen nicht nur Flügel. Notfall Rettungsmed 2018 · 21:383–394 https://doi.org/10.1007/s10049-017-0386-3

Wir haben diesen Artikel bereits auf news-papers.eu zusammengefasst: LINK

Und weisen in einem anderen Post auf weitere Informationen hin: LINK

 

LIFEMED 2019 am 08.-09.11.2019 in Leipzig

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