Verbesserung der ZNA-Performance durch Team-Triage?

image2Das Ziel des Patientenmanagements in einer Zentralen Notaufnahme ist die bestmöglichste medizinische Versorgung in der kürzestmöglichen Zeit, auch unter den häufig anzutreffenden suboptimalen Bedingungen wie einem hohen Patientenaufkommen und reduzierten personellen und infrastrukturellen Ressourcen, effektiv durchzuführen.

Kein Wunder also, dass es zahlreiche Untersuchungen gibt, wie man die medizinische Versorgung, die Wartezeit der Patienten, die Patientenverweildauer und die gesamten Prozesse in einer Zentralen Notaufnahme verbessern kann. Juliane Lauks und Kollegen aus der Notaufnahme des Universitätsspital Basel gingen nun genau dieser Frage nach:

Lauks J, et al. Medical Team Evaluation: Effect on Emergency Department Waiting Time and Length of Stay. PLOS ONE 11(4):e0154372. doi:10.1371/journal.pone.0154372 (PDF)

Ein wichtiger Ansatzpunkt in diesem gesamten Prozessgeflecht ist die Triage, oder wie wir es nennen Ersteinschätzung der Patienten, also die Festlegung der Behandlungsdringlichkeit bei fußläufig Patienten („working emergencies“). Die Baseler Kollegen führte eine Prä- und Postinterventionsstudie (jeweils 5 Monate, ESI gemachted, jeweils n=13120) und änderten das Management wie folgt:

  • In der ersten Beobachtungsphase wurde die Patienten administrativ erfasst und dann einer selbstständig arbeitenden Triage-Pflegekraft zugeführt, die das Leitsymptom und den ESI (Emergency Severity Index) erfasste. Patienten mit einem ESI 2 wurden sofort auf eine Behandlungsplatz überführt und Patienten mit einem ESI von 3-5 wurde dem Wartebereich zugeführt, mit einer medizinischen Behandlung sobald ein Arzt Zeit hatte und Behandlungskapazitäten bestand.
  • Im zweiten Beobachtungszeitraum wurde das Triageprocedere dahingehend geändert, dass die Triage in einem Team aus einer Triagespflegekraft und einem erfahrenen Notfallmediziner stattfand. Der Notfallmediziner  führte eine Kurzanamnese durch und konnte unmittelbar Untersuchungsanordnungen veranlassen, bei nicht-dringlichen Patienten (ESI 5) wurde dann auch unmittelbar eine Entlassung nach Initialtherapie möglich.

Die Baseler Kollegen fanden für die Team-Triage (Arzt+Schwester) im Vergleich zur alleinigen Triage durch eine Pflegekraft eine kürze Wartezeit der Patienten („door-to-doctor-time“, vorher vs. nachher: 41 vs. 10 min, p<0,01). Eine signifikante Reduktion der Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme wurde insbesondere für die nicht-dringlichen ESI 5 Patienten gefunden (vorher vs. nachher: 1,23 vs. 0,33 h, p<0,01), dies entspricht einer Reduktion der Wartezeit um 73%! Eine leichte Verlängerung der Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme wurde für die ESI 2-4 Patienten beobachtet (vorher vs. nachher: ESI 2: 4,35 vs. 4,57 h, ESI 3: 4,08 vs. 4,32 h, ESI 4: 2,10 vs. 2,40 h, alle p<0,01).

Cave: Die Untersuchungsergebnisse sollten jedoch nicht in dem Sinne interpretiert werden, dass eine alleine die Triage durchführende Pflegekraft „es nicht drauf hat“, sondern vielmehr, dass die Kombination einer speziell geschulten Pflegekraft mit einem erfahrenen Notfallmediziner an dieser wichtigen Schaltzentrale der Triage in einer Notaufnahme deutliche Vorteile bietet.


Lesen Sie die ganze Studie und die Details hier: (PDF)

3 thoughts on “Verbesserung der ZNA-Performance durch Team-Triage?

  1. Hmmm… Klingt zwar schon gut und nachvollziehbar – letztlich wirklich davon profitieren tun aber, wenn ich die Zahlen richtig verstehe, eigentlich nur die ESI5-Patienten, sprich die, die von vornherein falsch in der Notaufnahme sind, während es für alle anderen sogar zu einer Verlängerung der Wartezeit kam… Ob das wirklich Anreize sind, die man in Zeiten von ohnehin schon durch Hausarztpatienten überlaufenen Notaufnahmen setzen möchte?

    1. Sehr geehrter Herr Willamowski,
      sehr gut erkannt. Es profitieren in dieser Studie insbesondere die leicht erkrankten/verletzten Patienten. Auch wenn wir in ZNAs aktuell einen hohen Anteil dieser Patienten zu versorgen haben, und bisher keine guten Lösungsstrategien für diese Patienten (mit Ausnahme von MVZ, Hausarztpraxen etc.) bestehen, haben wir unabänderlich mit diesen Patienten zu tun. Diese Patienten sind aber für da Meinungsbild einer ZNA von hohem Interesse und die Personal- und Ressourcenbindung muss so kurz wie möglich gehalten werden. Die Kollegen haben genau dies hier aufzeigt, nämlich wie man Bindungszeiten reduzieren kann. Dies am besten dann auch mit einer kurzen Bindungszeit für alle andern Patientengruppen. Gute Argumente sich weiter intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Herzlichen Dank für Ihre Kommentar und mit besten Grüssen,

      Ihr

      Michael Bernhard

  2. Insbesondere auch unter dem Blickwinkel der sinkenden Erlöse für ambulante Patienten (4,73€ ab April 2017) suchen wir nach Lösungen die fehladressierte Patienten sicher und schnell der ambulanten Versorgung zuzufühen. Eine komplette Resource „Arzt“ in die Triage zu setzen wird nicht möglich sein. Es wird aber darauf hinauslaufen, daß die „blauen“ /ESI 5 Patienten bevorzugt ärtzlich abgearbeitet werden, um den troughput zu erhöhen und durch diese Patienten keine weiteren Resourcenverschwendung zu ermöglichen. Wie in der oben genannten Arbeit gezeigt, wird die Wartezeit der anderen Patienten dadurch verlängert. Ein Augenmerk muss deshalb auch auf die „gelben“ oder ESI 2 Patienten gelegt werden, um keine zeitkritischen Interventionen zu verpassen.

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