NaCl vs. Balancierte Infusionslösung: Infografik by Anesthesiology

In der Fachzeitschrift Anesthesiology wurde in der Rubrik „Infographics in Anesthesiology“ eine aktuelle Studie zum Vergleich von NaCl und balancierter Infusionslösung (hier im OP-Setting) aufgearbeitet:

Maheshwari K, et al. Saline versus lactated Ringer’s solution: The Saline or Lactated Ringer’s (SOLAR) trial. Anesthesiology 2020; 132: 614–24

Hintergrund: Sowohl Kochsalzlösung als auch Ringerlactatlösung werden chirurgischen Patienten häufig verabreicht. Allerdings kann eine hyperchlorämische Azidose infolge der Verabreichung von Kochsalzlösung zu Komplikationen führen. Die Autoren testeten daher die primäre Hypothese, dass eine Kombination aus stationärer Mortalität und schweren postoperativen Komplikationen bei Patienten, denen Ringerlactatlösung verabreicht wurde, seltener auftritt als bei Patienten, denen normale Kochsalzlösung verabreicht wurde.

Methodik: Die Autoren führten eine alternierende kohortenkontrollierte Studie durch, in der Erwachsene, die kolorektal und orthopädisch operiert wurden, zwischen September 2015 und August 2018 in 2-Wochen-Blöcken entweder Ringerlactatlösung oder normale Kochsalzlösung erhielten. Das primäre Ergebnis war eine Kombination aus der Sterblichkeit im Krankenhaus und den wichtigsten postoperativen renalen, respiratorischen, infektiösen und hämorrhagischen Komplikationen. Das sekundäre Endergebnis war eine postoperative akute Nierenverletzung.

Ergebnisse: Von 8.616 in Frage kommenden Patienten wurden 4.187 (49%) der Ringerlösung mit Laktat und 4.429 (51%) der Kochsalzlösung zugewiesen. Jede Gruppe erhielt im Median 1,9 l Flüssigkeit. Das primäre Komposit von Hauptkomplikationen wurde bei 5,8% der Patienten mit Ringerlactat gegenüber 6,1% der Patienten mit normaler Kochsalzlösung beobachtet, mit einem geschätzten durchschnittlichen relativen Risiko über die Komponenten des Komposits von 1,16 (95% CI, 0,89-1,52; p=0,261). Das sekundäre Ergebnis, postoperative akute Nierenverletzung, Acute Nidney Injury Network Stadium I-III versus 0, trat bei 6,6% der Ringerlactat-Patienten versus 6,2% der normalen Kochsalzpatienten auf, mit einem geschätzten relativen Risiko von 1,18 (99,3% KI, 0,99-1,41; p=0,009, Signifikanzkriterium 0,007). Die absoluten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen betrugen bei jedem Ergebnis weniger als 0,5%, ein Betrag, der klinisch nicht aussagekräftig ist.

Schlussfolgerungen: Bei Patienten mit elektiven orthopädischen und kolorektalen Operationen gab es keinen klinisch bedeutsamen Unterschied bei postoperativen Komplikationen mit Ringerlactat oder Kochsalzvolumenersatz. Zu unserem Entsetzen formulierten die Autoren: „Kliniker können beide Lösungen intraoperativ sinnvoll einsetzen.“ Dem Leser dieser Studie stellt sich die Frage, ob 1,9 L NaCl 0,9% tatsächlich ausreichend sind um eine Hyperchlorämische Azidose auszulösen, oder ob einfach eine inkorrekte Suggestion hier ein Sicherheitsgefühl vermittelt.

Link: https://pubs.asahq.org/anesthesiology/article/132/4/A19/108972/The-Great-Fluid-Debate-Normal-Saline-versus

Infographic created by Jonathan P. Wanderer, Vanderbilt University Medical Center, and James P. Rathmell, Brigham and Women’s Health Care/Harvard Medical School. Illustration by Annemarie Johnson, Vivo Visuals. Address correspondence to Dr. Wanderer: jon.wanderer@vumc.org.

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