Gefühlt nehmen Patienten mit penetrierende Verletzungen durch Waffengewalt im deutschen Rettungsdienst und den Notfallaufnahmen zu.
Diese Wahrnehmung bestätigt nun eine Analyse von Daten aus dem Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), die jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde.
Störmann P, Schweigkofler U, Lefering R, Imach S, Bieler D
Stichverletzungen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen – eine 12-Jahres-Analyse der dokumentierten Schwerverletzten aus dem Traumaregister DGU
Methode:
Retrospektive Analyse aus dem TraumaRegister DGU (TR-DGU). Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten, bei denen in der Zeit von Januar 2013 bis Dezember 2024 eine schwere Stichverletzung mit Verdacht auf ein Gewaltverbrechen als Ursache dokumentiert wurde. Eingeschlossen wurden alle Patienten mit einer Mindestverletzungsschwere gemäß der sogenannten „Abbreviated Injury Scale (AIS)“ ≥ 3, sowie Betroffene mit einer Mindestverletzungsschwere gemäß AIS = 2, die entweder verstorben sind oder auf einer Intensivstation behandelt wurden.
Die Zahl der Krankenhäuser, die Daten zur Verfügung stellten, blieb während des Untersuchungszeitraums stabil und wies nur geringe Schwankungen auf.
Ergebnisse:
Die Zahl der schweren Stichverletzungen mit Verdacht auf ein Gewaltverbrechen stieg von 212 im Jahr 2013, dem niedrigsten Wert, auf 336 im Jahr 2024. Den höchsten Jahreswert gab es demnach 2023 mit 382 Betroffenen. Als Stichwaffen wurden neben Messern auch Schraubenzieher oder Eispickel verwendet.
Der Anteil an allen Fällen bleibt jedoch gering. Im Gesamtzeitraum wurden Daten von 291.752 Schwerverletzten dokumentiert. Davon fielen im Zwölf-Jahres-Zeitraum 3.664 (1,28 Prozent) in die Kategorie Stichverletzung und Verdacht auf Gewalttat.
Die Auswertung zeigt zudem, dass solche Verletzungen mit Stichwaffen besonders oft den Körperstamm, insbesondere Brust und Bauchraum betreffen und in 72 Prozent dringliche operative Maßnahmen erfordern.
Die Betroffenen unterscheiden sich demografisch deutlich vom Durchschnitt aller Schwerverletzten. Sie waren überwiegend jünger und zu 85,6 Prozent männlich. Zudem wurden regionale Unterschiede erkennbar. 8,2 % der Betroffenen Patienten versterben während der klinischen Versorgung.
Fazit:
Die hohe Rate von Notfalleingriffen unterstreich die besonderen Anforderungen an alle Beteiligten, Traumateams müssen interdisziplinär und interprofessionell auf die Versorgung solcher – wenn auch seltenen – Verletzungen vorbereitet sein.