Point of Care Diagnostik beim Kreislaufstillstand

Blutgasanalysen (BGA) sind bedingt durch die erforderlichen Geräte eine Ausnahme in der prähospitalen Notfallmedizin, dabei ist die unmittelbare und patientennahe (Point-of-Care[POC]-)  Bestimmung der BGA vielerorts Standard in der klinischen Akut- und Intensivmedizin.

Kollegen um Tobias Grübl und Clemens Kill haben bei 98 von 263 Patienten im prähospitalen Kreislaufstillstand eine meist venöse Blutprobe durch ein portables BGA-Gerät (Alere epoc®) an der Einsatzstelle analysiert und folgende Befunde erhoben:

62 Patienten hatten eine schwere Azidose (pH < 7.2 + BE < − 5 mmol/l)

Diese schwere Azidose war häufiger bei Patienten mit unbeobachtetem Kollaps nachzuweisen (76% vs. 54%; p = 0.054).

61 dieser Patienten wurden mit Na-BiCarbonat gepuffert.

Bei 17 Patienten konnten deutliche Abweichungen des Kaliumspiegels ermittelt werden.

Dabei zeigten Patienten mit Hypokaliämie initial häufiger einen defibilierbaren Herzrhythmus, während Patienten mit einem nicht-defibrillierbaren Herzrhythmus häufiger einer Hyperkaliämie aufwiesen.

14 Patienten mit Hypokaliämie wurde prähospital Kaliumchlorid appliziert; die Patienten mit Hyperkaliämie wurden prähospital nicht therapiert.

Im Durchschnitt wurde die gesamte prähospitale Versorgungszeit durch POC-BGA nur 6 Minuten verlängert (60 vs. 54 Minuten).

Insgesamt überlebten bis zur Krankenhausentlassung 21 % der Patienten; dabei konnte ein Unterschied für die Patienten mit POC-BGA gegenüber den Patienten ohne POC-BGA gesehen werden (mit POC-BGA 30% vs. ohne POC-BGA 16%, p = 0.01).

Der gesamte Beitrag ist im Scandinavian Journal of Trauma Resuscitation and Emergency Medicine (SJTREM) open access nachzulesen.

Gruebl, T., Ploeger, B., Wranze-Bielefeld, E., Mueller, M., Schmidbauer, W., Kill, C., Betz, S.

Point-of-care testing in out-of-hospital cardiac arrest: a retrospective analysis of relevance and consequences

Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine 2021; 29: 128

Insgesamt sind die Fallzahlen noch zu gering, um diese Ergebnisse nachdrücklich zu bewerten. Allerdings lässt sich vermuten, dass mit technisch einfacheren Möglichkeiten Kalium, pH und Basendefizit an der Einsatzstelle zu bestimmen, die Anwendung zunehmen könnte und Patienten davon profitieren würden.

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