Es kommt doch auf die Länge an …

Wenzel CM et al. Evaluation of the ideal length of the Seldinger needle for internal jugular vein catheter placement. Sci reports 2022; 12: 2745 (PDF)

Die Anlage eines zentralen Venenkatheters (ZVK) in die Vena jugularis interna ist ein routinemäßiger
klinischen Eingriff. Die periprozedurale Komplikationsrate liegt zwischen 5 und 20 % und kann durch Ultraschallführung, Schulung von Assistenzärzten und andere Maßnahmen reduziert werden.

Die Autoren wollten nachweisen, dass die dass die durchschnittliche Seldinger-Nadel zu lang ist, was das Risiko einer periprozeduralen Verletzung erhöht, die sich am besten Verletzung/Reizung des Ganglion stellatum. Der erste Teil der Studie war eine Online-Marktanalyse zur Untersuchung der Standard-Nadellänge, die derzeit als Teil der ZVK-Platzierungssets angeboten wird. Der zweite Teil der Studie umfasste 35 hospitalisierte Patienten (14 weiblich; Durchschnittsalter 74,5 Jahre). Bei ihnen wurden der Abstand zwischen der Haut und der Vena jugularis interna sowie der Durchmesser der Vena jugularis interna per Ultraschall sowohl in Rückenlage als auch in 45° halb sitzender Position gemessen.

Im dritten – und hier nun detaillierter dargestellte Teil – der Studie wurden 80 Körperspender (45 weiblich; Durchschnittsalter 83,0 Jahre) untersucht, die mit der Ethanol/Formaldehyd-Methode konserviert worden waren. Bei diesen wurde der Abstand und der Winkel zwischen der typischen Landmarke für das Einführen der Seldinger-Nadel zur Platzierung des Jugularvenenkatheters und dem Ganglion stellatum gemessen. Die mediane [Interquartilsbereich] Seldinger-Nadellänge betrug 7 [4,0-10,0] cm. Bei den untersuchten Patienten betrug der maximale Abstand zwischen der Haut und der Vena jugularis interna 1,87 cm. Der Mindestabstand betrug 0,46 cm und der mittlere Abstand zwischen Rückenlage und 45°-Lage betrug 1,14 [0,94-1,31] cm. In Bezug auf die Körperspender war der mediane Abstand von der Einmündung der Vena jugularis interna zum Ganglion stellatum bei Männern 5,5 [4,95-6,35] cm länger als bei Frauen 5,2 [4,7-5,9] (p = 0,031 ungepaarter t-Test). Mit einer durchschnittlichen Länge von 7 cm ist die Seldinger-Nadel, die derzeit als Teil von ZVK-Sets verkauft wird, lang genug, um das Ganglion stellatum physisch zu erreichen, ganz zu schweigen von weiter proximal gelegenen Strukturen. Eine kürzere Nadellänge würde ausreichen, um die Vena jugularis interna auch bei übergewichtigen Patienten und mit einem kleinen Einstichwinkel zu erreichen und gleichzeitig die Möglichkeit minimieren schwere Verletzungen zu verursachen, da Strukturen wie das Rippenfell und das Sternumganglion mit kürzeren Nadeln nicht erreicht werden könnten.

Zusammenfassend postulieren die Autoren, dass eine kürzere Seldinger-Nadel für die Platzierung eines ZVK in die IJV ein umsichtiger Ansatz wäre, der eine sichere Positionierung des Führungsdrahtes ermöglichen und gleichzeitig das Risiko von verfahrensbedingten Verletzungen, wie die Verletzung des Ganglion stellatum, verringern würde. Darüber hinaus könnte durch die Verkürzung der Seldinger-Nadel um 2 cm oder mehr eine enorme Menge an medizinischem Stahl eingespart werden, wodurch begrenzte Ressourcen geschont würden. Bei Verwendung des Stahls 1.4301/X5CrNi18-10 würde die Verkürzung von 20 Millionen Seldinger-Nadeln um 2 cm etwa 2.100 kg Stahl pro Jahr einsparen.

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