Cool! Neue Definitionn der Schockformen …

Thomas Standl und Kollegen gehen in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt dem Versuch nach die bisherigen Schockformen reformiert zu beschreiben: Ein besonders lesenwerter Artikel und eine tolle Zusammenfassung:

Standl T, Annecke T, Cascorbi I, Heller AR, Sabashnikov A, Teske W: The nomenclature, definition and distinction of types of shock. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 757–68. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0757

Allen Schockformen ist ein gravierendes Missverhältnis von O2-Angebot und O2-Bedarf gemeinsam. Vorgestellt werden eine neugestaltete und klinisch orientierte Systematik der verschiedenen Schockformen und deren therapeutische Implikationen.

Klassifikation der Schockformen

  • hypovolämischer Schock (27%)
  • distributiver Schock (59%)
  • kardiogener Schock (13%)
  • obstruktiver Schock (1%)

Hypovolämischer Schock: 

  • Derhypovolämische Schock ist ein Zustand unzureichender Durchblutung von Organen.
  • Es resultiert eine kritisch verminderte kardiale Vorlast und eine Reduktion von Makro- und Mikrozirkulation mit negativen Folgen für den Gewebestoffwechsel und Auslösung einer Entzündungsreaktion. aufgrund eines meist akuten intravasalen Volumenverlustes.
  • Hypovolämischer Schock im engeren Sinne und traumatischhypovolämischer Schock weisen relevante Flüssigkeitsverluste ohne Blutung auf.
  • Die typische Ursache des traumatisch-hypovolämischen Schocks sind großflächige Verbrennungen, Verätzungen und tiefreichende Cutisläsionen.
  • Die multidisziplinäre Therapie umfasst die zeitnahe Stabilisierung der Gerinnung mittels Gerinnungsfaktoren entweder in Form von Einzelfaktoren oder als Fresh Frozen Plasma (FFP) sowie die chirurgische Vermeidung weiterer Blutverluste.

Distributiver Schock:

  • Der distributive Schock stellt eine relative Hypovolämie infolge einer pathologischen Umverteilung des absoluten intravasalen Volumens dar. Er stellt die häufigste Schockform dar.
  • Septischer Schock: Eine Sepsis ist nach den aktuell gültigen Sepsis-3-Kriterien als fehlregulierte Körperantwort auf eine Infektion mit lebensbedrohlichen Organdysfunktionen definiert. In Deutschland erkranken etwa 280 000 Patienten pro Jahr an einer Sepsis, die Inzidenz steigt jährlich um 5,7 %, die Letalität ist im Zeitraum von 2007 bis 2013 von 27,0 % auf 24,3 % gesunken. Rund 35 % dieser Patienten erleiden einen septischen Schock.
  • Anaphylaktischer und anaphylaktoider Schock: Der anaphylaktische Schock ist eine Histamin-vermittelte massive Vasodilatation und Verteilungsstörung, die durch eine Verschiebung von intravasalem Volumen nach extravasal gekennzeichnet ist. Klinische Bild:  Es variiert interindividuell stark je nach Dosis und Eintrittsort des Antigens und dem Grad der Sensibilisierung. Initial können Hauterscheinungen, abdominale Symptome oder auch respiratorische Beschwerden im Vordergrund stehen.
  • Neurogener Schock:  Beim neurogenen Schock handelt es sich um eine Imbalance zwischen sympathischer und parasympathischer Regulation der Herzaktion und der Gefäßmuskulatur. Im Vordergrund steht eine ausgeprägte Vasodilatation mit relativer Hypovolämie bei zunächst unverändertem Blutvolumen.

Kardiogener Schock:

  • Der kardiogene Schock ist eine primär kardiale Funktionsstörung mit kritischer Verminderung der kardialen Pumpleistung, verursacht durch eine systolische oder diastolische Funktionsstörung mit Verminderung der Auswurfleistung oder Beeinträchtigung der ventrikulären Füllung.
  • Zu den führenden Symptomen des kardiogenen Schocks gehören Agitiertheit, Bewusstseinstrübung, kühle Extremitäten und Oligurie. Die Mortalität der Patienten im kardiogenen Schock wird in der Regel durch hämodynamische Instabilität, Multiorganversagen und systemische Inflammation verursacht.

Obstruktiver Schock

  • Der obstruktive Schock ist ein Zustand, der durch die Obstruktion großer Gefäße oder des Herzens selbst verursacht wird. Obwohl er in der Symptomatik dem kardiogenen Schock ähnelt, muss er wegen seiner hiervon grundsätzlich abweichenden Therapieansätze klar von diesem abgegrenzt werden.
  • Die Pathophysiologie des obstruktiven Schocks kann nach der Lokalisation im Gefäßsystem in Bezug zum Herzen eingeteilt werden.
  • Der obstruktive Schock muss unverzüglich und ursächlich therapiert werden. Dazu können einfache entlastende Lagerungsmaßnahmen beim cavalen Kompressionssyndrom oder die Adjustierung der Beatmung bei zu hohen PEEP-Niveaus ausreichen.

Lesen Sie den ganze Artikel im Deutschen Ärzteblatt: PDF.

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