Risiko für COVID-19

Aus infektiologischen Gründen ist es für Notaufnahmen extrem wichtig, frühzeitig Patienten mit einem Risiko für COVID-19 zu identifizieren und präemptiv zu isolieren. Dies geschieht idealerweise schon im Rahmen der Ersteinschätzung – noch vor dem Arztkontakt. In einer multizentrischen retrospektiven Diagnostikstudie wurde im Frühjahr 2020 von einer Arbeitsgruppe um Andreas Hüfner aus Regensburg ein symptombasierter COVID-19-Score entwickelt und in seiner Anwendbarkeit für Notaufnahmen evaluiert.

Hüfner A et al. Risikostratifizierung durch Implementierung und Evaluation eines COVID-19-Scores. Med Klin Intensivmed Notfmed 2020, link.springer.com/article/10.1007/s00063-020-00754-4

Gleichzeitig soll dieser Score für den behandelnden Arzt auch die Indikationsentscheidung zur SARS-CoV-2-PCR-Diagnostik erleichtern – gerade jetzt, da die Laborkapazitäten an Ihre Grenzen kommen und man sich möglicherweise wieder vermehrt auf Testung symptomatischer Patienten konzentrieren muss, kann so eine strukturierte Risikoeinschätzung hilfreich sein.

Die Hauptziele der Studie waren:

  • die Entwicklung eines Scores zum strukturierten Screening von Notaufnahmepatienten im Rahmen der Ersteinschätzung bezüglich des Risikos für eine COVID-19-Erkrankung;
  • die digitale Umsetzung des Risikoscores in der Notaufnahmesoftware

Gemäß den publizierten Symptomhäufigkeiten von an COVID-19 erkrankten Patienten wurde im Expertenkonsens ein Score mit unterschiedlicher Gewichtung entwickelt, der sich auf die vorbeschriebene Häufigkeit von Erkrankungssymptomen stützt:

Ergebnisse:

  • Die Studienpopulation umfasste insgesamt 697 symptomatische Patienten (die alle mindestens 1 Scorepunkt erzielten) aus 3 Notaufnahmen, bei denen eine SARS-CoV-2-PCR durchgeführt wurde.
  • In den beteiligten Notaufnahmen wurden während des Studienzeitraums 12.822 Patienten behandelt, sodass die COVID-19-Verdachtsfälle 5,4 % aller Patientenkontakte darstellten.
  • Von dem hier untersuchten Patientenkollektiv wurden 55,5 % stationär aufgenommen und 44,5 % ambulant weiterbehandelt.
  • Ein Cut-off-Wert von ≥ 5 Punkten führte unter der Prämisse einer hohen Sensitivität zur besten Gesamtperformance des Scores, sodass dieser Wert als Entscheidungskriterium für eine präemptive Isolation und PCR-Testung festgelegt wurde.
  • Die Sensitivität dieses Scores lag für diesen Cut-off- Wert bei 98,4 %, während die Spezifität allerdings nur 48,3 % erreichte.

Fazit:

  • Der während der Ersteinschätzung einfach zu erhebende Score unterstützt im Rahmen der Risikostratifizierung die Beurteilung der Vortestwahrscheinlichkeit für eine COVID-19-Infektion.
  • Dadurch kann frühzeitig der Behandlungspfad bezüglich präemptiver Isolation, PCR-Testung und weiterer Behandlungsoptionen beeinflusst werden.
  • Die unspezifischen Symptomatik der COVID-19-Erkrankung führt allerdings dazu, dass für das Ziel einer hohen Sensitivität eine relativ geringe Spezifität des Scores in Kauf genommen werden muss.

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