Ein Gastbeitrag von Stefanie Maier, Ulm zur Anwendung und Wirksamkeit des Valsalva-Manövers bei supraventrikulärer Tachykardie in der prähospitalen Notfallversorgung
Die supraventrikuläre Tachykardie (SVT) ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Sie ist typischerweise durch das plötzliche Auftreten einer Schmalkomplextachykardie gekennzeichnet und kann Palpitationen, Schwindel, Dyspnoe, AP-Beschwerden und Synkopen verursachen.
Obwohl die meisten Episoden hämodynamisch stabil verlaufen, sind eine schnelle Diagnosestellung und Therapie wichtige Maßnahmen in der prähospitalen Notfallmedizin. Aktuelle internationale Leitlinien empfehlen ein Vagusmanöver als Erstlinienbehandlung für hämodynamisch stabile Patienten mit Verdacht auf SVT.

Die Evidenz aus klinischen Studien und Metaanalysen deutet darauf hin, dass das modifizierte Valsalva-Manöver, das eine Repositionierung nach der Anstrengung mit passiver Beinlagerung beinhaltet, die Kardioversionsraten im Vergleich zur Standardtechnik verbessern könnte. Allerdings sind die Daten aus der Praxis zur Anwendung und Wirksamkeit von Vagusmanövern im prähospitalen Rettungsdienst nach wie vor begrenzt.
Żuratyński et al. untersuchten die Anwendung und Wirksamkeit des Valsalva-Manövers bei der prähospitalen Versorgung von Patient:innen mit Verdacht auf Tachyarrhythmie, wobei der Schwerpunkt auf Fällen mit bestätigter SVT lag:
Żuratyński, P., Bytner, T., Kamińska, E.T. et al.
Use and effectiveness of the Valsalva maneuver for supraventricular tachycardia in prehospital emergency care: a retrospective cohort study.
Methoden
Es wurde eine retrospektive Kohortenstudie unter Verwendung der Rettungsdienstdokumentation der regionalen Rettungsleitstelle in Bydgoszcz, Polen, durchgeführt. Die Studie umfasste 93.847 Rettungsdiensteinsätze, die zwischen 2023 und 2024 durchgeführt wurden. Eine SVT wurde als regelmäßige Schmalkomplextachykardie (QRS <120 ms) definiert, die während der Rettungsdienstuntersuchung im EKG dokumentiert wurde.
Die Wirksamkeit des Valsalva-Manövers wurde wie folgt kategorisiert:
- anhaltende Konversion (Sinusrhythmus (SR) ≥ 10 Minuten aufrechterhalten)
- vorübergehende Konversion (anfängliche Konversion mit Rezidiv),
- keine Konversion.
Ergebnisse
Es wurden 235 Fälle identifiziert, die als unspezifische Tachykardie (ICD-10 R00.0) kodiert waren (133 Frauen (57%), 102 Männer (43%), davon lagen bei 206 Fälle EKG-Aufzeichnungen vor. Bei 71 Patienten (30,2 %) wurde eine SVT dokumentiert, unter diesen wurde das Manöver in 13 Fällen (18,3 %) versucht (klassisch n=6, modifiziert n=7). Bei Patienten ohne SVT wurden keine Versuche verzeichnet:
- eine anhaltende Umstellung auf SR trat bei 5 von 13 Patienten auf (38,5 %; 95 % KI 13,9–68,4 %), klassisch n=3 modifiziert n=2
- eine vorübergehende Besserung trat bei einem weiteren Patienten auf nach modifiziertem Valsalva-Manöver
- ein Transport in ein Krankenhaus erfolgte bei 11 der 13 Patienten (84,6 %), die das Valsalva-Manöver erhielten
- Von den 222 weiteren Tachykardie-Patienten (Nicht-SVT) wurden 194 Patienten in ein Krankenhaus transportiert (87,4 %)
Schlussfolgerung
Obwohl internationale Leitlinien das Valsalva-Manöver als Erstlinientherapie bei hämodynamisch stabiler SVT empfehlen, wurde es in dieser Rettungsdienstkohorte nur selten angewendet. Zudem hatte es keinen wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen bezüglich des Krankentransports. Es sind weitere prospektive, multizentrische Studien erforderlich, um die Anwendung von Vagusmanövern in der prähospitalen Versorgung zu bewerten.