Videolaryngoskopie in der prähospitalen Notfallmedizin

Videolaryngoskopische Intubation

Ein Beitrag von PD Dr. Jürgen Knapp, Schweiz:

Erneut ist eine Arbeit zum Nutzen der Videolaryngoskopie in der prähospitalen Notfallmedizin erschienen:

Maissan I et al. The impact of video laryngoscopy on the frst‑pass success rate of prehospital endotracheal intubation in The Netherlands: a retrospective observational study. Eur J Trauma Emerg Surg 2022.

Sie kann als “open access”-Arbeit unter folgendem Link aufgerufen werden: https://doi.org/10.1007/s00068-022-01962-7

Sie zeigt eindrücklich – wie bereits andere Arbeiten zuvor -, dass insbesondere die in der trachealen Intubation weniger gut trainierten Anwender vom Einsatz der Videolaryngoskopie profitieren und damit sowohl einen besseren first pass success (FPS) als auch eine höhere Gesamterfolgsrate in der trachealen Intubation erzielen. Was die Studie allerdings auch zeigt, ist, dass der FPS je nach Anwender auch mit Videolaryngoskopie nur zwischen 65 und 87% liegt, was den weiteren Ausbildungsbedarf unterstreicht. Gemäß den Ergebnissen dieser Studie lag der Tubus, wenn der Patient bei Ankunft der RTH-Crew bereits intubiert war, bei Patienten, die aus internistischen Gründen reanimationspflichtig waren, im Gesamtkollektiv der Patienten (also direkte und Videolaryngoskopie) in 16% der Fälle nicht in der Trachea, bei traumatischen Herz-Kreislauf-Stillstand sogar in 32%! Wenn man nur das Kollektiv der Patienten betrachtet, die vor Eintreffen des RTH mit Videolaryngoskopie intubiert wurden, gab es bei „internistischen Reanimationspatienten“ keine Fehlintubation, bei Trauma-Reanimation dagegen war die Rate der Fehlintubationen mit 38% mit Videolaryngoskopie sogar höher als mit direkter Laryngoskopie (31%).

Was können wir aus dieses Studie mitnehmen?

  • die Videolaryngoskopie bietet deutliche Vorteile hinsichtlich des Intubationserfolgs gegenüber der direkten Laryngoskopie
  • bei so niedrigen FPS-Raten (selbst mit Videolaryngoskopie) von wenig trainierten Anwendern wie in dieser Studie dokumentiert, sollten sich diese jedoch auf die Anwendung supraglottischer Atemwege konzentrieren
  • wenn bei bereits „intubierten“ Patienten (z.B. unter Reanimation) nicht sicher eine eindeutige Kapnometriekurve detektiert werden kann, muss eine erneute Laryngoskopie erfolgen

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