S2k-Leitlinie „Behandlung thermischer Verletzungen des Erwachsenen“

Die aktuelle S2k-Leitlinie „Behandlung thermischer Verletzungen des Erwachsenen“ wird in diesem Artikel aus anästhesiologischer, notfallmedizinscher und intensivmedizinscher Sicht zusammengefasst. Die Leitlinie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin unter Beteiligung weiterer Fachgesellschaften und Interessenvertretungen erstellt und letztes Jahr in überarbeiteter Form bei der AWMF publiziert.

Kopp R et al. Behandlung thermischer Verletzungen des ErwachsenenUpdate der S2k-Leitlinie vom 01.02.2021. Anaesthesist 2022, https://doi.org/10.1007/s00101-022-01095-x

Die Leitlinie 2021 ist gegenüber der Vorgängerversion nahezu unverändert geblieben. Es wurden lediglich drei Empfehlungen neu aufgenommen:

  1. Grundsätzlich soll bei Kontakt mit Säure oder Laugen die Kleidung des betroffenen Körperareals entfernt und die Haut gründlich mit Wasser gespült und dekontaminiert werden. DIPHOTERINE® kann zur Anwendung nach Verätzungen erwogen werden.
  2. Brandverletzte Patienten mit Stromkontakt sollen für mindestens 24 h mit einem EKG-Monitoring überwacht werden, wenn initial ein Kreislaufstillstand und/ oder Bewusstlosigkeit und/oder ein pathologisches EKG vorgelegen hat.
  3. Lidocain in verschiedenen Präparationen (lokal, i.v.) kann zur Schmerzlinderung beitragen und kann zum Verbandwechsel eingesetzt werden.

Weitere Schlussfolgerungen sind: 

  • Ausgedehnte Verbrennungen insbesondere mit Inhalationstrauma, Beteiligung von Händen/Gesicht/Genitalen oder relevanten Begleitverletzungen/-erkrankungen gehören in ein Schwerbrandverletztenzentrum.
  • Präklinisch wie klinisch ist die Aufrechterhaltung der Normothermie essenziell.
  • Die Flüssigkeitssubstitution soll eher restriktiv und anhand von Algorithmen und physiologischen Zielparametern erfolgen.
  • Die Analgosedierung erfolgt bedarfsadaptiert und so kurz wie möglich.
  • Die Beatmung ist grundsätzlich lungenprotektiv mit einem frühzeitigen Weaning.
  • Von Anfang an ist auf eine ausreichende Kalorienzufuhr zu achten, die sich am erhöhten Bedarf bei Verbrennung orientiert (ca. 25–30 kcal/kgKG und Tag und ca. 1,5–2,0 g/kgKG und Tag Eiweißzufuhr).
  • Die Chirurgische Versorgung wird in mehreren Schritten je nach Verbrennungsgrad und -ausmaß sowie -lokalisation durchgeführt.

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