To ICU or not?

Zuletzt haben wir über die Arbeit von Solano aus Boston berichtet, der zeigte, dass 1% der Patienten aus der Notaufnahme „fehlerhaft“ auf Normalstation verlegt wurden und von dort binnen der ersten 24 Stunden auf eine Intensivstation weiter verlegt werden mussten.

Passend dazu untersucht eine Studie aus den Niederlanden welche Vitalparameter die Entscheidung zur primären Verlegung auf eine Intensivstation stützen könnten.

Boerma LM, Reijners EPJ, Hessels RAPA, van Hooft MAA. Risk factors for unplanned transfer to the intensive care unit after emergency department admission. The American Journal of Emergency Medicine, 2017 ahead of print. http://doi.org/10.1016/j.ajem.2017.03.019

Dazu wurden die Daten von 125 Patienten analysiert, die in den Jahren 2013 bis 2015 von der Notaufnahme zunächst auf eine Normalstation aufgenommen wurden, jedoch innerhalb von 24 Stunden auf eine Intensivstation verlegt werden mussten.

Die zu Grunde liegenden Diagnosen waren:

  • Sepsis (n = 27)
  • Schlaganfall (n = 28)
  • Pneumonie (n = 18)
  • COPD-Exazerbation (n = 16)
  • PAVK (n = 14)
  • cerebraler Krampfanfall (n = 12)
  • Blutung (n = 10)

Die häufigste Ursache für die Intensivtherapie waren respiratorische Insuffizienz (32%) und hämodynamischer Instabilität (28%). Die verlegten Patienten verglichen die Kollegen um Lena Boerma mit Patienten gleichen Alters und gleicher Diagnosen, bei denen keine Intensivverlegung notwendig wurde. Dabei wurden vorallem die Vitalparameter in der Notaufnahme betrachtet. Allerdings mussten die Kollegen bei Sichtung der Notaufnahmedokumentation feststellen das diese sehr lückenhaft war; so war die Atemfrequenz nur bei weniger als der Hälfte (42%) der Patienten dokumentiert, obwohl gerade diese beim kritisch kranken Patienten in der Literatur als wichtig erachtet wird.

In den Vergleichsgruppen ergab sich nur für die Hyperkapnie ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen ICU- und non-ICU-Patienten. 17 der später verlegten Patienten wiesen in der Notaufnahme einen paCO2 >45 mmHg auf, in der Vergleichsgruppe nur 5.

Für die anderen beobachteten Vital- und Laborparameter (Tachypnoe,  Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Blutdruck, Temperatur, pH, erhöhter Laktatspiegel und Leukozytenzahlen) konnten die niederländischen Kollegen nur in Subgruppen Unterschiede finden:

  • Tachypnoe (AF > 20/min) bei Sepsis
  • Hypoxie (SpO2 < 90 %) bei exacerbierter COPD

Insgesamt braucht es weitere multizentrische Untersuchungen mit größeren Fallzahlen, um solche Verlegungsindikatoren zu indentifizieren.


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