Radialiskatheter bei Säuglingen

Ein Beitrag von PD Dr. Jürgen Knapp, Bern/Schweiz: 

In Anesthesiology wird im Juli eine sehr schöne und praxisrelevante Studie zur Anlage eines Radialiskatheters bei Säuglingen zur invasiven Blutdruckmessung erscheinen.

Jang YE et al. Subcutaneous Nitroglycerin for Radial Arterial Catheterization in Pediatric Patients. A Randomized Controlled Trial. Anaesthesiology 2020; DOI: 10.1097/ALN.0000000000003308

Der Artikel kann „open access“ unter oben genannter DOI heruntergeladen werden.

Die Anlage einer invasiven Blutdruckmessung in die A. radialis bei Säuglingen oder Kleinkindern ist aufgrund des geringen Gefäßdurchmessers recht anspruchsvoll. In der Studie wurde nun untersucht, ob man sich durch die subkutane Injektion von Nitroglycerin im Bereich der Punktionsstelle die Arbeit erleichtern kann.

Das Studiendesign kurz zusammengefasst:

  • doppel-blinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte Single-Center-Studie
  • insgesamt wurden n=113 pädiatrische Patienten im Alter <2 Jahre randomisiert
  • bei n=57 Patienten wurde im Bereich der Punktionsstelle subkutan 0,5 ml einer Lösung injiziert, die 0,5 µg/kg Nitroglycerin enthielt
  • bei n=56 Patienten wurde 0,5 ml NaCl 0,9%-Lösung injiziert
  • 3 min später wurde ultraschallgesteuert die A. radialis punktiert

Ergebnisse:

  • das mediane Alter der Patienten betrug ca. 6 Monate, das mittlere Gewicht ca. 7,5 kg
  • in der Nitro-Gruppe war der Erfolg im ersten Versuch deutlich höher als in der Placebo-Gruppe: 91,2 vs. 66,1%, p=0,002
  • der Durchmesser der A. radialis nahm in der Nitro-Gruppe nach Injektion um 25,0%±19,5% zu, dagegen nicht in der in der Placebo-Gruppe (1,9±13,1%).
  • die Komplikationsrate (Hämatome, Vasospasmen) war in der Nitro-Gruppe mit 3,5% deutlich geringer als in der Placebo-Gruppe mit 31,2%, p=0,001

Fazit:

Mit diesem einfachen und wenig invasiven Trick lassen sich offenbar Trefferrate und Komplikationsrate bei der Anlage des Radialiskatheters in pädiatrischen Patienten deutlich verbessern.

Anmerkung:

Unter Notfallbedingungen – im Schockraum beispielsweise – ist bei Säuglingen natürlich die Punktion der A. femoralis zur invasiven Blutdruckmessung sehr geeignet und wird in den meisten Fällen aufgrund des größeren Durchmessers und der damit deutlich einfacheren „Punktierbarkeit“ bevorzugt werden. Im perioperativen Umfeld, insbesondere in der Kardioanästhesie oder Kinderorthopädie, dagegen muss sehr häufig die A. radialis zur Blutdruckmessung verwendet werden.

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