Nichttraumatologisch kritisch kranke Schockraumpatienten (OBSERvE2-Studie)

Das Management von nichttraumatologisch kritisch kranken Patienten im Schockraum einer Zentralen Notaufnahme ist sehr anspruchsvoll. Bisher fehlen aber detaillierte Daten, die die Patientencharakteristika und das Management dieser Population beschreiben. Das Ziel der OBSERvE2-Studie war es die Epidemiologie, das Management und das Behandlungsergebnis bei nicht-traumatologisch kritisch kranken Patienten im Schockraum zu beschreiben und mit einer vorangegangenen Untersuchung (OBSERVE 1) am gleichen Standort zu vergleichen.

Grahl C et al. Früher innerklinischer Verlauf kritisch kranker nichttraumatischer Patienten im Schockraum einer deutschen Notaufnahme (OBSERvE2-Studie). Anaesthesist 2021, online (PDF) Open access

Methoden:

  • Studiendesign: monozentrische prospektive Beobachtungsstudie
  • Studienlokalisation: universitäre Zentrale Notaufnahme (Universitätsklinikum Leipzig)
  • Einschlusskriterien:
    • erwachsene nichttraumatologisch kritisch kranke Patienten
    • zwei 1-Jahres-Intervalle: 09/2014-08/2015 vs. 09/2017-08/2018
  • Ausschlusskriterien:
    • Alter <18 Jahre
    • Trauma als führender Aufnahmegrund
  • Untersuchungsparameter:
    • Patientencharakteristika (Alter, Geschlecht, …)
    • prähospitale und innerklinische Maßnahmen (Atemweg, Zugänge, …)
    • Aufnahmezustand (Vitalwerte)
    • Zeitintervalle für Diagnostik und Interventionen (Übergabe, 12-Kanal-EKG, venöse und arterielle Zugänge, …)
    • Behandlungsergebnis (Verweildauer in der ZNA, Intensivaufnahme, 30-Tagesletalität, …)

Ergebnisse:

  1. Studienjahr (Ergebnisse in EJEM publiziert) vs. 2. Studienjahr:
  • Gesamtpopulation n=34.303 vs. n=35.039 Patienten
  • nichttraumatologisch kritisch kranke Schockraumpatienten n=532 (1,6%) vs. n=457 (1,3%)
  • männlich: 58 vs. 59%
  • Alter: 68±17 vs. 65±17 Jahre
  • Ende des Schockraummanagements: 53±33 vs. 41±24 min (p<0,0001)

Erkrankungsspektrum:

  • tiefe Atemwegsinfektionen: 10,9 vs. 12,7%
  • akuten Myokardinfarkt: 9,2 vs. 10,1%
  • Herzinsuffizienz: 7,9 vs. 6,6%
  • intrakranielle Blutungen: 7,3 vs. 9,6%
  • Intoxikationen: 7,3 vs. 8,1%
  • Krampfanfälle: 6,6 vs. 7,7%
  • zerebrale Ischämie: 6,2 vs. 4,6%
  • Patienten mit prähospitaler Reanimation: 21,1 vs. 22,1 %

Behandlungsergebnis:

  • 30-Tage-Gesamtletalität aller Patienten war vergleichbar: 34,0 vs. 36,3%
  • 30-Tage-Gesamtletalität der reanimierten Patienten war vergleichbar: 72,7 vs. 79,2%
  • 30-Tage-Gesamtletalität der nicht-reanimierten Patienten war vergleichbar 24,0 vs. 24, 2%

Schlussfolgerung:

  • Die OBSERvE2-Studie zeigt reliable Ergebnisse zur OBSERvE1-Studie (EJEM 2018). D.h. die Beobachtung des Managements kritisch kranker nicht-traumatologischer Schockraumpatienten zeigt im Vergleich beider Studienzeiträume sehr gut vergleichbare Ergebnisse. Dies ist wichtig um zu beweisen, dass in der OBSERvE1-Studie sinnvolle Ergebnisse erhoben wurden.
  • Ein vergleichbarer Anteil nichttraumatischer kritisch kranker Patienten (1,6 vs. 1,3%) war in beiden Studienzeiträumen im Schockraum behandelt worden.
  • Damit wurde vergleichbar viele Trauma wie Non-Traumapatienten in der Notaufnahme im Schockraum versorgt.
  • Hauptgrund für die Aufnahme im Schockraum C>D>B>A-Problem.
  • Alarmierungskonzept hat sich als sinnvoll bestätigt, nur 0,1% der Patienten wiesen während des Aufenthaltes in der Notaufnahme eine Verschlechterung auf, die eine sekundäre Aufnahme im Schockraum notwendig machten.
  • Die 30-Tage-Überlebensrate bei reanimierten Patienten mit 24,0% und 24,1% stand im Einklang mit früheren Untersuchungen.
  • Strukturierte Richtlinien zum Management kritisch kranker nichttraumatologischer Schockraumpatienten können vergleichbare Ergebnisse in einer Institution liefern.

Lesen Sie weitere Details der OBSERvE-2 Studie hier: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00101-021-00962-3.pdf

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